Poker um Geständnis von Stadler im Audi-Prozess

München (Reuters) – Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler ist im Münchner Betrugsprozess um den Volkswagen-Abgasskandal unter Bedingungen zu einem Geständnis bereit.

Eine Stunde lang pokerten seine Verteidiger am Dienstag mit der Staatsanwaltschaft und dem Landgericht München um die Konditionen, unter denen Stadler eine Mitverantwortung für den Verkauf manipulierter Autos einräumen könnte.

Über das Ergebnis des Gesprächs hinter verschlossenen Türen hüllten sich die Beteiligten jedoch in Schweigen.

“Kein Kommentar”, sagte Stadlers Verteidiger Thilo Pfordte lediglich, als er das Gerichtsgebäude verließ. Er hatte dem Gericht zufolge vorher erklärt, es bestehe “ein grundsätzliches Interesse, das Verfahren zum Abschluss zu bringen”.

Erst am Mittwoch will Richter Stefan Weickert in der öffentlichen Gerichtsverhandlung bekannt geben, ob ein Deal zustande gekommen ist.

Der Richter hat Stadler bei einem Geständnis eine milde Strafe in Aussicht gestellt.

Vor dem vertraulichen Gespräch hatte Weickert in öffentlicher Verhandlung erklärt, er fasse eine Freiheitsstrafe von anderthalb bis zwei Jahren ins Auge, die zur Bewährung ausgesetzt werden solle.

Dem Richter zufolge kann die Staatsanwaltschaft damit zwar leben. Sie sträubte sich jedoch bis zuletzt gegen mehrere Details einer solchen Verständigung. Bisher hat Stadler die Vorwürfe stets bestritten.

Die beiden übrigen Angeklagten haben Manipulationen von Abgaswerten unterdessen gestanden.

Der Prozess zieht sich seit September 2020 hin. Er ist eines der prominentesten Gerichtsverfahren in dem 2015 aufgeflogenen Skandal bei Volkswagen und der Konzerntochter Audi.

Laut Anklage sollen der frühere Audi- und Porsche-Manager Wolfgang Hatz und der Ingenieur Giovanni P. für die Manipulation von Motoren gesorgt haben, die die Einhaltung gesetzlicher Abgaswerte nur auf dem Prüfstand simulierten.

Stadler soll es nach Bekanntwerden des Skandals versäumt haben, den Verkauf der manipulierten Autos zu stoppen.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Stadler bereits ab September 2015 in der Pflicht gesehen, weil ihm zu diesem Zeitpunkt die Manipulationen klar geworden seien.

Das Gericht jedoch ging zuletzt davon aus, dass er wohl erst zehn Monate später, im Juli 2016, die Tragweite des Falls erkannte. Die Staatsanwaltschaft hingegen sah Stadler nach dem jüngsten Stand der Beweisaufnahme ab Dezember 2015 in der Pflicht.

Umstritten war zuletzt auch, wie viel Geld Stadler als Bewährungsauflage zahlen müsste.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Millionensumme. Stadlers Verteidiger hingegen waren nach Angaben des Richters mit einer Mindeststrafe von anderthalb Jahren nicht einverstanden. Mit Blick auf eine Geldauflage hätten sie zudem eingewandt, dass das frühere Millionen-Einkommen des Ex-Audi-Chefs “praktisch von hundert auf null gefallen sei”.

Er verfüge aber “über einen gewissen Immobilienbestand”.

Der frühere Audi-Motorenchef und Porsche-Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz ließ seinen Verteidiger Gerson Trüg am Dienstag erklären, er bekenne sich zu den ihm zur Last gelegten Vorwürfen.

Ihm sei bewusst gewesen, dass die von ihm mitverantwortete Abgas-Nachbehandlung in zahlreichen Autos illegal gewesen sein könnten.

Dies hatte bereits der Mitangeklagte Giovanni P. gestanden. Diesem versprach der Richter deswegen mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe, zu der eine Geldauflage von 50.000 Euro kommen soll.

Bei Hatz hingegen kam kein Deal zustande, weil sich Staatsanwalt Nico Petzka und Verteidiger Trüg nicht einig wurden.

Petzka lehnte eine Bewährungsstrafe für Hatz unter anderem deswegen ab, weil dieser für einen sehr hohen Schaden verantwortlich sei. Damit ist offen, wie das Gericht bei Hatz entscheiden wird. Ein Urteil über die drei Angeklagten wird im Lauf der kommenden Monate erwartet.

(Bericht von Jörn Poltz.

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