Nahost-Sorgen drücken Börsen – Bilanzen im Blick

Frankfurt (Reuters) – Sorgen um die Lage in Nahost machen den Börsen zu schaffen.

Dax und EuroStoxx50 lagen am Mittwochnachmittag je rund ein Prozent tiefer bei 15.117 beziehungsweise 4108 Punkten.

Die wichtigsten US-Indizes eröffneten ebenfalls im Minus.

Die Explosion in einem Krankenhaus in Gaza-Stadt mit möglicherweise Hunderten Toten erschwert die Bemühungen um eine Eindämmung des eskalierenden Konflikts.

Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas sprach von einem israelischen Luftangriff. Israel erklärte dagegen, es habe sich um einen Fehlstart einer Rakete des Islamischen Dschihad gehandelt.

Die Extremistengruppe dementierte. “Dies bringt die befürchtete Unruhe in die gesamte Region und erschwert die diplomatischen Bemühungen um eine Lösung des Konflikts”, sagte Jürgen Molnar, Stratege vom Broker RoboMarkets.

Damit bleibe die Nervosität an der Börse, und mit der Stabilität des Deutschen Aktienindex der vergangenen Tage könne es in den kommenden Stunden vorbei sein.

ÖL TEURER – ANLEGER SUCHEN NACH ABSICHERUNGEN

Die Verunsicherung war erneut an den Rohstoffpreisen abzulesen.

Das als Absicherung genutzte Gold verteuerte sich um knapp zwei Prozent auf rund 1960 Dollar je Feinunze. Versorgungsängste trieben auch die Preise für die Nordsee-Ölsorte Brent und die leichte US-Sorte WTI um je rund 1,5 Prozent auf 91,25 beziehungsweise 88,05 Dollar pro Barrel (159 Liter).

“Die Absage eines Gipfeltreffens zwischen (US-Präsident Joe) Biden und arabischen Führern verringert die Wahrscheinlichkeit einer diplomatischen Lösung des Israel-Hamas-Konflikts”, sagt Vivek Dhar, Analyst bei der Commonwealth Bank of Australia.

Die Märkte seien angesichts einer drohenden Bodenoffensive Israels nervös. “Eine lange Besetzung droht als Szenario, was die Brent-Öl-Futures in Richtung 100 US-Dollar pro Barrel treibt, weil das Risiko einer Ausweitung des Israel-Hamas-Konflikts steigt und der Iran möglicherweise direkt mit hineingezogen wird.”

Neben den geopolitischen Spannungen sorgte viele Anleger auch die Möglichkeit hochbleibender Zinsen.

Die Anleiherenditen der Eurozone stiegen weiter an. Die Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen rückte auf 2,895 Prozent vor. Robuste US-Konjunkturdaten hatten am Dienstag einen Ausverkauf bei Anleihen eingeläutet.

Marktteilnehmer sehen durch die Stärke der US-Wirtschaft die Tür für weitere Zinserhöhungen der Notenbank offen. Zentralbanker betonten zuletzt, dass sie die Zinsen auf hohem Niveau belassen werden, bis die Inflation überwunden ist.

ASML IM ABSEITS – ADIDAS GEFRAGT – VOLVO AUF REKORDHOCH

Darüber hinaus läuft die Saison für die Quartalsberichte.

Nach Börsenschluss in den USA stehen unter anderem die Zahlen des E-Autobauers Tesla und des Streamingdienstes Netflix an.

Am deutschen Aktienmarkt waren Adidas gefragt, nachdem der Sportbekleidungshersteller seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben hatte.

Adidas-Aktien legten 3,6 Prozent zu. Im Sog verteuerten sich Titel von Puma um 2,3 Prozent.

Trotz eines Gewinnanstiegs im Quartal zogen Investoren bei ASML nach einem mauen Ausblick die Reißleine.

Die Aktien des niederländischen Chip-Ausrüsters verloren gut vier Prozent. Das Jahr 2024 soll laut ASML ein “Übergangsjahr” werden, es sei mit stagnierenden Umsätzen zu rechnen.

Nach einem überraschend stark gestiegenen Gewinn im Quartal griffen Anleger indes bei Volvo zu.

Die Aktien des schwedischen Lkw-Bauers, der auch Baumaschinen und Motoren herstellt, legten in Stockholm bis zu 4,2 Prozent auf 223,65 Kronen zu und markierten damit ein Rekordhoch. Der Betriebsgewinn war im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 61 Prozent auf 19,1 Milliarden Kronen gewachsen.

(Bericht von Anika Ross und Zuzanna Szymanska.

Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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