– von Victoria Waldersee und Andreas Rinke
Berlin (Reuters) – Wichtige Entscheidung in der Zitterpartie um den Bau einer Batteriezellfabrik von Northvolt in Deutschland: Nach offiziellen Subventionszusagen aus Berlin und Kiel treibt das schwedische Unternehmen seine seit längerem laufenden, dann aber wieder infrage gestellten Pläne für die Anlage im schleswig-holsteinischen Heide voran.
Insidern zufolge könnte Northvolt dort etwa drei bis fünf Milliarden Euro investieren und mit rund einer halben Milliarde Hilfen rechnen. Über die Höhe der Förderung sei noch nicht final entschieden worden, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit.
Es sprach aber von wichtigen Fortschritten bei der Fabrik, die nach den Planungen jährlich rund eine Million E-Autos mit Batteriezellen versorgen soll.
Ein endgültiger Durchbruch konnte allerdings noch nicht verkündet werden, denn die EU-Kommission muss die Subventionen noch genehmigen.
“Northvolt hat verdeutlicht, dass die Investition in Heide vorbehaltlich einer Förderung erfolgt, die die Europäische Kommission unter Wahrung des Wettbewerbsrechts genehmigt,” teilte das Ministerium von Robert Habeck mit.
Anfang Februar hatte der Grünen-Politiker Northvolt in Schweden besucht, die Investitionsentscheidung für Heide blieb aber damals weiter in der Schwebe. Nun konnte Northvolt-Gründer und -Chef Peter Carlsson aber offenbar überzeugt werden.
“Mit diesem Engagement der Bundesregierung im Rücken hat Northvolt beschlossen, die nächsten Schritte für den Ausbau in Heide zu gehen”, erklärte der Manager.
ERSTMALS HILFEN AUS EU-ANTWORT AUF US-SUBVENTIONSOFFENSIVE
Auch Habeck zeigte sich optimistisch: “Mit den nächsten Schritten bei Northvolt kann sich Deutschland auf eines der wichtigsten Leuchtturmprojekte der Energie- und Verkehrswende freuen, das Tausende von Green-Tech-Arbeitsplätzen schaffen wird.” Zuvor hatten Äußerungen von Firmenchef Carlsson darauf hingedeutet, dass Northvolt zugunsten eines Standorts in Nordamerika den Bau in Heide aufschieben könnte.
Hintergrund waren neben niedrigeren Strompreisen vor allem die Aussicht auf höhere Subventionen. Letztere resultierten aus dem US-Subventionsprogramm IRA, das in Europa die Furcht vor der Abwanderung von Industrien ausgelöst hat.
Als Antwort darauf rief die EU den “Befristeten Krisenrahmen” (TCTF) ins Leben, der grüne Zukunftsindustrien unterstützen soll.
Wenn die EU-Kommission die Hilfen für Northvolt genehmigt, wäre dies das erste Mal, dass der TCTF in Deutschland zur Anwendung kommt.
Northvolt erwägt dabei nach eigenen Angaben den Bau von zwei Fabriken gleichzeitig.
Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, ein paralleler Bau von zwei Standorten sei möglich. Beobachtern zufolge haben sich die Bedingungen für die Unternehmen durch die konkurrierenden Subventions-Programme grundsätzlich verbessert.
Die Firmen verhandelten nun nach, deshalb würden solche Ansiedlungen aus Sicht der Bundesregierung und der EU-Partner teurer. Die Gefahr eines Subventionswettlaufs solle auch auf dem G7-Gipfel kommende Woche in Japan angesprochen werden, hieß es in Regierungskreisen.
PROLOGIUM AUS TAIWAN ZIEHT FRANKREICH FÜR FABRIK VOR
Im Rennen um die erste Fabrik für E-Auto-Batterien des Unternehmens ProLogium außerhalb seiner Heimat Taiwan zog Deutschland nach Angaben des Konzerns den Kürzeren.
ProLogium siedelt die Anlage in Frankreich an, nachdem Präsident Emmanuel Macron sich persönlich bei Firmenboss Vincent Yang dafür starkgemacht hatte. Versprechen für finanzielle Hilfen sowie der günstige Atomstrom spielten dabei eine wichtige Rolle.
Auch hier muss die EU-Kommission die Subventionen genehmigen. ProLogium will ab 2026 produzieren und direkt 3000 neue Jobs schaffen.
Datum und Belegschaft entsprechen genau den Plänen, die Northvolt für das Werk in Heide ausgegeben hat.
In der Stadt rund 100 Kilometer nordwestlich von Hamburg wird zudem mit Tausenden weiteren Jobs in anderen Industrien und Dienstleistungen kalkuliert. In den vergangenen Tagen gaben die beiden Standortgemeinden Lohe-Rickelshof und Norderwöhrden grünes Licht für die nächste Phase des Genehmigungsverfahrens, womit eine weitere wichtige Hürde auf dem Weg zum Spatenstich genommen worden sein dürfte.
Mit einer Jahreskapazität von 60 Gigawattstunden spielt die geplante Northvolt-Anlage in der Liga der sogenannten “Gigafactorys” mit.
Die Northvolt-Fabrik wird dabei größer als jeder der beiden von Volkswagen im niedersächsischen Salzgitter sowie in Spanien geplanten Standorte, aber kleiner als die von der chinesischen CATL in Ungarn angekündigten 100-Gigawatt-Anlage.
Tesla hatte seine Pläne zur Herstellung kompletter Batterien – also auch der Batteriezellen – an seinem Standort in Grünheide bei Berlin zuletzt wegen Steueranreizen zugunsten von US-Standorten aufgeschoben.
(Unter Mitarbeit von Gilles Guillaume in Paris, geschrieben von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)









