Frankfurt (Reuters) – Die Anleger an den europäischen Börsen sind zum Wochenausklang nur mit angezogener Handbremse unterwegs. Der Dax lag am Freitag leicht im Minus bei 16.982 Zählern, der EuroStoxx50 trat mit 4710 Punkten auf der Stelle.
“Die Schwankungsbreite im Deutschen Aktienindex ist im Moment völlig raus”, sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst vom Broker CMC Markets. “Die Schaukelbörse wurde beendet, nachdem die Bären einen Anstieg auf ein neues Allzeithoch und damit eine obere Trendwende nicht verhindern konnten.
Sie lecken sich noch die Wunden, während die Bullen kaum neue Gründe finden, noch einzusteigen. Es ist im Moment eine Art Pattsituation zwischen Käufern und Verkäufern im Dax.”
Zuletzt hatte der deutsche Leitindex am Dienstag mit 17.049,52 Zählern eine Bestmarke markiert.
Positiv aufgenommene Konzernbilanzen und die Ankündigung neuer Maßnahmen zur Stabilisierung der Börsen in China sorgten für Auftrieb.
BEIERSDORF SCHWÄCHELN NACH L’OREAL-ZAHLEN
Bei den Einzelwerten griffen Anleger trotz eines Gewinnrückgangs im ersten Quartal bei Carl Zeiss Meditec zu.
Die Aktien des Medizintechnikunternehmens stiegen um bis zu 12,9 Prozent auf 119,60 Euro und standen damit so hoch wie seit neun Monaten nicht mehr. Ein Händler verwies darauf, dass die Firma ihren Ausblick für 2023/24 bekräftigt habe, obwohl sich das wirtschaftliche Umfeld weiter verschlechtere.
Zudem startet am Freitag das im Januar angekündigte Aktienrückkaufprogramm. “Das könnte Unterstützung liefern”, sagte der Händler.
Einige Dax-Werte reagierten zudem auf Zahlen, die ihre Konkurrenten im Ausland vorlegten.
So etwa Beiersdorf, die mit einem Abschlag von 1,5 Prozent mit zu den größten Dax-Verlierern zählten. Ein Umsatz im vierten Quartal unter Markterwartungen beim Rivalen L’Oreal sorgte laut Händlern für Verdruss.
Die Titel von L’Oreal gaben sieben Prozent nach. Auch für RWE und E.ON ging es jeweils rund 1,3 Prozent bergab, nachdem sich der österreichische Versorger Verbund vorsichtig für 2024 geäußert hatte.
Die Markterwartungen für das Ergebnis des Geschäftsjahres 2024 seien viel zu hoch angesetzt, erklärte Verbund. Seine Aktie büßte knapp sechs Prozent ein.
UBISOFT UND HERMES IN PARIS GEFRAGT
Gefragt an der Börse in Paris waren unter anderem Ubisoft.
Die Aktien des französischen Videospieleunternehmens kletterten nach starken Geschäftszahlen um mehr als 15 Prozent. Ubisoft kommt im dritten Quartal auf Nettobuchungen in Höhe von 626 Millionen Euro und lag damit über seiner Prognose von 610 Millionen Euro.
Zurückzuführen war dies laut dem Unternehmen unter anderem auf neu veröffentlichte Spiele wie “Assassin’s Creed Mirage”.
Ein Umsatzsprung im vierten Quartal ließ auch die Aktien des französischen Luxustaschen-Herstellers Hermes glänzen.
Die Titel stiegen um zeitweise mehr als sechs Prozent auf ein Rekordhoch von 2201,50 Euro. Der Umsatz stieg im vierten Quartal 2023 bei konstanten Wechselkursen um 17,5 Prozent auf 3,36 Milliarden Euro.
Analysten hatten mit einem Plus von 14 Prozent gerechnet.
An den Anleihemärkten hielten die steigenden Renditen bei den Staatsanleihen die Investoren auf Trab. Die Verzinsung der zehnjährigen deutschen Bonds stieg mit 2,389 Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang Dezember.
Zuletzt hatten Spekulationen auf rasch sinkende Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder etwas abgenommen, da aus Sicht mehrerer führender Währungshüter nach wie vor noch mehr Klarheit über den Inflationspfad gewonnen werden muss.
Inzwischen wird ein Schritt nach unten auf der Zinssitzung im April nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 48 Prozent am Geldmarkt taxiert. Noch im Januar war eine erste Zinssenkung im April zeitweise fest in den Kursen enthalten gewesen.
Der Euro notierte leicht fester bei 1,0783 Dollar. Der Dollar-Index lag knapp im Minus bei 104,067 Zählern.
(Bericht von Daniela Pegna und Zuzanna Szymanska, redigiert von Elke Ahlswede.
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