Starker US-Job-Report bremst Börsen

Frankfurt (Reuters) – Zinssorgen nach überraschend starken US-Jobdaten haben die Stimmung an den Börsen eingetrübt.

Der Dax und der EuroStoxx50 bauten am Freitagnachmittag ihre früheren Gewinne wieder ab und traten mit 15.064 beziehungsweise 4102 Punkten mehr oder weniger auf der Stelle.

Die wichtigsten US-Indizes eröffneten im Minus.

In den USA wurden im September 336.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Zuwachs von 170.000 erwartet.

“So schön die Robustheit des Arbeitsmarktes auch ist, für die Börsen sind gute Nachrichten im Moment eher schlecht. Machen sie eine weitere Zinserhöhung oder zumindest noch länger konstant hohe Leitzinsen der US-Notenbank Fed doch umso wahrscheinlicher”, sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Die Währungshüter haben seit Anfang 2022 ihren Leitzins von nahe null auf eine Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent erhöht, um die hohe Inflation einzudämmen und den Arbeitsmarkt abzukühlen.

ÖL STABILISIERT SICH NACH JÜNGSTEM EINBRUCH

Am Devisenmarkt beflügelte die Erwartung weiterer Zinserhöhungen die US-Währung.

Der Dollar-Index notierte ein halbes Prozent höher bei 106,895 Zählern. Der Euro verlor genauso viel auf 1,0495 Dollar. Am Bondmarkt setzte sich der Ausverkauf fort. Im Gegenzug zu fallenden Kursen stiegen die Renditen.

Zehnjährige US-Bonds und Bundesanleihen rentierten mit 4,866 beziehungsweise 2,939 Prozent.

Die Preise für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI unterbrachen indes ihre jüngste Talfahrt und verteuerten sich um rund 0,5 Prozent auf 84,53 beziehungsweise 82,63 Dollar je Fass.

“Es handelt sich um eine Stabilisierung der Preise nach dem Einbruch wegen dem Treffen des Ölkartells Opec+ Mitte dieser Woche”, kommentierte Craig Erlam, Analyst vom Handelshaus Oanda. Dabei fokussierten sich die Investoren vor allem auf die Tatsache, dass Saudi-Arabien und Russland ihre Produktionskürzungen zunächst nicht über das Jahresende hinaus verlängert haben.

“Es kann zwar sein, dass sie dies doch noch tun. Aber angesichts des aktuell sehr hohen Ölpreises und der Gefahr einer Abschwächung der Nachfrage stellen sich die Märkte eher darauf ein, dass die größten Produzenten die Einschränkungen in einigen Monaten auslaufen lassen.”

ABNEHM-MEDIKAMENTEN-BOOM DRÜCKT SCHOKOLADE-HERSTELLER

Gefragt bei den Einzelwerten waren Zalando und Hugo Boss, die 4,4 beziehungsweise 4,1 Prozent zulegten.

Zu Käufen ermutigten die Anleger Analysten zufolge die zuletzt stark gefallenen Kurse der beiden Modeanbieter.

Unter Druck standen die Papiere des niederländischen Medizintechnik-Herstellers Philips.

Die US-Behörde FDA erklärte, sie sei immer noch nicht zufrieden, wie Philips den seit 2021 laufenden Produktrückruf von Millionen von Schlafapnoe- und Beatmungsgeräten handhabe. Die FDA forderte zusätzliche Tests zu den Risiken, die von diesen Geräten ausgingen.

Philips-Aktien verloren rund neun Prozent.

Ein Boom bei Appetitzügler-Präparaten drückte unterdessen die Aktien von Süßwarenherstellern. So verloren Lindt gut vier Prozent. Nestle (KitKat, Häagen Dazs) bröckelten um 3,3 Prozent auf ein zweieinhalb-Jahres-Tief von 99,56 Franken ab.

Analysten wiesen auf einen Kommentar von Walmart hin. Dessen Chef John Furner hatte “Bloomberg” gesagt, er beobachte seit Markteinführung der appetitzügelnden Spritze Wegovy des Pharmakonzerns Novo Nordisk einen leichten Nachfragerückgang bei Lebensmitteln.

(Bericht von Daniela Pegna und Zuzanna Szymanska.

Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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