Börsen steigen mit angezogener Handbremse – US-Banken im Blick

Frankfurt (Reuters) – Gefangen zwischen der Hoffnung auf nachlassenden geldpolitischen Gegenwind und Konjunktursorgen haben sich Europas Börsen zum Wochenschluss nur schwerfällig voranbewegt.

Der Dax gewann 0,5 Prozent auf 15.913,82 Punkte, was auf Wochensicht ein Minus von 0,3 Prozent bedeutete. Der EuroStoxx50 notierte 0,1 Prozent höher. An der Wall Street blieb die Stimmung angespannt.

Aktien von US-Regionalbanken gingen zunächst auf Stabilisierungskurs, kippten dann aber wieder in die Verlustzone. Aktien des um zusätzliche Liquidität ringenden Regionalinstitutes PacWest sackten um rund zwei Prozent ab, nachdem sie am Donnerstag um 23 Prozent abgestürzt waren.

“Weitere US-Banken stehen im Fadenkreuz des Marktes (…) obwohl viele der unter Druck stehenden Banken im Allgemeinen über solide Kreditfundamentaldaten verfügen”, sagten die Analysten von DBRS Morningstar.

Die zuletzt gesunkene US-Teuerungsrate habe dem angeschlagenen Finanzsektor insgesamt aber eine Atempause verschafft, sagte Geir Lode, Leiter des Bereichs Global Equities beim Vermögensverwalter Federated Hermes Limited.

“Sollte die Inflation weiter zurückgehen und sich als weniger hartnäckig erweisen, könnten Zinssenkungen folgen und den Weg für eine niedrigere Inflation und erschwinglichere Schulden ebnen.”

SCHULDENGESPRÄCHE IN DEN USA VERTAGT

Als Bremsklotz für die Börsen erweist sich der anhaltende Streit über die Anhebung der US-Schuldenobergrenze.

Rund drei Wochen vor einem drohenden Zahlungsausfall der USA sind die Gespräche der Demokraten und Republikaner über die Anhebung der Schuldenobergrenze auf Anfang kommender Woche vertagt worden. “In dem Worst-Case-Szenario droht den Finanzmärkten ein Kollaps”, sagte Christian Henke, Stratege bei IG Markets.

Bislang sei das jedoch immer in letzter Minute verhindert worden.

Am Devisenmarkt konnte der Dollar etwas zulegen. Der Dollar-Index notierte 0,5 Prozent höher bei 102,59 Stellen. Bitcoin fiel um bis zu 3,4 Prozent auf 26.099 Dollar, den tiefsten Stand seit zwei Monaten.

Neben einer rückläufigen Liquidität am Markt sei es unter anderem auch die harte Haltung der US-Regulierungsbehörden gegenüber der Branche, die Investoren zum Rückzug bewege, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

An den Anleihemärkten trennten sich Investoren überwiegend von Staatspapieren. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen stieg auf 2,267 nach 2,217 Prozent.

REKORDHOCH BEI RICHEMONT

Glänzen konnten nach einem Rekordumsatz Richemont.

Die Aktien des Schweizer Konzerns mit Schmuckmarken wie Cartier und Van Cleef & Arpels sprangen zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch von 161,10 Franken und gingen 3,5 Prozent fester aus dem Handel.

“Dem Luxussegment geht es sehr gut, weil es in China mehr um die Erholung im Inland und nicht so sehr um die Produktion geht”, sagte Anthi Tsouvali, Stratege bei State Street Global Markets.

Im Dax waren Rheinmetall mit einem Plus von 2,9 Prozent zweitgrößter Gewinner.

Die Bundeswehr bestellt nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters 18 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 A8 und zwölf Panzerhaubitzen 2000, um die Lücken nach Lieferungen an die Ukraine zu schließen.

Zudem schloss der Rüstungskonzern ein Joint Venture zum Bau und zur Reparatur von Panzern in der Ukraine. Im SDax geriet der Autozulieferer Vitesco unter die Räder. Das Unternehmen musste im ersten Quartal Gewinneinbußen hinnehmen, die Aktien gaben zwei Prozent nach.

(Bericht von Anika Ross, Daniela Pegna.; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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