Neuer BASF-Chef nimmt Stammwerk Ludwigshafen ins Visier

Frankfurt (Reuters) – Der Chemieriese BASF räumt im Stammwerk Ludwigshafen weiter auf und prüft die Schließung zusätzlicher Anlagen.

“Wir haben in Ludwigshafen Herausforderungen”, sagte der neue Vorstandschef Markus Kamieth bei der Präsentation der Quartalsbilanz am Freitag. Der Standort müsse an die sich verändernden Marktbedingungen angepasst werden, da in Europa für die Chemieindustrie kein starkes Wachstum mehr zu erwarten sei. “Im Zuge der Entwicklung eines Zielbilds für den Standort Ludwigshafen werden wir natürlich weitere Anlagenanpassungen vornehmen.” Für Ende September kündigte Kamieth ein Strategie-Update an, das auf einem Kapitalmarkttag für Investoren vorgestellt werden soll.

Kamieth hatte Ende April das Ruder von seinem Vorgänger Martin Brudermüller übernommen und damals schon klar gemacht, dass sich der weltgrößte Chemiekonzern weiter verändern müsse. In einer Telefonkonferenz mit Journalisten betonte er am Freitag allerdings auch, dass Ludwigshafen für lange Zeit der größte und wichtigste Standort der BASF bleiben werde. “Die BASF der Zukunft wird sich auf einen starken, wettbewerbsfähigen und auch dann profitablen Standort Ludwigshafen verlassen.” Eine Analyse habe ergeben, dass der Kern des Verbunds weiter wettbewerbsfähig sei. “Aber wir haben auch festgestellt, dass eine ganze Reihe von Anlagen, insbesondere in der Perspektive nach vorne, Wettbewerbsschwierigkeiten hat. Wir müssen also hier auch weitere Anlagenschließungen in Erwägung ziehen.” Details nannte er nicht.

Der ehemalige Asienchef Kamieth muss BASF aus der tiefen Krise führen, in der sich die Chemieindustrie befindet. Die Branche litt lange unter einer schwachen Nachfrage und hohen Produktionskosten. Schon Anfang 2023 war entschieden worden, dass in Ludwigshafen elf energieintensive Anlagen geschlossen werden. Erst kürzlich kündigte BASF an, wegen der wachsenden Konkurrenz durch Generika-Anbieter bis Ende des Jahres aus der Produktion des Unkrautvernichters Glufosinat-Ammonium auszusteigen. Betroffen sind davon die Standorte im Chemiepark Knapsack in Hürth sowie im Industriepark Höchst in Frankfurt mit rund 300 Arbeitsplätzen. Wegen des schleppenden E-Automarkts überprüft BASF zudem seine Investitionen ins Geschäft mit Batteriematerialien.

Brudermüller hatte zu Jahresbeginn den Sparkurs am Stammsitz Ludwigshafen verschärft, da BASF seit zwei Jahren in Deutschland rote Zahlen schreibt. Eine weitere Milliarde Euro soll jährlich eingespart werden, auch ein fortgesetzter Stellenabbau ist damit verbunden. Zahlen dazu nannte BASF nicht. Finanzchef Dirk Elvermann erklärte, die Sparprogramme seien auf Kurs. “Wir sind auf gutem Weg, die angestrebten jährlichen Einsparungen von 2,1 Milliarden Euro bis Ende 2026 zu erreichen.” Kamieth betonte, BASF müsse dafür jeden Stein umdrehen. “Die Milliarde liegt nicht mal eben so am Werkstor.”

ERGEBNISEINBRUCH IM AGRARCHEMIEGESCHÄFT

Für 2024 rechnet BASF unverändert mit einem Anstieg des bereinigten Betriebsgewinns auf 8,0 bis 8,6 (2023: 7,7) Milliarden Euro. Dafür muss sich der Konzern im zweiten Halbjahr aber noch strecken: Nach den ersten sechs Monaten stand ein Ergebnisrückgang von knapp drei Prozent auf 4,67 Milliarden zu Buche. Voraussetzung für das Erreichen der Jahresziele seien höhere Preise, betonte Finanzchef Elvermann. Zum einen habe es im ersten Halbjahr einen positiven Volumentrend gegeben, aber auch der Preisdruck lasse etwas nach. “Und das macht uns hoffnungsvoll für das zweite Halbjahr. Dazu ist es aber auch erforderlich, dass der Preisdruck weiter nachlässt und dass wir wieder Pricing Power haben.”

Im zweiten Quartal hinterließen ein deutlich schwächeres Agrarchemiegeschäft und niedrigere Preise ihre Spuren. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) lag mit 1,957 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Analysten hatten sich allerdings mit 2,046 Milliarden mehr erhofft. BASF setzte 16,1 Milliarden Euro um, ein Minus von knapp sieben Prozent binnen Jahresfrist. Das Unternehmen konnte in der Hälfte seiner Sparten Ergebniszuwächse verbuchen, im Agrarchemiegeschäft brach der Betriebsgewinn allerdings wegen geringerer Nachfrage und niedrigerer Preise für Glufosinat-Ammonium um fast 66 Prozent ein. Die Schließung der Glufosinat-Anlagen wird im dritten Quartal zu zusätzlichen Sonderbelastungen im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich führen.

Die Aktien von BASF führten zum Wochenschluss die Verliererliste im Dax mit einem Minus von zeitweilig mehr als drei Prozent an.

(Bericht von Patricia Weiß. Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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