– von Klaus Lauer
Berlin (Reuters) – Bahn-Reisenden könnten in den Sommerferien nun doch Streiks erspart bleiben.
Denn nach der gescheiterten Tarifrunde mit der Deutschen Bahn (DB) setzt nun auch die Eisenbahnergewerkschaft EVG auf eine Lösung in der Schlichtung.
Man nehme den Vorschlag des Staatskonzerns zu einem solchen Verfahren an, teilte die EVG am Donnerstag nach einer Sitzung des Bundesvorstands mit. Zugleich halte man aber an der Urabstimmung über unbefristete Streiks fest.
“Wir sind bereit, mit den Vorbereitungen einer Schlichtung so schnell wie möglich zu beginnen”, sagte EVG-Verhandlungsführer Kristian Loroch. “Sollte das Ergebnis nicht überzeugen, droht ein heißer Herbst, mit massiven Auswirkungen bei Eisenbahn und Bus im Bereich der Deutschen Bahn.” Dann werde es unbefristete Streiks geben, betonte die EVG.
Die Bahn reagierte positiv. Man werde nun Details zur Schlichtung besprechen, sagte ein Sprecher.
Vorige Woche hatte die EVG die Verhandlungen mit dem Staatskonzern DB für gescheitert erklärt und ihre Mitglieder zur Urabstimmung aufgerufen.
Dies dürfte etwa vier bis fünf Wochen dauern, danach wären unbefristete Streiks möglich. Zuletzt hatte die EVG Gewerkschafts-Kreisen zufolge auch über einen möglichen 24-stündigen Warnstreik am 4.
Juli beraten. Komme es zu einer Schlichtung, “würde die EVG von Streiks während der Urlaubszeit möglichst absehen”, erklärte die Gewerkschaft nun. Ein Arbeitskampf würde die “völlig Falschen treffen”, sagte Loroch.
“Dabei haben wir insbesondere die Reisenden im Blick, die wir in der Urlaubszeit nicht wirklich bestreiken wollen.”
“ÜBERZEUGT DAS ERGEBNIS NICHT, FOLGEN UNBEFRISTETE STREIKS”
EVG-Tarifvorständin Cosima Ingenschay erklärte, die stimmberechtigten EVG-Mitglieder bei der DB AG würden so über das Ergebnis der Schlichtung und damit auch über die Möglichkeit unbefristeter Arbeitskämpfe abstimmen.
Dies bedeute direkte Mitgliederbeteiligung. “Überzeugt das Ergebnis nicht, werden unbefristete Streiks die Folge sein.”
Man strebe einen baldigen Abschluss an – allerdings nicht um jeden Preis, ergänzte Loroch.
“Unser Ziel ist es, an den letzten Verhandlungsstand vor dem Scheitern anzuknüpfen.” Mittlerweile habe man mit mehr als zehn Eisenbahnunternehmen Tarifabschlüsse erzielt, mit einer Lohnerhöhung von 420 Euro bei einer Laufzeit von 21 Monaten.
Die Bahn hatte zuletzt einen “hohen Festbetrag” sowie einen zusätzlichen Inflationsausgleich von 2850 Euro netto bei 27 Monaten Laufzeit und weiteren strukturellen Verbesserungen in Aussicht gestellt.
Ingenschay erklärte vorige Woche, Verhandlungsstand mit der Bahn sei zuletzt ein Festbetrag von 400 Euro in zwei Schritten gewesen – im Dezember 2023 und im August 2024. Die EVG hatte dies als zu wenig kritisiert.
Die EVG hatte ursprünglich zwölf Prozent mehr Lohn gefordert, mindestens aber 650 Euro im Monat mehr – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Gewerkschaft verhandelt für rund 230.000 Beschäftigte bei rund 50 Bahn- und Busunternehmen, darunter etwa 180.000 bei der Deutschen Bahn.
(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)









