München (Reuters) – Vier Wochen nach der Signa Holding rutschen auch die beiden operativen Töchter des österreichischen Immobilien-Imperiums von Rene Benko in die Pleite.
Die Signa Prime Selection AG habe am Donnerstag beim Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt, teilte Signa mit.
Die Bemühungen, frisches Geld für eine Sanierung von Signa Prime außerhalb der Insolvenz aufzutreiben, seien gescheitert. Signa Prime umfasst die wichtigsten Immobilien von Benko, darunter die Warenhaus-Immobilien des KaDeWe in Berlin, des Alsterhauses in Hamburg und des Oberpollinger in München sowie den im Bau befindlichen, 64-stöckigen “Elbtower” in Hamburg.
Am Freitag werde auch die Signa Development Selection AG, in der die großen Entwicklungsprojekte in Österreich, Deutschland und Südtirol gebündelt sind, ein Sanierungsverfahren beantragen, hieß es in der Mitteilung.
Zusammen sind die 54 Immobilien von Signa Prime – Kaufhäuser, Hotels und Büros – nach Angaben des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) 19,3 Milliarden Euro wert.
Allerdings sind sie hoch mit Krediten belastet, die Benkos Imperium angesichts der steigenden Zinsen zusehends ins Wanken gebracht hatten. Unklar ist, ob Benko in den Wochen vor der Insolvenz einige Beteiligungen wirksam verkauft hat, um frisches Geld aufzutreiben.
Signa Development beziffert seine Bilanzsumme auf 4,6 Milliarden Euro.
Ziel sei es, beide Unternehmen über einen Sanierungsplan zu retten und die Werthaltigkeit damit zu sichern, hieß es in der Mitteilung.
Dazu müssen die Gläubiger mindestens 30 Prozent ihrer Forderungen zurückbekommen. Signa Prime beziffert laut AKV seine Aktiva im Insolvenzantrag mit 1,3 Milliarden Euro, denen Gläubigerforderungen von 4,5 Milliarden Euro gegenüberstünden.
“Es gilt, langfristige Lösungen zu finden”, sagte der als Vorstandschef von Signa Prime und Signa Development eingesetzte Sanierer Erhard Grossnigg. Man müsse die Sanierung mit Bedacht und Vernunft angehen.
“Ziel ist die geordnete Fortführung des operativen Geschäftsbetriebs und die nachhaltige Restrukturierung des Unternehmens.”
Von der Pleite von Signa Prime Selection betroffen sind auch die Gläubiger einer 200 Millionen Euro schweren Anleihe.
Laut AKV sind an der Signa-Tochter neben Benko unter anderem die RAG-Stiftung (6,02 Prozent), die Familienstiftung des Bauunternehmers Hans Peter Haselsteiner und die Wiesbadener R+V Versicherung (je fünf Prozent) beteiligt.
Die Bauarbeiten an vielen Bau- und Umbauprojekten wie dem “Elbtower”, dem “Carsch-Haus” in Düssseldorf oder der “Alten Akademie” in München waren in den Wochen vor der Insolvenz der Holding bereits ins Stocken geraten.
WAS WIRD AUS GALERIA KARSTADT?
Das dritte Standbein von Signa ist die Einzelhandels-Sparte Signa Retail Selection mit den drei Luxuskaufhäusern KaDeWe, Oberpollinger und Alsterhaus, vor allem aber mit der Warenhaus-Kette Galeria Karstadt Kaufhof.
Die in der Schweiz angesiedelte Signa Retail Selection hatte versucht, das Unternehmen mit einem Antrag auf Gläubigerschutz aus dem Insolvenz-Strudel der Holding herauszuhalten, um die operativen Töchter verkaufen zu können.
Allerdings gehören viele der von den Kaufhäusern genutzten Immobilien ebenfalls Signa. Medienberichten zufolge hat Galeria die Mietzahlungen an Signa eingestellt.
Benko hatte Galeria für das Frühjahr eine Finanzspritze von 200 Millionen Euro zugesagt, im Zuge des Insolvenzplans, der Galeria Karstadt Kaufhof retten sollte.
Ob das Geld fließt, ist nun mehr als fraglich. Nach dem lukrativen Weihnachtsgeschäft hat Galeria derzeit ausreichend Liquidität, um selbst nicht mit in den Strudel gerissen zu werden.
(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Myria Mildenberger.
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