US-Inflationsrückgang ist “Befreiungsschlag” für Börsen

Frankfurt (Reuters) – Eine deutlich rückläufige US-Inflation hat an den Börsen am Mittwoch für Jubelstimmung gesorgt.

Der deutsche Aktienindex schaffte es mit Rückenwind der Wall Street sogar wieder über die wichtige Marke von 16.000 Punkten.

“Das ist der ersehnte Befreiungsschlag”, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Anleger sahen sich in der Annahme bestätigt, dass das Ende der Zinserhöhungen näher rückt und griffen bei Aktien und Anleihen zu, während der US-Dollar nachgab.

Der Dax gewann 1,5 Prozent auf 16.023 Punkte, der EuroStoxx50 rückte um 1,8 Prozent vor.

Auch an den US-Märkten stiegen die Kurse. Die Inflationsrate in den USA ist wegen sinkender Energiepreise im Juni nur noch um 3,0 Prozent gestiegen. Das ist der kleinste Anstieg seit März 2021. “Jetzt dürfen die Börsianer hoffen, dass die Fed nur noch maximal einmal an der Zinsschraube dreht”, sagte Altmann.

Das nächste Zinstreffen der Fed findet nun am 25. und 26. Juli statt. Doch trotz aller Euphorie sei es zu früh für eine vollständige Entwarnung, sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst von CMC Markets.

Das große Problem wäre, wenn die Kerninflation monatelang dort hängenbliebe, wo sie aktuell sei.

BEIGE BOOK WIRD AM ABEND VERÖFFENTLICHT

Der Dollar-Index, der den Wert des Greenbacks zu anderen wichtigen Währungen misst, fiel in Reaktion auf die Daten um ein Prozent auf 100,62 Stellen.

Der Euro kletterte mit 1,1125 Dollar auf den höchsten Stand seit März 2022.

Am Anleihemarkt sackte die Rendite der zahnjährigen US-Treasuries auf 3,867 von zuvor 3,942 Prozent ab. Neben den Inflationsdaten dürfte auch der am Abend (MESZ) anstehende Bericht zur Entwicklung der Konjunktur in den Fed-Bezirken für Gesprächsstoff sorgen, das sogenannte “Beige Book”.

Die konjunkturelle Lage ist entscheidend dafür, wie lange und wie stark die Zinsen in den USA noch steigen werden.

Auf der Unternehmensseite rückten die europäischen Online-Modehändler nach dem überraschenden Sprung in die Gewinnzone von About You in den Fokus.

Zalando kletterten im Dax um 10,5 Prozent, die britischen Firmen Asos und Boohoo legten 8,2 und 2,8 Prozent zu. About You verbuchten mit rund 36 Prozent auf 6,03 Euro einen Rekordkurssprung.

CHIPWERTE PROFITIEREN VON ANALYSTENKOMMENTAR

Ebenfalls deutliche Kursgewinne erzielten die europäischen Chipwerte nach einem positiven Analystenkommentar der US-Investmentbank Jefferies.

Sie sieht eine deutliche Steigerung der Gewinne pro Aktie in dem Sektor in den nächsten zwei Jahren. Aktien von STMicroelectronics, Melexis und Infineon legten zwischen 3,1 und 6,6 Prozent zu. Aixtron stiegen im MDax um vier Prozent.

Der europäische Bankensektor notierte 1,9 Prozent fester.

Die Kapitaldecke der von der EZB kontrollierten Banken im Euroraum hat trotz anhaltender Konjunkturrisiken leicht zugelegt. Auf der Verkaufsliste standen dagegen die Titel der Deutschen Bank. Sie verloren gegen den Trend im Dax rund 0,4 Prozent.

Händler verwiesen auf eine negative Analystenbewertung. Aktien von Continental gingen nach Vorlage von vorläufigen Quartalszahlen 1,2 Prozent höher aus dem Handel. Der Zulieferer hatte trotz eines operativen Verlustes im Automotive Geschäft die Jahresziele bestätigt.

(Bericht von: Anika Ross, Daniela Pegna, redigiert von Birgit Mittwollen.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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