Europas Anleger vorsichtig – Türkische Börse unter Druck

Frankfurt (Reuters) – Trotz der Unsicherheit rund um die Präsidentschaftswahl in der Türkei sind Europas Anleger zum Wochenstart vorsichtig optimistisch geblieben.

Der Dax schob sich in der Spitze um 0,4 Prozent auf bis zu 15.982 Punkte vor.

Sein europäisches Pendant EuroStoxx50 legte um bis zu 0,5 Prozent auf 4338 Punkte zu. Auch an der Wall Street deuteten die US-Futures auf einen freundlichen Handelsstart hin. Investoren setzten vor den anstehenden Gesprächen von US-Präsident Joe Biden mit führenden Vertretern des Kongresses über die Anhebung des nationalen Schuldenlimits darauf, dass ein drohender Zahlungsausfall der USA vermieden werden kann.

Das überraschend starke Abschneiden des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in der ersten Wahlrunde schickte unterdessen die Börse in Istanbul auf Talfahrt und belastete vor allem türkische Bank-Aktien.

Umfragen vor der Wahl hatten Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu vorne gesehen. Da keiner der beiden Kandidaten die absolute Mehrheit im ersten Durchgang erreichen konnte, fällt die Entscheidung in zwei Wochen in einer Stichwahl.

“Das ist eine größere Enttäuschung für Investoren, die auf einen Sieg des Oppositionskandidaten Kilicdaroglu und eine Rückkehr zu der von ihm versprochenen orthodoxen Wirtschaftspolitik gehofft hatten”, sagte Hasnain Malik, Analyst beim Analysehaus Tellimer.

Bei der Parlamentswahl lag Erdogans AK-Partei deutlich vor dem Oppositionsbündnis. Selbst wenn sich Kilicdaroglu im zweiten Wahlgang durchsetzt, hätte er damit nicht die Mehrheit im Parlament hinter sich.

STICHWAHL SETZT TÜRKISCHEN BANKEN ZU

Nach einem Kurseinbruch von bis zu 6,7 Prozent grenzte der türkische Leitindex die Verluste im Handelsverlauf auf rund drei Prozent ein. Dagegen blieben Banken-Titel in der Türkei unter Druck; der Branchenindex rauschte um rund neun Prozent nach unten.

Auch die spanische Bank BBVA geriet angesichts ihres Türkei-Engagements in den Strudel.

BBVA-Aktien büßten in Madrid knapp fünf Prozent ein und waren damit die größte Belastung für den spanischen Blue-Chip-Index. Grund für den Rückgang seien die “knappen Wahlen” in der Türkei, sagte ein Händler.

BBVA hat einen Anteil von 86 Prozent an der türkischen Garanti Bank, die in Istanbul um zehn Prozent einbrach.

Die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie Gold bröckelte im Handelsverlauf ab, so dass sich der Preisanstieg für das Edelmetall auf 0,1 Prozent auf 2013 Dollar pro Feinunze begrenzte.

Zudem trennten sich Investoren von Anleihen. Im Gegenzug zog die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen um vier Basispunkte auf 2,307 Prozent. Anziehende Inflationserwartungen ließen Anleger auf weitere Zinserhöhungen wetten.

Die Zentralbanken seien über die Auswirkungen der Inflation wie etwa höhere Lohnforderungen besorgt, sagte Jens Peter Sørensen, Chefanalyst der Danske Bank. “Die Daten zu den Inflationserwartungen in den USA vom Freitag waren ziemlich hoch.” Die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Zinsen womöglich länger erhöhen müssen als ursprünglich angenommen, um den Inflationsdruck zu dämpfen, hatte zudem Ratsmitglied Peter Kazimir am Sonntag geäußert.

LICHT UND SCHATTEN BEI SIEMENS ENERGY

Bei den Einzelwerten arbeitete sich Siemens Energy nach anfänglichen Verlusten mit einem Kursplus von bis zu vier Prozent an die Spitze des Dax vor.

Der Energietechnik-Konzern habe im zweiten Geschäftsquartal besser als erwartete Ergebnisse geliefert mit einer starken Leistung im Gasgeschäft, sagte ein Händler. “Dennoch musste das Unternehmen aufgrund der anhaltenden Herausforderungen bei Gamesa vorsichtiger werden.” Siemens Gamesa kämpft unter anderem mit Qualitätsproblemen bei Windturbinen und unerwartet hohen Garantie- und Wartungskosten.

Dagegen brachen die Titel des britischen Ölfeldausrüsters John Wood um rund ein Drittel ein, nachdem die US-Beteiligungsgesellschaft Apollo nach einem Sondierungsangebot erklärte, keine Übernahme mehr zu planen.

(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Christian Rüttger.

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