Frankfurt (Reuters) – Die Herabstufung des Kredit-Ratings der USA durch die Ratingagentur Fitch setzt die Börsen in Europa stark unter Druck.
Der deutsche Leitindex Dax lag am Mittwochvormittag 1,6 Prozent tiefer bei 15.977 Punkten.
Sein europäisches Pendant, der EuroStoxx50, verlor 1,7 Prozent auf 4333 Zähler.
Fitch hatte den USA die Spitzenbonitätsnote entzogen. Die US-Ratingagentur stufte die Bewertung der Kreditwürdigkeit am Dienstagabend um eine Stufe von “AAA” auf “AA+” herunter und begründete dies mit einer Verschlechterung der Haushaltslage.
Die Analysten waren sich uneinig, wie sich die Herabstufung auf die langfristige Marktentwicklung auswirken würde. “Dies geschah bereits einmal im Jahr 2011, damals durch die Agentur Standard and Poors.
In der Folge ging es mit dem Dax in wenigen Tagen 25 Prozent nach unten”, sagte Jürgen Molnar, Stratege vom Broker RoboMarkets. Sollte sich dieses Ereignis wiederholen, würde dies einen Rückgang auf 12.300 Punkte bedeuten.
Entscheidend sei, wie die Wall Street am Nachmittag reagiert.
Andere Experten zeigten sich gelassen. “Es ist aus psychologischer Sicht ein kurzfristiger Dämpfer für die Börse. Wirklich verändern wird sich dadurch nichts”, sagte etwa Jochen Stanzl, Chefanleger beim Broker CMC Markets.
Große Versicherer und Fonds würden zwar wahrscheinlich kleine Anpassungen ihrer Portfolios vornehmen, signifikant dürften diese allerdings nicht sein. “Sie können nicht einfach frei in andere Staatsanleihen wechseln, ähnlich wie ein Zug, der nicht einfach auf ein anderes Gleis springen kann.
Die Alternativen sind schlicht nicht vorhanden”, sagte der Experte.
MAUE KONZERNBILANZEN TRAGEN ZUR TRÜBEN STIMMUNG BEI
Auch weitere durchwachsene Bilanzen, vor allem bei deutschen Unternehmen, trugen zur trüben Stimmung bei.
Die Titel des Medizintechnik-Konzerns Siemens Healthineers, des Gesundheits-Konglomerats Fresenius, des Dialysekonzerns FMC, des Duft- und Aromenherstellers Symrise und des Online-Autohändlers Auto1 verloren nach Zahlen zwischen gut zwei und knapp acht Prozent.
Auch Hugo Boss gaben trotz einer Prognoseanhebung knapp zwei Prozent nach. Börsianer sprachen von Gewinnmitnahmen und einer enttäuschenden Marge wegen negativer Währungseffekte.
In Amsterdam bröckelte die Aktie der niederländischen Kaffee-Holding JDE Peet’s um 3,4 Prozent ab.
Der Anbieter von Marken wie “Jacobs” und “Douwe Egberts” schließt einen Gewinnrückgang für das laufende Jahr nicht mehr aus.
Gefragt waren dagegen die Anteilsscheine des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems, die um knapp sechs Prozent zulegten.
Das Unternehmen rechnet mit weltweit steigenden Rüstungsausgaben und schraubt seine Gewinnerwartung deutlich nach oben.
US-BONDS TROTZ HERABSTUFUNG GEFRAGT – ÖL ERNEUT IM PLUS
Trotz der Herabstufung des US-Kredit-Ratings griffen die Investoren bei US-Staatsanleihen zu.
Die Rendite der zehnjährigen Bonds fiel im Gegenzug zum steigenden Kurs auf 4,023 Prozent von 4,047 Prozent am Dienstag. Laut Manishi Raychaudhuri, einem Analysten der französischen Bank BNP Paribas, handelte es sich um eine kurzfristige reflexartige Reaktion, so dass die Anleger in die relative Sicherheit von Staatsanleihen von den riskanteren Aktienmärkten flüchteten.
Die Ölpreise schlugen unterdessen erneut einen Aufwärtskurs ein.
Die Nordsee-Rohölsorte Brent und die leichte US-Sorte WTI verteuerten sich um jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 85,45 beziehungsweise 81,90 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die US-Rohölvorräte sind vergangene Woche nach Daten des American Petroleum Institute um 15,4 Millionen Barrel gesunken.
Die Analysten erwarteten im Schnitt einen Rückgang um 1,37 Millionen Barrel. Sollten die Zahlen der US-Regierung, die am Nachmittag veröffentlicht werden, mit den Branchendaten übereinstimmen, wäre dies der größte Rückgang der US-Lagerbestände, der seit 1982 verzeichnet wurde.
(Bericht von Zuzanna Szymanska, redigiert von Sabine Ehrhardt.
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