ABB sieht Licht am Ende des Tunnels in China

Zürich (Reuters) – Nach dem seit über einem Jahr andauerden Krebsgang im China-Geschäft sieht der Elektrotechnikkonzern ABB Anzeichen einer Stabilisierung.

“Es gibt ein wenig Licht am Ende des Tunnels”, sagte Konzernchef Björn Rosengren am Mittwoch bei der Vorlage des Quartalsergebnisses.

Die Aufträge seien nur noch um drei Prozent geschrumpft, im Quartal davor waren es neun Prozent gewesen. Drei von vier Bereich hätten in dem Schlüsselmarkt eine stabile oder positive Entwicklung gezeigt.

“Es ist noch früh, aber es scheint, dass es gegen Ende des Quartals eine sequenzielle Stabilisierung außerhalb der Bereiche Robotik und Bauwesen gab”, sagte Finanzchef Timo Ihamuotila. Zum letzten Mal hatte der Schweizer Konzern in China steigende Bestellungen im zweiten Quartal 2022 verbucht.

Unter anderem als Folge der Covid-Krise hatte die Industrie-Aktivität in China in den vergangenen Quartalen nachgelassen. Im Sommer wuchs die Wirtschaft stärker als erwartet und ist damit auf dem Weg der Besserung.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stieg den am Mittwoch veröffentlichten Daten zufolge von Juli bis September um 4,9 Prozent. Doch die maue Weltkonjunktur, die den chinesischen Exporteuren arg zusetzt, sowie die anhaltende Immobilienkrise stehen einem nachhaltigen Aufschwung noch im Weg.

“HERAUSFORDERNDER ROBOTERMARKT”

Bei ABB fällt vor allem die Flaute im chinesischen Roboter-Geschäft ins Gewicht.

Im vergangenen Jahr hatten viele Abnehmer angesichts von Lieferengpässen ihre Lager aufgestockt, die erst abgebaut werden müssen. Zudem zögerten viele Industriefirmen noch mit Investitionen, sagte Rosengren.

“Wir erwarten, dass China auch in den nächsten Quartalen ein herausfordernder Robotermarkt sein wird.” Die Hälfte des weltweiten Roboter-Marktes entfällt auf China.

Konzernweit zogen die bereinigten Aufträge im dritten Quartal um zwei Prozent auf 8,05 Milliarden Dollar an.

Rund lief es vor allem in der Prozessautomation für Kunden aus dem Öl- und Gasmarkt. Dank eines kräftigen Umsatzpluses, das auch von Preiserhöhungen getragen war, sowie dem Wegfall von Sonderbelastungen im vergangenen Jahr kletterte der Gewinn um 145 Prozent auf 882 Millionen Dollar.

Zudem erhöhte der Siemens-Rivale die Prognose für die Ergebnis-Marge im Gesamtjahr leicht. Doch dies hatten die Analysten bereits vorweg genommen, während ABB die Schätzungen für Umsatz und Gewinn nicht ganz erreichte.

Die Aktie verlor daher 6,5 Prozent an Wert. Die Anleger könnten zu dem Schluss kommen, dass ABB bei den Ergebnismargen den Höhepunkt erreicht habe und sich der Auftragseingang abschwächen könnte, erklärte Morgan-Stanley-Analyst Ben Uglow.

(Bericht von Oliver Hirt und Noele Illien.

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