Frankfurt (Reuters) – Die Gefahr von Hacker-Angriffen und Risiken aus der Auslagerung von IT-Dienstleistungen stehen bei der Finanzaufsicht Bafin in diesem Jahr ganz oben auf der Agenda.
Sie zählen zu insgesamt sieben Gefahrenherden für die deutsche Finanzbranche, auf die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) 2024 ihre Scheinwerfer richten will.
Denn diese könnten aus ihrer Sicht die Finanzstabilität und die Integrität des Finanzsystems am meisten gefährden, wie Bafin-Chef Mark Branson am Dienstag in Frankfurt vor Journalisten erläuterte.
“Hausgemachte IT-Pannen oder eine Cyber-Attacke können gravierende Folgen haben, die weit über das unmittelbar betroffene Unternehmen hinausreichen”, sagte er. Finanzfirmen müssten widerstandsfähig sein gegen finanzielle und operationelle Risiken.
Von Hacker-Angriffen gehe eine große Gefahr für die Finanzbranche aus, warnte der Bafin-Chef. In Deutschland sei die Bedrohung so hoch wie noch nie. Solche Störungen müssten nicht einmal bei den Banken selbst auftreten – auch Probleme bei Dienstleistern könnten das ganze System beeinträchtigen.
“Wir haben das Gefühl bei der Bafin in der Aufsicht, diese Attacken kommen immer näher zum Herzen des Finanzsystems”, sagte Branson. Es müsse alles getan werden, um vorbereitet zu sein für den Ernstfall.
Finanzfirmen müssten mehr denn je in ihre operationelle Sicherheit und Stabilität investieren.
Die Finanzaufseher haben zudem im Fokus, dass viele Banken inzwischen IT-Dienstleistungen ausgelagert haben.
Grundsätzlich sei das für die Bafin ein positives Phänomen, sagte Branson. “Mit dieser Arbeitsteilung wächst aber auch die Abhängigkeit und es kommt zu Konzentrationen.” Die möglichen Folgen zählt die Bafin neu zu den Risiken für die Finanzbranche.
Laut Bafin bedient inzwischen eine kleine Zahl spezialisierter IT-Firmen einen Großteil der Banken. Das gelte auch für kritische Prozesse wie die Zahlungsabwicklung. “Wir als Aufsicht beobachten das zunehmend intensiv”, so Branson.
Einige Unternehmen hätten über 100 Auslagerungen gemeldet.
Aus Sicht der Bafin werden die Zeiten härter für die Finanzbranche. Steigende Finanzierungskosten und die schwache Konjunktur belasteten Unternehmen und Verbraucher.
“Wir müssen damit rechnen, dass die Insolvenzen weiter steigen und sich die Lage an den Immobilienmärkten nicht schnell erholt”, erklärte Branson. In einem Podcast mit dem Portal “Finanz-Szene” hatte er zuvor am Dienstag die Erwartung geäußert, dass die Gewinne bei den Banken dieses Jahr nicht mehr so sprudeln werden wie noch 2023.
“2023 war speziell gut für die Profitabilität, 2024 wird aus meiner Optik schwieriger”, sagte er in dem Podcast. Es werde für die Institute schwerer werden, die Gewinne zu halten.
BRANSON GEGEN SENKUNG DER KRISENPUFFER
2023 erlebten die Finanzinstitute Branson zufolge eine Art Sonderkonjunktur.
Banken hätten von den höheren Zinsmargen sehr profitiert, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Inflation seit Sommer 2022 die Zinsen zehn Mal angehoben hat. Viele Kosten in den Kreditbüchern stellten sich aber mit Zeitverzug ein.
“Die werden wir in 2024 und in den folgenden Jahren sehen,” sagte er in dem Podcast. Deshalb sei es so wichtig, dass die aktuelle Widerstandskraft der Bankenbranche erhalten werde.
Zu den weiteren maßgeblichen Risiken für die Finanzbranche zählte die Bafin Gefahren aus dem massiven Anstieg der Zinsen.
Dazu kommen die mit der Korrektur an den Immobilienmärkten verbundenen Risiken, außerdem die mit deutlichen Kurskorrekturen an den Börsen einhergehenden Gefahren. Zudem hat die Finanzaufsicht mögliche Kreditausfälle als Gefahrenherd im Blick sowie Risiken, die sich aus einer mangelhaften Geldwäsche-Prävention ergeben.
Eine Senkung der Krisenpuffer, die die Aufsicht von den Banken derzeit verlangt, hält Branson in der aktuellen Situation für verfehlt. “Es wäre wirklich die falsche Zeit, das zu reduzieren”, sagte er.
(Bericht von Frank Siebelt,; redigiert von Olaf Brenner.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)









