Dax-Anleger in Lauerstellung – Rekord rückt in greifbare Nähe

Frankfurt (Reuters) – Ermutigende Firmenbilanzen und die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen der großen Notenbanken haben die Rekordjagd am deutschen Aktienmarkt neu angefacht.

Der Dax pirschte sich mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 17.000 Punkte bis auf wenige Zähler an seine Bestmarke vom Dezember heran.

Das Allzeithoch lag damals bei 17.003,28 Zählern. “Der Wille zum Ausbruch nach oben ist da”, sagt Christian Henke vom Broker IG. “Es fehlt nur noch der letzte Funken für das nächste Kursfeuerwerk.”

Zum Wochenschluss sorgten vor allem die Zahlen der US-Tech-Giganten Amazon und Meta für Kauflaune am Markt.

Experten zufolge wurden die Quartalsergebnisse den hohen Erwartungen gerecht. Die Aktien des Online-Händlers und der Facebook-Mutter stiegen im vorbörslichen US-Geschäft um knapp sieben beziehungsweise mehr als 16 Prozent.

Der Branchenindex gewann zeitweise mehr als ein Prozent. Von dem Rückenwind der Big-Techs profitiere auch der Dax, sagte Thomas Altmann von QC Partners.

AUTOSEKTOR ZUM WOCHENSCHLUSS GEFRAGT

Am deutschen Aktienmarkt hoben die Kursgewinne bei Mercedes-Benz die Stimmung im Autosektor.

Die Papiere von Porsche legten um mehr als fünf Prozent zu und gehörten damit zu den größten Gewinnern im Dax. BMW und Volkswagen notierten fast zwei Prozent fester. Mercedes-Benz erfreute die Anleger mit höheren Mittelzuflüssen.

Der operative Mittelzufluss aus dem Industriegeschäft (Free Cash-flow) lag 2023 bei 11,3 Milliarden Euro und damit deutlich über den Erwartungen. Die Papiere von Mercedes-Benz verteuerten sich um rund drei Prozent.

Der Free Cash-flow erfreut sich am Kapitalmarkt zunehmender Aufmerksamkeit, weil er weniger von Bilanzierungsregeln verzerrt wird als das Ergebnis.

E.ON konnte die Anleger mit seinem vorläufigen Zahlenwerk dagegen nicht überzeugen.

Die Aktien gaben ihre anfänglichen Gewinne auf und notierten am späten Vormittag im Dax mehr als ein Prozent schwächer. Der Energiekonzern vermeldete zwar einen höher als erwartet ausgefallenen Gewinn, äußerte sich jedoch nicht zum Ausblick für 2024.

Vielleicht mache das einige Anleger skeptisch, sagte ein Händler.

Auf den Verkaufsknopf drückten die Investoren auch bei Delivery Hero. Die Aktien des Essenslieferanten stürzten im MDax um mehr als 13 Prozent auf ein Rekordtief von 18,62 Euro.

Delivery Hero muss sich einem Zeitungsbericht zufolge nach einem anderen Käufer für Teile seines Südostasien-Geschäfts umsehen. Die Gespräche mit dem Rivalen Grab seien wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen geplatzt, schrieb die “Business Times” aus Singapur.

WANN SENKT DIE US-NOTENBANK FED DIE ZINSEN?

Neben den zahlreichen Bilanzen blieb auch die Zinspolitik der US-Notenbank Fed Gesprächsthema an der Börse.

Anleger erhofften sich von dem US-Arbeitsmarktbericht am Nachmittag neue Hinweise auf den Zeitpunkt der ersten Zinssenkung der Fed. Analysten rechnen im Vergleich zum Dezember mit etwas weniger neu geschaffenen Stellen in den USA.

“Eine leichte Abkühlung am Arbeitsmarkt wäre sicherlich positiv für die Börsen, würde sie doch die Chance auf baldige Zinssenkungen wahren”, prognostizierte Altmann von QC Partners. Die US-Notenbank, die die Inflation eindämmen und den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abkühlen will, hat nach einer aggressiven Zinserhöhungsserie zuletzt mehrfach stillgehalten.

An den Finanzmärkten sehnen Investoren eine Zinssenkung herbei, die aber noch mindestens einige Monate auf sich warten lassen dürfte. Der Dollar-Index notierte im Vorfeld der Daten kaum verändert bei 102,97 Stellen, der Euro notierte mit 1,0883 Dollar minimal fester.

(Bericht von: Daniela Pegna.; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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