Zinsangst lässt Dax zum Wochenschluss absacken

Frankfurt (Reuters) – Der ungewisse Zinspfad der US-Notenbank Fed hat den Dax zum Wochenschluss ausgebremst. Der deutsche Leitindex, der an den vergangenen drei Tagen im Plus aus dem Handel gegangen war, verlor am Freitag 0,7 Prozent auf 15.249 Zähler.

Auch für den EuroStoxx50 ging es bergab. “Wieder einmal sind es die Zinsen, die den Anlegern die Stimmung vermiesen”, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

US-Notenbankchef Jerome Powell hatte am Donnerstagabend in einer Rede signalisiert, dass Zinserhöhungen für die Federal Reserve weiter eine Option sind. Viele Anleger hofften zuletzt auf ein Ende der restriktiven Geldpolitik und erste Signale baldiger Zinssenkungen.

Die Investoren seien ein Mal mehr aus ihrem Wunschtraum gerissen worden, sagte Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets. “Nun ist er also wieder da, der gefährliche Mix aus geldpolitischer Unsicherheit, schwächelnden Volkswirtschaften und geopolitischen Risiken.” Denn neben Zins- und Konjunktursorgen hielt auch der andauernde Krieg in Nahost die Anleger von Aktienkäufen in großem Stil ab.

Die israelische Armee ist in den Norden des Gazastreifens eingerückt und liefert sich dort erbitterte Gefechte mit der radikal-islamischen Hamas nach deren Angriff auf Israel vor mehr als einem Monat.

Viele Investoren fürchteten ein Übergreifen der Kämpfe auf andere Regionen im Nahen Osten mit weitreichenden Folgen auch für die Energieversorgung. Der Iran warnte am Freitag vor einer Ausweitung des Gaza-Krieges.

Der Preis für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI zogen jeweils um gut ein Prozent auf 80,81 beziehungsweise 76,48 Dollar je Fass an.

BOND-RENDITEN GEHEN WIEDER NACH OBEN

Nach oben ging es vor dem Hintergrund neuerlicher Zinsdiskussionen für die Renditen europäischer Staatsanleihen.

Im Gegenzug fielen die Kurse. Die richtungsweisende zehnjährige deutsche Anleihe rentierte zeitweise bei 2,732 Prozent nach 2,654 Prozent im Schlussgeschäft am Donnerstag. Der Dollar-Index und der Euro lagen dagegen kaum verändert bei 105,8830 Punkte beziehungsweise 1,0671 Dollar.

Auf Unternehmensseite erfreute die Allianz die Investoren trotz eines Gewinnrückgangs mit ihrer Bilanz.

Der bereinigte Periodenüberschuss der Anteilseigner sank im abgelaufenen Quartal um 29,3 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro und damit nicht so stark wie befürchtet. Die Aktien stiegen im Dax in der Spitze um 3,5 Prozent.

Auf der Verliererseite fand sich dagegen Siemens Energy mit einem Kursabschlag von 3,4 Prozent wieder. Ein Reuters-Bericht über eine Grundsatzeinigung in den Gesprächen zu staatlichen Garantien für Großaufträge hatte die Aktien am Donnerstag noch um gut sechs Prozent in die Höhe getrieben.

QUARTALSBERICHT LÄSST JUNGHEINRICH ABRUTSCHEN

Im MDax geriet Jungheinrich unter die Räder.

Ein abgeschwächtes Wachstum beim Auftragseingang und Umsatz drückte die Aktien des Gabelstapler-Herstellers zeitweise 6,7 Prozent ins Minus. Bechtle konnte mit seinen Umsatzzahlen ebenfalls nicht punkten.

Die Titel des IT-Dienstleister verloren 5,8 Prozent. Nach dem guten Lauf der Aktie nähmen Anleger nun wohl Gewinne mit, erläuterte ein Händler. Die Titel kommen seit Jahresbeginn auf ein Plus von rund 37 Prozent, der MDax hat im diesem Zeitraum nur knapp drei Prozent zugelegt.

An der Londoner Börse setzte eine sinkende Nachfrage nach alkoholhaltigen Getränken in Lateinamerika dem Johnnie-Walker-Hersteller Diageo deutlich zu.

Die Aktien rauschten um rund 14 Prozent in den Keller.

(Bericht von: Daniela Pegna, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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