Wien (Reuters) – Die Gläubiger der insolventen Signa Prime Selection des Tiroler Investors Rene Benko haben dem vorgelegten Sanierungsplan mehrheitlich zugestimmt und damit einen Konkurs abgewendet.
Vorgesehen sei nun, dass ein Treuhänder das Ruder übernimmt und die gesamten Vermögenswerte verkauft, gab der Sanierungsverwalter Norbert Abel am Montag nach der Gläubigerversammlung beim Handelsgericht Wien bekannt.
“In der Abstimmung wurden sowohl die Kopf- als auch die Kapitalmehrheit erreicht und der Treuhandsanierungsplan somit von den Gläubigern angenommen”, heißt es in der Mitteilung. Den Gläubigern werde damit das gesamte verwertbare Vermögen zur Befriedigung ihrer Forderungen zur Verfügung gestellt.
Als Treuhänderin werde nach einer rechtskräftigen Bestätigung des Sanierungsplanes die Kanzlei des Sanierungsverwalters fungieren.
GLÄUBIGER SOLLEN QUOTE VON MINDESTENS 30 PROZENT ERHALTEN
Angeboten worden sei ein Sanierungsplan mit einer Quote von 30 Prozent, teilten die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und der Alpenländischer Kreditorenverband (AKV) mit.
Sofern aufgrund der Verwertungserlöse mehr als 30 Prozent erreicht werden können, gelange dieser Betrag als “Superquote” an die Gläubiger zur Ausschüttung. “Ob dies tatsächlich eintreffen wird, hängt in erster Linie von der Entwicklung des Immobilienmarktes in den nächsten Jahren ab”, sagte Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz vom KSV1870.
“Mit der Annahme des Sanierungsplans ist jedenfalls der Grundstein für eine erfolgreiche Entschuldung gelegt”.
Auch bei der zweiten Immobiliengesellschaft Signa Development stimmten die Gläubiger mehrheitlich für eine Sanierung unter einem Treuhänder, wie die Sanierungsverwalterin mitteilte.
Die Gläubiger sollen ebenfalls eine Quote von 30 Prozent erhalten. Mit den Aufgaben der Treuhandschaft sei die bisherige Sanierungsverwalterin Andrea Fruhstorfer betraut worden.
Die Signa-Gruppe ist das bisher größte Opfer der Immobilienkrise in Europa.
Dem hoch verschuldeten Immobilienriesen machten die rasant gestiegenen Zinsen und die damit gesunkenen Bewertungen zu schaffen, die zu einem erhöhten Liquiditätsbedarf führten. Die Insolvenz ist die größte in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte.
Gegenüber der Signa Prime hätten bisher 475 Gläubiger Forderungen von 12,8 Milliarden Euro angemeldet. Derzeit sind rund 5,9 Milliarden Euro vom Insolvenzverwalter anerkannt.
Signa Prime galt als Flagschiff der Immobilien- und Handelsgruppe Signa.
Sie ist Eigentümerin von deren wichtigsten Immobilien, darunter das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg, das Oberpollinger in München, das Luxushotel Park Hyatt sowie die Luxus-Einkaufsmeile “Goldenes Quartier” in Wien.
Wolfgang Peschorn, der als Präsident der Finanzprokuratur die Interessen der Republik Österreich unter den Gläubigern vertritt, hatte vor der Abstimmung klargemacht: Er werde den Sanierungsplänen nicht zustimmen.
Die für einen langsamen Verkauf notwendige Liquidität sei derzeit nicht vorhanden, sagte Peschorn zum ORF Radio. “Nur über den Verkauf von Immobilien kann sich das Unternehmen in den nächsten Wochen über Wasser halten”.
Zudem müsse man auch bei der Annahme des Sanierungsplanes unter Druck verkaufen. Daher sei nicht gesichert, dass die in Aussicht gestellte Quote erfüllt werden kann. “Da gibt es keine Garantie dafür”, sagte Peschorn.
Der Hamburger Milliardär Klaus-Michael Kühne könnte einem Insider zufolge mit einem Notkredit unter die Arme helfen. Es gebe Gespräche über ein Darlehen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Montag zur Nachrichtenagentur Reuters.
Zuvor hatte die Agentur Bloomberg über einen solchen Notkredit berichtet. Kühne und einige Banken könnten insgesamt einen Kredit von mehr als 100 Millionen Euro bereitstellen, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Das Geld würde Liquidität zur Deckung von Rechnungen und zur Fortsetzung der Bauarbeiten bereitstellen, sagten die Insider. Ein Sprecher der Kühne Holding wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nicht dazu äußern.
Bei der Gläubigerversammlung sei ein möglicher Notkredit nicht Thema gewesen, sagte die Gläubigervertreter.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich und Francois Murphy, Mitarbeit von Oliver Hirt.
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