Anleger vor Fed-Zinsentscheid auf dem Rückzug

Frankfurt (Reuters) – Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am Mittwoch haben die Investoren zum Wochenauftakt die Köpfe eingezogen.

Der deutsche Leitindex Dax und der EuroStoxx50 gaben am Montag jeweils rund ein Prozent auf 15.758 beziehungsweise 4250 Punkte nach.

Die wichtigsten US-Indizes sind unterdessen zwischen minus 0,2 und plus 0,1 Prozent in den Handel gestartet.

Nachdem der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche Hoffnungen auf ein Ende der starken Zinserhöhungen geschürt hat, liegt der Fokus nun auf der Fed und anderen größeren Zentralbanken.

Die meisten Marktteilnehmer gehen derzeit davon aus, dass die US-Notenbank eine Zinserhöhungspause einlegen wird. Die Datenlage, von der die Währungshüter ihre nächsten Schritte abhängig machen wollen, bleibt allerdings uneinheitlich.

Eine Reihe von Wirtschaftsdaten, die besser als erwartet ausgefallen sind, hat zuletzt die Sorgen über eine mögliche Rezession verringert, ohne die Befürchtungen einer Zinserhöhung im September zu verstärken.

Der sprunghafte Anstieg der Energiepreise droht jedoch Analysten zufolge die Inflation in die Höhe zu treiben. “Auch die Ölpreise beeinflussen derzeit das Narrativ, und die Fed wird dies berücksichtigen”, sagte Peter Andersen, Gründer des Vermögensverwalters Andersen Capital Management.

ÖL-RALLY GEHT WEITER

So trieben Angebotssorgen und Spekulationen auf eine Erholung der Nachfrage in China den Ölpreis auf den höchsten Stand seit zehn Monaten.

Rohöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI verteuerten sich um rund ein Prozent auf 94,75 beziehungsweise 91,82 Dollar pro Barrel. Treiber seien Chinas Konjunkturpolitik, robuste Wirtschaftsdaten aus den USA und die anhaltenden Förderkürzungen der Opec+, sagte Tina Teng, Analystin beim Broker CMC Markets.

“Dieser Ölpreisanstieg bremst die Wirtschaft gleich mehrfach aus”, konstatierte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners.

“Zum einen werden die direkten Energiekosten erneut teurer. Zum anderen führen die höheren Ölpreise zu höheren Inflationsraten, die wiederum höhere Zinsen und damit höhere Finanzierungskosten nach sich ziehen.”

SOCGEN-CHEF FÄLLT MIT PLÄNEN DURCH

Bei den Einzelwerten brachen unterdessen die Titel der französischen Großbank Societe Generale um 10,5 Prozent ein.

Anleger straften den vorgestellten Strategieplan des seit Mai amtierenden Vorstandschefs Slawomir Krupa ab. Die Analysten von der Bank HSBC nannten vor allem das Ziel für das Umsatzwachstum enttäuschend.

Krupa peilt bis 2026 ein jährliches Wachstum zwischen Null und zwei Prozent an.

Um 12,7 Prozent nach unten ging es auch für den Arznei-Auftragsfertiger Lonza. Nach einer Gewinnwarnung im Juli gibt Konzernchef Pierre-Alain Ruffieux nun überraschend sein Amt auf.

Bei der Schweizer Firma kommt es damit innerhalb von vier Jahren zum vierten Chefwechsel. Dies sei verwunderlich, erklärte ZKB-Analyst Daniel Buchta. “Zudem offenbart es, dass unter der Oberfläche einiges nicht optimal gelaufen ist.”

Zu den größten Dax-Verlierern gehörte erneut MTU mit einem Minus von drei Prozent auf 168,75 Euro.

Die Analysten von Bernstein senkten das Kursziel auf 216 Euro von zuvor 252 Euro. Der Münchner Triebwerkshersteller bezifferte jüngst die Belastung durch die Materialprobleme beim Geschäftspartner Pratt & Whitney auf eine Milliarde Euro.

Wegen der Triebwerk-Probleme des Partners türmten sich die Kursverluste bei MTU im September zum größten Monatsverlust seit rund dreieinhalb Jahren auf.

(Bericht von Stefanie Geiger und Zuzanna Szymanska, redigiert von Hans Seidenstücker.

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