Frankfurt (Reuters) – Einen Tag vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank zeigen sich die Anleger an den europäischen Börsen vorsichtig optimistisch.
Der Dax lag am Dienstagnachmittag knapp im Plus bei 17.958 Punkten.
Der EuroStoxx50 rückte um 0,2 Prozent auf 4993 Zähler vor.
Die Analysten erwarteten allerdings keine größeren Sprünge nach oben. “Bis zu den Ergebnissen der morgigen Fed-Sitzung dürfte sich die Konsolidierung an der Frankfurter Börse zunächst einmal fortsetzen”, sagte Jürgen Molnar, Stratege vom Broker RoboMarkets.
“Die jetzt einsetzende leichte Abwärtstendenz könnte dem Dax dabei durchaus noch ein paar Punkte kosten.”
Die wichtigsten Indizes an der Wall Street eröffneten im Minus. Die Investoren warteten mit Spannung auf die Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell zum Zeitpunkt künftiger Zinssenkungen, sagte Mike Reynolds, Stratege beim Vermögensverwalter Glenmede.
“Kaum jemand geht noch davon aus, dass die US-Zentralbank bereits morgen ihre Geldpolitik lockert. Dafür erwarten die Anleger, dass Powell etwas zur US-Inflation sagt, die sich in den ersten Monaten des Jahres als ziemlich zäh erwiesen hat.”
ENDE DER ÄRA NEGATIVER ZINSEN IN JAPAN
Japans Notenbank vollzog indes eine Kehrtwende, allerdings in die entgegengesetzte Richtung: Erstmals seit 17 Jahren erhöhte die Bank of Japan (BoJ) am Dienstag den Leitzins und beendete damit zugleich die Negativzinspolitik.
Sie vollzieht damit als letzte große Zentralbank weltweit die Zinswende nach oben.
Auch wenn der Schritt im Vorfeld erwartet worden war, gilt er als Paukenschlag. “Wow, sie hat es getan”, kommentierte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.
Allerdings stellten die Änderungen die bisherige Geldpolitik nicht auf den Kopf, betonte Gitzel. “Die BoJ muss ein neuerliches Abgleiten in die Deflation verhindern, deshalb ist der heutige Schritt der Beginn eines sanften Wandels der Geldpolitik und keine abrupte Abkehr von der ultra-expansiven Geldpolitik.”
Trotz des Kurswechsels der japanischen Notenbank war die Währung des Landes unter Druck.
Im Gegenzug stieg der Dollar um ein Prozent auf 150,68 Yen. Auch nach der ersten Zinserhöhung seit 2007 und weiteren Maßnahmen bleibe unklar, wie es nun weitergehe, erläuterte Commerzbank-Analyst Michael Pfister.
“Es fanden sich keine wirklichen Andeutungen darauf, dass die BoJ einen richtigen Zinserhöhungszyklus plant.”
KONJUNKTURERWARTUNGEN HELLEN SICH AUF
Angesichts der absehbaren EZB-Zinswende beurteilen Börsenprofis die Konjunkturaussichten in Deutschland deutlich besser als zuletzt.
Das Barometer für die Einschätzung in den kommenden sechs Monaten stieg im März überraschend stark um 11,8 Punkte auf plus 31,7 Zähler. “Die Erwartungen marschieren, ohne dass die Lage hinterherkommt”, sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe.
Größter Dax-Gewinner waren die Hannover-Rück-Aktien, die zeitweise um 4,3 Prozent auf ein frisches Rekordhoch von 254,80 Euro stiegen.
Die Analysten vom Finanzhaus RBC schraubten das Kursziel auf 283 Euro hoch von zuvor 245 Euro; die Experten der Berenberg Bank hoben es auf 235 von zuvor 225 Euro an. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer hatte am Tag zuvor nach einem Gewinnsprung die Dividende erhöht und für 2024 weitere Gewinnsteigerungen in Aussicht gestellt.
Dagegen geriet Fraport unter Druck.
Die Aktien des Flughafenbetreibers büßten 4,6 Prozent ein, nachdem der Frankfurter Konzern Analysten zufolge beim Ergebnis im Schlussquartal sowie beim Ausblick unter den Erwartungen blieb.
In London profitierte Unilever von einem Sparprogramm.
Der britische Konsumgüter-Konzern will sein Eiscreme-Geschäft in eine eigenständige Firma auslagern und kündigte den Abbau von 7500 der weltweit etwa 128.000 Stellen an. Die Unilever-Aktien stiegen um drei Prozent.
(Bericht von Stefanie Geiger und Zuzanna Szymanska, redigiert von Philipp Krach.
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