Anleger nach US-Inflationsdaten nervös

Frankfurt (Reuters) – Der überraschend starke Anstieg der US-Inflation hat die Anleger an den Börsen nervös gemacht.

Der Dax baute am Donnerstagnachmittag seine früheren Gewinne ab und notierte kaum verändert bei 16.683 Punkten.

Der EuroStoxx50 rückte um 0,1 Prozent auf 4473 Zählern vor. Die Futures für die wichtigsten US-Indizes lagen im Minus.

Die Verbraucherpreise in den USA stiegen im Dezember um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat nach plus 3,1 Prozent im November.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Wert von 3,2 Prozent gerechnet. Die Investoren befürchten, dass die Zahlen die US-Notenbank dazu veranlassen, die ersehnte Lockerung der Geldpolitik zeitlich zu verschieben.

Die Währungshüter versuchen, mit erhöhten Zinsen die hohe Inflation zu dämpfen.

Die Analysten zeigten sich allerdings gelassen. Es sei zwar noch ein gutes Stück auf dem unsicheren Weg zu gehen, bis sich die Inflationsrate wieder an das Zwei-Prozent-Ziel der Federal Reserve angenähert habe, sagte Bastian Hepperle von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe.

“Im Sommer wird es aber soweit sein, dass die Fed mit Leitzinssenkungen beginnt. Ihren Restriktionskurs wird sie vorher schon etwas lockern und das Tempo ihrer Bilanzschrumpfung drosseln.”

DOLLAR RÜCKT VOR – BITCOIN KNAPP UNTER 21-MONATS-HOCH

Die Sorge, dass die Fed doch erst später im Jahresverlauf die Zinsen senken könnte, wird trotzdem immer größer.

Der Chef des Fed-Bezirks New York, John Williams, signalisierte etwa zuletzt, er halte es noch für zu früh, um Zinssenkungen zu fordern.

Die Erwartung zunächst hoch bleibender Zinsen stützte die US-Devise.

Der Dollar-Index baute seine früheren Verluste wieder ab und rückte um 0,3 Prozent auf 102,63 Punkte vor. Der Euro gab im Gegenzug genauso viel auf 1,094 Dollar nach.

Die Cyber-Devise Bitcoin kletterte indes um rund drei Prozent auf 47.322 Dollar und lag damit knapp unter dem am Dienstag erreichten 21-Monats-Hoch.

Die US-Börsenaufsicht SEC hatte die ersten in den Vereinigten Staaten notierten börsengehandelten Bitcoin-Fonds (ETFs) genehmigt. Analysten zufolge dürfte die Entscheidung eine verstärkte Nachfrage auslösen, weil Anleger so über regulierte Anbieter Zugang zu Bitcoin erhalten, ohne den Umweg über eine Krypto-Börse gehen zu müssen.

Am Ölmarkt trieben Sorgen um die Lage in Nahost die Preise erneut nach oben.

Die Nordsee-Sorte Brent und US-Leichtöl WTI verteuerten sich um jeweils rund zwei Prozent auf 78,22 beziehungsweise 72,76 Dollar pro Barrel (159 Liter). Anlass war eine Mitteilung der britischen Marinebehörde UKMTO, wonach ein Öltanker in den Gewässern 50 Seemeilen östlich vor Oman gekapert worden sei.

FINANZSEKTOR GIBT VOR US-BANKBILANZEN NACH

Bei den Einzelwerten griffen die Anleger bei About You zu.

Die Aktie kletterte nach positiv aufgenommenen Quartalszahlen des Online-Modehändlers um knapp 15 Prozent. Gefragt waren auch Rational. Die Aktien des Küchenausrüsters stiegen um 7,6 Prozent. Das Unternehmen hat von einem Großauftrag eines Kunden aus Asien profitiert und im abgelaufenen Jahr mehr verdient als erwartet.

Der europäische Banken-Sektorindex gab indes 0,7 Prozent nach.

In den USA lassen sich am Freitag JPMorgan Chase, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo in ihre Bücher schauen. Analysten gehen davon aus, dass die Gewinne im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geringer ausfallen dürften.

In London flogen Marks & Spencer aus den Depots.

Die Titel des britischen Mode- und Lebensmittelanbieters rutschten nach Zahlen um knapp fünf Prozent ab. Der Umsatz des Unternehmens legte im vierten Quartal zwar überraschend stark um um 8,1 Prozent zu.

Ihre Prognose für 2024 ließ das Management allerdings unverändert.

(Bericht von Daniela Pegna und Zuzanna Szymanska, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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