Frankfurt (Reuters) – Zins- und Konjunktursorgen haben die Aktienmärkte zum Wochenauftakt ins Minus gedrückt.
Der deutsche Leitindex Dax gab am Montagvormittag 0,1 Prozent auf 15.860 Punkte nach.
Sein europäisches Pendant, der EuroStoxx50, verlor 0,3 Prozent auf 4394 Zähler. Auch die Futures für die wichtigsten US-Indizes lagen im Minus. Analysten zufolge rätselten Investoren, ob die für den späteren Wochenverlauf geplanten Konzernbilanzen und Konjunkturdaten Klarheit über die Lage der globalen Wirtschaft schaffen.
In der alten Woche hatten uneinheitlich ausgefallene Geschäftszahlen neue Rezessionsängste und Sorgen über die weitere Geldpolitik der US-Notenbank Fed geschürt. Nun warteten Investoren auf die im späteren Wochenverlauf anstehenden Bilanzen von US-Tech-Giganten.
“Die Zahlen von Amazon, Apple und Microsoft haben schon jede für sich das Potenzial, den Gesamtmarkt zu bewegen”, sagte Stratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets.
Dabei konnte der mit Spannung erwartete Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts die Stimmung nicht aufhellen.
Das Barometer kletterte zwar auf 93,6 Punkte von 93,2 Zählern im März. Damit ist die Stimmung so gut wie seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 nicht mehr. Von Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem Anstieg auf 94,0 Punkte gerechnet.
“Die Sorgen der deutschen Unternehmen lassen nach, aber der Konjunktur fehlt es an Dynamik”, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.
ÖLPREISE UNTER DRUCK
Die Verunsicherung setzte den Ölpreisen zu.
Die Nordsee-Rohölsorte Brent und die leichte US-Sorte WTI verbilligten sich um jeweils rund ein halbes Prozent auf 81,33 und 77,66 Dollar pro Barrel (159 Liter). Auch Industriemetalle wie Zink, Blei, Zinn, Nickel und Aluminium verloren zwischen 0,6 und 1,2 Prozent.
Grund seien vor allem Zins- und Rezessionsängste nach durchwachsenen US-Wirtschaftszahlen und enttäuschenden Geschäftsergebnissen von Netflix und Tesla in der vergangenen Woche, sagte Analystin Tina Teng vom Broker CMC Markets.
Der Nachfrage habe auch die jüngste Erholung der US-Devise zugesetzt, die die in Dollar gehandelten Rohstoffe teurer für Investoren in anderen Währungsräumen machen.
Gleichzeitig gehen Analysten und Händler nach wie vor von langfristig steigenden Ölpreisen aus.
Vor allem die geplante Förderkürzung des Ölverbunds Opec+ ab Mai und die Aussicht auf eine Erholung der Nachfrage aus China in der zweiten Jahreshälfte dürften das “schwarze Gold” letztendlich nach oben treiben, sagte Sugandha Sachdeva, ein unabhängiger Ölmarktexperte.
SOFTWARE AG NACH ÜBERNAHMEANGEBOT IM AUFWIND
Bei den Einzelwerten stand die Aktie von Software AG im Rampenlicht.
Die US-Beteiligungsgesellschaft Silver Lake will den zweitgrößten Softwarehersteller Deutschlands übernehmen. Die Titel des Darmstädter Unternehmens sprangen um knapp 50 Prozent auf 29,78 Euro. Silver Lake bietet 30 Euro je Aktie.
Später am Montag wird das Management das Angebot den Aktionären vorlegen. “Bei diesem Kursaufschlag stehen die Chancen für eine Annahme außerordentlich gut”, sagte Molnar.
Gefragt waren auch die Aktien des Medizintechnik-Herstellers Philips, die knapp elf Prozent zulegten.
Der Konzern hat nach eigenen Angaben 575 Millionen Euro für mögliche Prozesskosten im Zusammenhang mit einer Sammelklage in den USA wegen des weltweiten Rückrufs von Beatmungsgeräten zur Seite legen können.
Die Rückstellung stellt Konzernchef Roy Jakobs zufolge einen wichtigen Schritt bei der Beilegung des Rechtsstreits dar. Zudem kletterte der Gewinn des Unternehmens im ersten Quartal um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, teilte Philips mit.
(Bericht von Zuzanna Szymanska, redigiert von Christian Rüttger.
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