Bayer verliert erneut PCB-Prozess in den USA

(Reuters) – Der Leverkusener Pharma- und Agrarkonzern Bayer muss in den USA eine erneute juristische Schlappe im Zusammenhang mit den Altlasten aus der milliardenschweren Monsanto-Übernahme einstecken.

Ein US-Geschworenengericht verurteilte das Unternehmen am Montag zur Zahlung von 857 Millionen Dollar an ehemalige Schüler und Elternvertreter einer Schule nordöstlich von Seattle wegen der Chemikalie PCB.

“Wir können das Urteil nicht nachvollziehen und werden Rechtsmittel dagegen einlegen, um die Entscheidung aufzuheben und den überhöhten Schadensersatz zu reduzieren”, erklärte Bayer am Dienstag.

“Die objektiven Beweise in diesem Fall – einschließlich Blut-, Luft- und anderer Tests – zeigen, dass die Kläger keiner schädlichen Belastung ausgesetzt waren und PCB ihre Gesundheitsprobleme nicht verursacht haben kann.”

Die Geschworenen im Bundesstaat Washington befanden dagegen, dass das Unternehmen haftbar für den Verkauf von PCB-haltigen Produkten sei, die im Sky-Valley-Bildungszentrum in der Stadt Monroe verwendet worden seien.

Die ehemaligen Schüler und Eltern hatten behauptet, dass die von Monsanto hergestellte Chemikalie aus den Beleuchtungskörpern an der Schule ausgetreten sei und bei ihnen zu gesundheitlichen Problemen geführt habe.

Zu den Klägern gehörten fünf ehemalige Schüler und zwei Eltern, die vor sieben bis 18 Jahren die Schule besuchten.

Das Urteil umfasste 73 Millionen Dollar an Schadenersatz und 784 Millionen Dollar an Strafschadenersatz.

Der Oberste Gerichtshof der USA hat entschieden, dass der Strafschadenersatz in der Regel auf das Neunfache des Schadenersatzes begrenzt werden sollte. Für Bayer, die Monsanto 2018 übernommen hatten, ist es die zweite Niederlage bei Klagen wegen PCB innerhalb kurzer Zeit.

Der Dax-Konzern war erst Ende November zur Zahlung von 165 Millionen Dollar an Mitarbeiter der Schule verurteilt worden. Damit sah sich Bayer zuletzt mit Urteilen in Höhe von 870 Millionen Dollar wegen PCB im Sky-Valley-Zentrum konfrontiert.

Der Konzern kämpft zudem mit einer Klagewelle wegen des von Monsanto entwickelten Unkrautvernichters Glyphosat und musste dabei vor kurzem die fünfte Niederlage in Folge hinnehmen.

Monsanto hatte PCB bis 1977 produziert.

Die Chemikalie war vielseitig eingesetzt worden, etwa zur Isolierung elektrischer Geräte, in Bodenbelägen oder Farbe. Die US-Regierung hatte den Stoff 1979 verboten, nachdem er als krebsverdächtigt eingestuft worden war.

Bayer zufolge ist die Schule seit den 1990er Jahren wiederholt gewarnt worden, dass die Beleuchtungskörper dort ausgetauscht werden müssten. Monsanto habe seinerzeit zudem weitreichende Haftungsfreistellungen mit ehemaligen Abnehmern von PCB vereinbart.

(Bericht von Clark Mindock und Patricia Weiß, redigiert von Ralf Banser; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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