Berlin (Reuters) – Die deutschen Exporteure sind mit dem stärksten Umsatzplus seit Juni 2020 ins neue Jahr gestartet.
Die Unternehmen lieferten im Januar 6,3 Prozent mehr ins Ausland als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.
Ökonomen hatten nur mit 1,5 Prozent gerechnet. Die Importe kletterten um 3,6 Prozent und damit doppelt so stark wie erwartet. “Damit zeigte sich der deutsche Export robust, trotz andauernder geopolitischer Krisen und konjunktureller Abkühlung in wichtigen Absatzmärkten”, sagte Präsident Dirk Jandura vom Exportverband BGA.
“Eine Schwalbe macht aber noch keinen Sommer.” Denn die weltwirtschaftliche Situation sei weiter geprägt von “zunehmendem Protektionismus und einer Erosion der regelbasierten Handelsordnung”.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht das Exportplus als Lichtblick, der Hoffnung mache auf eine Belebung des Auslandsgeschäfts. Aber die Exporterwartungen der Firmen bewegten sich weiter auf niedrigem Niveau.
“Die Januarzahlen dürfen nicht über die beträchtlichen Herausforderungen im internationalen Handel angesichts steigender Handelshemmnisse und bürokratischer Hürden bei der Abwicklung des Auslandsgeschäfts hinwegtäuschen”, sagte DIHK-Expertin Carolin Herweg.
Kosten- und Bürokratie schwächten die internationale Wettbewerbsposition der Unternehmen. Die DIHK erwarte 2024 nur ein reales Exportwachstum von 0,5 Prozent.
Kalender- und saisonbereinigt wurden im Januar Waren im Wert von 135,6 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert und Waren über 108,0 Milliarden Euro importiert.
“Insbesondere der Euroraum hat sich entgegen der Erwartungen als Zugpferd erwiesen”, sagte BGA-Chef Jandura. Lieferungen in Länder der Währungsunion stiegen um 7,7 Prozent. Die Firmen verkauften in die gesamten EU-Mitgliedstaaten Güter im Wert von 75,8 Milliarden Euro – ein Plus von 8,9 Prozent zum Vormonat.
Wichtigster Abnehmer von Waren “Made in Germany” blieben die USA. Das Geschäft mit der weltgrößten Volkswirtschaft sank allerdings um 1,7 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro. Die Ausfuhren nach China stiegen um 7,8 Prozent, die nach Großbritannien gingen um 8,1 Prozent zurück.
NEUER ZOLLSTREIT ALS SCHRECKGESPENST BEI TRUMP 2.0
Wirtschaft und Exporteure sorgen sich, dass es zu weiterer Abschottung kommt, sollte Donald Trump im November erneut zum US-Präsidenten gewählt werden.
Der Republikaner hat bereits gesagt, dann Zölle massiv zu erhöhen. “Das ist ein Risiko”, erklärte Konjunkturchef Timo Wollmershäuser vom Münchner Ifo-Institut. Die Fachleute vom arbeitgebernahen IW-Institut haben in einer Analyse ausgerechnet, dass dann das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2028 um 1,2 Prozent niedriger ausfallen könnte als ohne neuen Handels- und Zollstreit ab 2025.
Nach dem guten Jahresauftakt warnen auch Ökonomen vor Euphorie.
“Der Einstieg ins laufende Quartal ist damit gelungen”, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. “Wegen der schwachen Weltwirtschaft ist ein Weiter-so jedoch nicht in Sicht.” Zudem machten Wettbewerbsnachteile dem Export weiter zu schaffen.
Nach dem Rückgang voriges Jahr gebe es nun zwar Hoffnung auf leichtes Exportwachstum 2024, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. “Dazu bedarf es einer wieder besseren wirtschaftlichen Entwicklung im Ausland.”
Der Industrieverband BDI erwartet, dass die Exporte von Waren und Dienstleistungen 2024 um 1,0 Prozent zulegen.
“Die große Unbekannte ist erneut China, das im vergangenen Jahr für die deutschen Exporte an Bedeutung verloren hatte”, erklärte der BDI. “Hier könnten die Entwicklungen im angeschlagenen Immobiliensektor nicht nur negativ auf die Binnenkonjunktur, sondern auch auf Chinas Handelspartner ausstrahlen.”
Die Stimmung in der Exportindustrie hellte sich im Februar leicht auf, wie das Ifo-Institut jüngst bei einer Firmenumfrage herausfand.
“Die deutsche Exportwirtschaft profitiert gegenwärtig kaum von der weltwirtschaftlichen Entwicklung”, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. “Da gibt es noch deutlich Luft nach oben.” Zuwächse erwarten demnach weiter nur wenige Branchen – wie Nahrungsmittel-Produzenten, die Getränkehersteller sowie die Glas- und Keramikbranche.
(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Ralf Bode.
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