Berlin (Reuters) – Trotz zahlreicher Krisenherde und mauer Weltwirtschaft plant ein Drittel der international aktiven deutschen Firmen höhere Investitionen.
“Die deutschen Unternehmen im Ausland behaupten sich tapfer”, sagte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, am Dienstag zu den Ergebnissen einer Umfrage unter mehr als 3600 Firmen.
Dennoch ist die Investitionsbereitschaft auf Sicht von zwölf Monaten etwas zurückgegangen, wie aus der Studie der DIHK und der deutschen Auslandshandelskammern (AHK) hervorgeht. Ein Fünftel der Unternehmen plant demnach einen Abbau der Investitionen an ihren internationalen Standorten, im Frühjahr waren dies nur 17 Prozent.
Im Gegenzug wollen 33 Prozent der Firmen mehr investieren, im Vergleich zu 36 Prozent im Frühjahr.
Bergauf geht es laut DIHK insbesondere in Nordamerika, Nord-Afrika, dem Nahen Osten und auch im Asien-Pazifik-Raum, wobei dort China und Taiwan nicht mit inbegriffen sind.
Insgesamt sollen die deutschen Direktinvestitionen, die bei knapp zwei Billionen Euro liegen, laut DIHK-Prognose in den kommenden Jahren um 100 Milliarden Euro gesteigert werden. Auch bei der Beschäftigung von derzeit acht Millionen Erwerbstätigen an deutschen Auslandsstandorten soll es einen Zuwachs zwischen 80.000 und 100.000 Arbeitsplätzen geben.
Davon würden vor allem die USA profitieren, sagte Treier mit Blick auf Anreizprogramme wie den Inflation Reduction Act (IRA).
Im Gegenzug sei die Investitionsneigung deutscher Unternehmen in China erneut zurückgegangen.
Dazu passt, dass China von Juli bis September einen Abfluss ausländischer Direktinvestitionen meldete.
DERISKING IM GANGE
Laut DIHK-Umfrage gaben 18 Prozent der Unternehmen das von der Bundesregierung angestrebte Derisking als dominanten Grund einer Investitionsentscheidung an.
Hinter dieser Strategie steckt die Absicht, sich angesichts geopolitischer Risiken in kritischen Bereichen nicht zu abhängig von China zu machen. Vor dem Hintergrund der Risiko-Streuung schauten viele Unternehmen nun Richtung Indien, sagte Stefan Halusa, Geschäftsführer der AHK Indien.
Auch bei kleineren und mittleren Unternehmen steige das Interesse deutlich. “Unsere Mitgliedsunternehmen sind sehr optimistisch und haben große Investitionspläne für die nächsten Jahre.” Auch die Philippinen, Thailand und Brasilien profitieren der DIHK zufolge von der angestrebten Diversifizierung.
“GEWISSE AUFBRUCHSTIMMUNG”
Beim Blick auf die konjunkturelle Entwicklung machten sich die geopolitischen Krisen und hohe Zinsen spürbar. Noch 22 Prozent der befragten Firmen gehen an ihren jeweiligen Standorten für die kommenden zwölf Monate von einer besseren Konjunkturentwicklung aus, 28 Prozent dagegen von einem negativen Trend.
Damit verringerte sich der Anteil der Optimisten im Vergleich zum Frühjahr um sechs Prozentpunkte, während sich der Anteil der Pessimisten um einen Prozentpunkt erhöhte. “Anders als in Deutschland sehen wir bei den deutschen Unternehmen im Ausland immerhin eine gewisse Aufbruchstimmung”, sagte Treier.
Die Firmen kämpften zwar auch an anderen Standorten mit einer schwierigen Konjunkturlage, allerdings mit weniger strukturellen Herausforderungen als im Inland. Unterm Strich erwartet die DIHK für 2024 ein unterdurchschnittliches Weltwirtschaftswachstum von 2,5 Prozent (Durchschnitt letzte 20 Jahre: plus 3,6 Prozent).
Bei den Exporten wird mit einem Minus von 0,5 Prozent in diesem Jahr gerechnet, 2024 wird dann ein leichtes Wachstum von einem Prozent veranschlagt.
(Bericht von Nette Nöstlinger, redigiert von Reinhard Becker.
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