Konjunkturprognosen für 2024 werden düsterer – Nur Mini-Wachstum?

Berlin (Reuters) – Erst Rezession, dann Flaute: Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und der Bankenverband BdB trauen der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr nur ein Mini-Wachstum zu.

Das Bruttoinlandsprodukt werde um 0,7 Prozent wachsen, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Prognose des IMK. Es ist nicht nur pessimistischer als noch im Frühjahr mit 1,2 Prozent angenommen, sondern auch zurückhaltender als die anderen führenden Institute: Das Münchner Ifo etwa rechnet mit einem doppelt so kräftigen Wachstum von 1,4 Prozent.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) ist sogar noch skeptischer: Er rechnet nur noch mit plus 0,3 Prozent. Das würde nicht ausreichen, um das erwartete Minus in diesem Jahr wettzumachen: Für 2023 erwarten IMK und BdB jeweils einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,5 Prozent.

“Die durch die Energiepreisschocks geschwächte deutsche Wirtschaft kommt auch in den kommenden Monaten nicht richtig in Gang, weil hohe Zinsen und eine verhaltene Weltkonjunktur bremsen”, begründete der wissenschaftliche IMK-Direktor Sebastian Dullien die pessimistische Sichtweise.

“Der Herbst wird schwierig. Erst im Laufe des kommenden Jahres dürfte die Wirtschaft allmählich wieder an Fahrt gewinnen”, sagte auch BdB-Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff.

Der Chefökonom der Berenberg Bank, Holger Schmieding, bezeichnete die aktuelle Lage Deutschlands und der Euro-Zone als Stagflation.

Damit steckten Firmen und Verbraucher in der Klemme von stagnierender Wirtschaft und hoher Inflation. Im nächsten Jahr werde man diese Phase aber dank sinkender Jahresteuerung und wachsender Wirtschaft wieder verlassen.

Vor allem im zweiten Halbjahr 2024 werde sich das Wirtschaftswachstum dank besserer globaler Konjunktur in Deutschland wieder normalisieren, sagte Schmieding, der aktuell Vorsitzender des BdB-Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik ist.

MEHR ARBEITSLOSE ERWARTET

Bei abnehmender Inflation und stärkeren Lohnsteigerungen dürfte sich zwar ab dem zu Ende gehenden dritten Quartal der private Konsum beleben. “Diese positive Entwicklung kommt aber so spät, dass sie die Rezession im Gesamtjahr 2023 nur etwas mildern kann, nicht verhindern”, hieß es beim IMK.

Das geht am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorüber. Die Arbeitslosenquote steige in diesem Jahr auf durchschnittlich 5,7 Prozent. Das entspricht rund 2,6 Millionen Menschen ohne Job – etwa 190.000 mehr als 2022.

Für 2024 wird ein erneuter Anstieg der Quote auf dann 5,9 Prozent erwartet. Schmieding sagte dazu: “Wir rechnen nicht mit einer Entlassungswelle.” Denn Unternehmen würden auch bei mehr Gegenwind wegen des Fachkräftemangels stärker als in der Vergangenheit an ihren Beschäftigten festhalten.

Entspannung prognostiziert das IMK hingegen bei der Inflation.

In diesem Jahr soll die Teuerungsrate noch durchschnittlich 6,0 Prozent betragen. 2024 dürfte sie mit 2,4 Prozent wieder relativ nahe am Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent liegen.

Der Bankenverband rechnet dann mit 3,0 Prozent. “Das ist immer noch zu hoch”, sagte Herkenhoff.

(Bericht von Rene Wagner und Klaus Lauer, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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