Frankfurt (Reuters) – Kurz vor der psychologisch wichtigen 16.000-Punkte-Marke haben die Dax-Anleger am Montag kalte Füße bekommen.
Der deutsche Leitindex notierte nach seinem viereinhalbprozentigen Kursplus in der vergangenen Woche kaum verändert bei 15.912 Punkten.
Der EuroStoxx50 verlor 0,1 Prozent. Gebremst wurde der Dax-Anstieg vor allem durch die massiven Kursverluste der Bayer-Aktie. Neben einem erneuten Rückschlag bei den Glyphosat-Prozessen in den USA musste der Pharma- und Agrarchemiekonzern auch eine herbe Niederlage in der Forschung mit seinem wichtigsten Medikamentenhoffnungsträger Asundexian einstecken.
Die Titel von Bayer fielen um mehr als 21 Prozent auf ein 14-1/2-Jahres-Tief von 32,60 Euro. Das war der größte Kurssturz seit mindestens 32 Jahren.
Der Börsenwert des Aspirin-Herstellers schrumpfte dadurch um etwa 8,7 Milliarden Euro.
Aus Sicht von Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei Robomarkets, dürfte die jüngste Pechsträhne Bayer noch eine Weile beschäftigen: “Einerseits brechen potenzielle Einnahmequellen weg, andererseits gibt es neue potenzielle Kosten.
Diese Kombination dürfte auch der Aktienkurs in den kommenden Wochen deutlich zu spüren bekommen.”
WANN SENKT DIE US-NOTENBANK FED DIE ZINSEN?
Abseits von Bayer richtete sich der Fokus der Dax-Anleger erneut auf die US-Geldpolitik.
Die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen in den USA im nächsten Jahr hatte den deutschen Leitindex deutlich nach oben getrieben. Die Märkte witterten das Ende der Leitzinsanhebungen der US-Notenbank Fed und übersetzten dies mit dem Beginn eines neuen Bullenmarktes bei Aktien, sagte Jochen Stanzl von CMC Markets.
Die Fed hielt nach ihrer aggressiven Erhöhungsserie zuletzt auf zwei Sitzungen in Folge die Füße still. Noch ist aber unklar, wie schnell die Währungshüter ihren restriktiven Kurs tatsächlich beenden werden.
Experten warnen daher vor überzogenem Optimismus. Stimmen wie etwa jene, die darauf hinwiesen, dass ein Monat mit vorteilhaften Inflationsdaten noch kein Ende der Zinsanhebungen garantiere, würden bislang jedoch ignoriert, konstatierte Stanzl.
Auch am Devisenmarkt setzten die Anleger immer mehr auf ein Ende des US-Zinserhöhungszyklus. Der Dollar-Index verlor bis zu 0,4 Prozent auf 103,47 Punkte und markierte damit den tiefsten Stand seit Anfang September.
Der Euro kletterte mit 1,0940 Dollar dagegen auf den höchsten Stand seit Ende August. Nach Einschätzung der Commerzbank könnte sich die Euro-Stärke fortsetzen, sollte die Europäische Zentralbank (EZB) viel später und viel langsamer ihre Leitzinsen senken als der Markt derzeit erwarte.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hielt es zuletzt noch nicht einmal für ausgemacht, ob die EZB nach ihrer Serie von Zinsanhebungen bereits auf dem Zinsgipfel angelangt ist. Im Oktober hatte die EZB nach zehn Zinserhöhungen in Folge angesichts der schwächelnden Konjunktur und deutlich sinkenden Inflationszahlen eine Zinspause beschlossen.
ITALIENISCHE BANKAKTIEN GEFRAGT
Unter den Einzelwerten stachen an der Mailänder Börse zu Wochenbeginn die italienischen Bankenwerte heraus. Die Anhebung des Ausblicks von der Ratingagentur Moody’s für die künftige Bewertung italienischer Anleihen verhalf den Titeln zu Kursgewinnen.
Die Aktien von BMPS, BPER, Banco BPM, Intesa Sanpaolo und UniCredit legten zwischen 2,7 und 1,4 Prozent zu. Am Rentenmarkt markierte der Abstand zwischen den Renditen zehnjähriger italienischer und deutscher Anleihen ein frisches Zwei-Monats-Tief.
Bei der Überprüfung der Kreditwürdigkeit der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone hatte Moody’s am Freitag die Einstufung “Baa3” unverändert gelassen und den Ausblick auf “stabil” von zuvor “negativ” angehoben.
(Bericht von: Daniela Pegna, redigiert von Ralf Banser.
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