Frankfurt (Reuters) – Nachlassende US-Zinssenkungsfantasien und mit Enttäuschung aufgenommene Konzernbilanzen haben am deutschen Aktienmarkt für Ernüchterung gesorgt.
Der Dax verlor am Dienstag 0,2 Prozent auf 16.871 Zähler und entfernte sich damit von seiner jüngsten Bestmarke.
Der EuroStoxx50 notierte kaum verändert. “Nach der Rekordjagd der vergangenen Woche muss sich jetzt zeigen, wohin die Reise geht”, sagte Thomas Altmann von QC Partners. Das Dax-Hoch bleibe allerdings in Reichweite, da bislang keine Gewinnmitnahmen im großen Stil eingesetzt hätten.
Am Freitag hatte der Leitindex mit 17.004,55 Punkten ein neues Allzeithoch markiert.
Zentrales Gesprächsthema blieben die Notenbanken. Der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, hatte zuletzt signalisiert, dass die nächste Sitzung im März für den Beginn von Zinssenkungen wahrscheinlich zu früh sei.
Die Fed hatte nach einer Phase teils aggressiver Erhöhungen zuletzt vier Mal in Folge pausiert und den Leitzins in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent gehalten. In den vergangenen Wochen hatten viele Investoren auf eine schnelle Zinswende in den USA gesetzt.
Nun wird an den Finanzmärkten spekuliert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den geldpolitischen Richtungswechsel als erste vollziehen könnte – und zwar möglicherweise schon im April.
“Eine frühere Zinssenkung der EZB könnte den Euro gegenüber dem Dollar schwächen, was wiederum positiv für die exportorientierten Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex wäre”, meint Jochen Stanzl von CMC Markets.
Am Dienstag lag der Dollar-Index in Reichweite seines zum Wochenauftakt erreichten Drei-Monats-Hochs von 104,604 Punkten. Der Euro notierte mit 1,0731 Dollar knapp im Minus.
CHIP-WERTE NACH ZAHLEN UNTER DRUCK
Doch nicht nur das Rätselraten rund um den Zeitpunkt der ersten Zinssenkung belastete die Anleger.
Einige Konzernbilanzen sorgten ebenfalls für Verdruss. Infineon schraubte nach dem Rekordergebnis im vergangenen Geschäftsjahr seine Ziele zurück – die Aktien fielen zeitweise um mehr als drei Prozent und gehörten zu den schwächsten Werten im Dax.
Der Chip-Hersteller bekam zuletzt den konjunkturellen Gegenwind zu spüren. Noch stärker bergab ging es nach einem überraschenden Ebitda-Verlust für Nordic Semiconductor, die in Oslo in der Spitze um rund 23 Prozent einbrachen.
Mit Enttäuschung reagierten die Investoren auch auf das Zahlenwerk der Schweizer Großbank UBS.
Die Aktie verlor 2,3 Prozent. Das Ergebnis des vierten Quartals 2023 habe in Bezug auf die Kosten enttäuscht, sagte Anke Reingen von RBC Capital Markets. Unter dem Strich bescherte die Notübernahme der Credit Suisse der Bank 2023 aber einen Rekordgewinn.
Im Dax notierten die Aktien der Commerzbank 2,6 Prozent fester, die Titel der Deutschen Bank traten auf der Stelle.
MORPHOSYS-KURS NÄHERT SICH NOVARTIS-OFFERTE
Gefragt waren dagegen Morphosys.
Der Novartis-Konzern plant die deutsche Biotechfirma für 2,7 Milliarden Euro zu übernehmen und damit sein Krebsgeschäft weiter auszubauen. Der Schweizer Pharmariese will 68 Euro je Morphosys-Aktie zahlen.
Seit Bekanntwerden des Deals am Montag haben die Papiere im SDax fast 58 Prozent auf 66,58 Euro zugelegt. Für den Vollzug sind noch die erforderlichen kartellrechtlichen Genehmigungen nötig sowie das Erreichen einer Mindestannahmequote von mindestens 65 Prozent der Morphosys-Aktien.
Die Aktien von Novartis notierten an der Züricher Börse knapp im Minus.
(Bericht von: Daniela Pegna; Redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)









