Frankfurt (Reuters) – Die europäischen Aktienmärkte haben am letzten Handelstag eines erfolgreichen Börsenjahres 2023 im Plus geschlossen.
Der Dax rückte am Freitag bei dünnen Umsätzen um 0,3 Prozent auf 16.751,64 Punkte vor, während der EuroStoxx50 0,4 Prozent auf 4532,22 Zähler zulegte.
Die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen der führenden Notenbanken hat den deutschen Leitindex auf Jahressicht um insgesamt 20 Prozent in die Höhe getrieben. “Alles in allem können wir sagen, dass sich die Dinge 2023 zum Guten gewendet haben: Die Inflation ging zurück, zu einer Rezession kam es nicht”, erklärten die Investmentexperten vom Vermögensverwalter Eurizon.
Die eigentliche Überraschung sei die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftswachstums gewesen, insbesondere das der USA.
Doch Experten mahnten mit Blick auf den Januar zu Vorsicht. “Sobald im neuen Jahr alle aus ihrem Urlaub zurückkommen, steht ein Realitätscheck für die Jahresendrally am Aktienmarkt an”, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners.
“Dann muss sich zeigen, wie sehr die Börsianer zum Jahresstart ins Risiko gehen. Und ob sie wirklich bereit sind, auf den aktuellen Kursniveaus auch größere Summen zu investieren.” Die hohen Erwartungen der Investoren hinsichtlich Zinssenkungen hielten viel Enttäuschungspotenzial bereit, sagte Takehiko Masuzawa vom Broker Phillip Securities in Japan.
ÖLPREISE RÜCKEN VOR
Am Ölmarkt ging es für die Preise erneut nach oben.
Die Nordsee-Rohölsorte Brent und die US-Leichtölsorte WTI verteuerten sich um jeweils knapp ein halbes Prozent auf 77,48 beziehungsweise 72,05 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die Sorgen um die Versorgungslage angesichts der zuletzt veränderten Routen großer Frachter wegen der angespannten Sicherheitslage im Roten Meer machten die Investoren nervös.
Mehrere Reedereien haben beschlossen, den unter anderem für den Öltransport wichtigen Suezkanal vorerst zu meiden. Hintergrund waren wiederholte Angriffe der Huthi-Rebellen im Jemen als Unterstützung der islamistischen Palästinenser-Gruppe Hamas im Krieg im Gazastreifen.
Doch die Signale mehren sich, dass der Transit durch das Rote Meer dank verstärkter Marinepatrouillen bald wieder voll aufgenommen werden könnte.
Der Goldpreis stieg zeitweise um ein halbes Prozent auf 2075 Dollar je Feinunze, baute seine Gewinne allerdings bald wieder ab und stagnierte auf einem hohen Niveau.
Das gelbe Metall verteuerte sich 2023 um bisher insgesamt rund 14 Prozent und steuert mit derzeit 2065 Dollar auf den größten Jahresgewinn seit 2020 zu. Die Erwartung fallender Zinsen hatte es am 4.
Dezember auf ein Allzeithoch von 2135,40 Dollar je Feinunze getrieben.
Die geopolitischen Risiken und die Vielzahl anstehender Konjunkturdaten dürften 2024 zwar für viel Volatilität beim Goldpreis sorgen, sagte Daniela Corsini, Wirtschaftsexpertin bei der italienischen Bank Intesa Sanpaolo.
Die Expertin erwartet allerdings grundsätzlich eine Fortsetzung der jüngsten Goldpreis-Rally dank des zuletzt schwächeren Dollars und der niedrigeren Bondrenditen: “Optimistische Erwartungen in Bezug auf die Geldpolitik der Fed und eine eventuelle Eskalation der geopolitischen Risiken könnten der Goldpreis auf neue Höchststände treiben, wobei ein neues Allzeithoch von 2300 Dollar nicht unwahrscheinlich wäre.”
KONJUNKTURABHÄNGIGE FIRMEN HOCH IM KURS
Im Einklang mit den anziehenden Ölpreisen legte der europäische Energiesektor-Index 0,6 Prozent zu.
Gefragt waren am Freitag auch Aktien konjunkturabhängiger Firmen, die von der erwarteten Lockerung der Geldpolitik besonders profitieren könnten. Die Papiere des Online-Versandhändlers Zalando und des Essenslieferdienstes Delivery Hero gewannen 1,8 beziehungsweise 2,5 Prozent.
Dax-Schlusslichter waren die Titel des Medizintechnik-Konzerns Siemens-Healthineers und des Immobilienriesen Vonovia, die jeweils rund ein Prozent abgaben.
Hoch im Kurs an der Londoner Börse standen Ferrexpo mit einem Plus von 6,5 Prozent.
Der britische Anbieter von Eisenerzpellets für die Stahlindustrie will die Exportrouten über bestimmte Häfen im Schwarzen Meer wieder aufnehmen.
Ein Rückgang der jährlichen Inflationsrate in Spanien auf 3,1 Prozent im Dezember nach 3,2 Prozent im November stützte indes den Madrider Leitindex Ibex, der 0,5 Prozent zulegte.
(Bericht von Anika Ross, Zuzanna Szymanska, redigiert von Christian Götz.
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