E.ON-Chef gibt bei Energiekrise noch keine Entwarnung

– von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

Düsseldorf (Reuters) – E.ON-Chef Leonhard Birnbaum warnt vor zuviel Zuversicht, dass die Energiekrise wegen der gefallenen Preise für Strom und Gas zu Ende ist.

“Die Krise ist noch nicht vorbei”, sagte der Manager am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die hohen Füllstände in den Gasspeichern der wichtigsten asiatischen und europäischen Märkte sorgten zwar für vorsichtigen Optimismus mit Blick auf den kommenden Winter.

Volle Gasspeicher seien aber keine Garantie. “Energiesparen bleibt wichtig, wir dürfen nicht nachlassen – für eine sichere Versorgung und für das Klima.” Birnbaum äußerte sich anlässlich der endgültigen Halbjahreszahlen, die E.ON einen deutlich höheren Gewinn bescherten.

Im vergangenen Jahr hatte die Sorge vor einer mangelnden Gasversorgung infolge der Invasion Russlands in der Ukraine die Märkte erschüttert.

Die Gas- und Strompreise waren explodiert. Inzwischen sind sie wieder stark gesunken. Im vergangenen Winter hätten die Einsparungen dazu beigetragen, dass eine Eskalation der Versorgungslage vermieden werden konnte, sagte Birnbaum.

Der Bundesnetzagentur zufolge lag der Gasverbrauch in Deutschland 2022 rund 14 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021.

MARKTUMFELD BERUHIGT SICH – 2000 NEUE MITARBEITER

“Unser Marktumfeld erholt sich zunehmend.

Damit gehen auch die Risiken für unser Geschäft in den kommenden Monaten zurück”, betonte Finanzchef Marc Spieker. Sowohl im Geschäft mit Kundenlösungen, wozu der Vertrieb von Strom und Gas gehöre, als auch beim Betrieb der Netze habe E.ON zugelegt.

Das Unternehmen bestätigte die Ende Juli angehobene Prognose, wonach unter anderem im Gesamtjahr der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in der Bandbreite von 8,6 bis 8,8 Milliarden Euro liegen soll.

In den ersten sechs Monaten kletterte das Ergebnis um 40 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro.

Der Konzern hat seine Investitionen deutlich erhöht. In den ersten sechs Monaten seien die Investitionen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 36 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gestiegen.

“Im vergangenen Jahr haben uns die historisch hohen Beschaffungskosten für Gas und Strom stark herausgefordert. Nun sehen wir, dass sich die Großhandelsmärkte wieder entspannen”, erklärte Birnbaum.

Dadurch könne E.ON wie angekündigt die Preise für Millionen Strom- und Gaskunden wieder senken. Der Konzern baut zudem seine Belegschaft aus. Seit Ende 2022 seien rund 2000 neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eingestellt worden.

Etwa die Hälfte davon sei im deutschen Netzgeschäft tätig. Insgesamt beschäftigte E.ON Ende Juni 71.389 Personen.

(Bericht von Tom Käckenhoff, Christoph Steitz; redigiert von Sabine Wollrab.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

tagreuters.com2023binary_LYNXMPEJ7806G-VIEWIMAGE

Close Bitnami banner
Bitnami