Frankfurt (Reuters) – Die Anleger in Europa schütteln die Enttäuschung über die unerwartet hartnäckige Inflation in den USA ab.
Nach dem jüngsten Rücksetzer greifen die Anleger zur Wochenmitte wieder zu und schieben Dax und EuroStoxx50 jeweils um ein halbes Prozent auf bis zu 16.958 beziehungsweise 4712 Punkte.
Dazu trugen positive Signale aus Großbritannien bei, wo der befürchtete Anstieg der britischen Inflationsrate im Januar ausblieb.
Stattdessen verharrte die Jahresteuerungsrate auf der Insel im Januar bei durchschnittlich 4,0 Prozent.
Damit ist die Teuerung zwar noch immer doppelt so hoch, wie das Ziel der Bank of England (BoE) von zwei Prozent. Eine stabile Inflation könnte Analysten zufolge dennoch den Druck auf die BoE etwas verringern, die Zinsen länger auf ihrem aktuellen Stand zu belassen.
Die Zinsspekulationen setzten das Pfund unter Druck.
Im Gegenzug stieg der Euro gegenüber der britischen Landeswährung um 0,4 Prozent auf bis zu 85,34 Pence. “Letztes Jahr hatten wir nahezu die höchste Inflationsrate aller entwickelten Länder”, sagte Andrew Bell von Witan Investment Trust.
“Aber dieses Jahr wird es die größte Verbesserung geben, und die Zahlen, die wir für Januar gesehen haben, bestätigen das.” Die Hoffnung auf eine zügige Zinssenkung der Bank of England schob auch den Aktienmarkt an.
Mit einem Plus von einem Prozent gehörte der britische Blue-Chip-Index FTSE zu den größten Gewinnern.
STABILISIERUNG AN WALL STREET ERWARTET
An der Wall Street deuteten die US-Futures ebenfalls auf eine Erholung hin, nachdem die revidierten Spekulationen auf eine schnelle Zinswende in den USA den US-Börsen am Vortag einen Dämpfer versetzt hatten.
Anleger verdauten, dass die Inflationsrate in den USA im Januar entgegen der Erwartungen über drei Prozent geblieben ist. “Jetzt muss sich zeigen, ob der US-Inflations-Schock an den Börsen nur kurzfristig für Unsicherheit sorgt oder ob er die Rally beendet”, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager vom Vermögensverwalter QC Partners.
Angesichts des unerwarteten Anstiegs bei den Verbraucherpreisen und den Kerndienstleistungen werde die US-Notenbank Fed ihren Zinssenkungszyklus frühestens erst Mitte des Jahres beginnen, möglicherweise auch später, kommentierte Tiffany Wilding, Ökonomin beim Vermögensverwalter Pimco.
“Insgesamt zeichnete der Bericht das Bild einer recht hartnäckigen Inflation in den USA.”
THYSSENKRUPP STÜRZT AB – PROSIEBENSAT.1 PUNKTET
Bei den Einzelwerten machten eingetrübte Aussichten Thyssenkrupp zu schaffen.
Der Industriekonzern senkte nach Einbußen im Stahlgeschäft seine Umsatz- und Gewinnprognose und schickte damit seine Aktien auf Talfahrt. Der Kurs stürzte zeitweise über zehn Prozent ab auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren.
Belastet hätten unter anderem schwächere Ergebnisse und Abschreibungen in der Stahlsparte. Der Bericht zum ersten Quartal sei ernüchternd gewesen und liege größtenteils unter dem Konsens, sagte ein Händler.
Es gebe keinen Grund, die Aktie zu besitzen.
Dagegen hat der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 das vergangene Jahr aufgrund von Einmaleffekten etwas besser abgeschlossen als gedacht. Ein Händler sprach von einer “netten Überraschung”, die dem Aktienkurs angesichts der schlechten Stimmung um ProSiebenSat.1 gut tun werde.
Die Anleger atmeten auf und trieben die Aktie um mehr als 13 Prozent nach oben.
Ein geringer als erwartet ausgefallener Gewinn sorgte unterdessen bei den Anlegern von Mapfre für lange Gesichter.
Die Aktien von Spaniens zweitgrößtem Versicherer fielen mehr als fünf Prozent. Der Nettogewinn lag 2023 bei 677 Millionen Euro, ein Anstieg von 20 Prozent zum Vorjahr. Analysten hatten jedoch 730 Millionen Euro erwartet.
Katastrophen wie das Erdbeben in der Türkei und Hurrikan Otis in Mexiko wirkten sich ergebnismindernd aus.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)









