Hohe China-Kosten bremsen BASF – Milliardenverlust in Ludwigshafen

Frankfurt (Reuters) – Hohe Kosten für den Start seines neuen Standorts in China bremsen BASF.

Der weltgrößte Chemiekonzern hofft zwar 2025 nach dem Gegenwind im vergangenen Jahr auf ein stärkeres Ergebniswachstum. Ohne die Belastungen aus dem milliardenschweren Investitionsprojekt wäre aber deutlich mehr drin. “Wir werden den Aufbau unseres neuen Verbundstandortes in China weiter voranbringen und in der zweiten Jahreshälfte mit dem Hochfahren beginnen. Das Ziel bleibt, die meisten Anlagen bis zum Jahresende erfolgreich anzufahren”, sagte Konzernchef Markus Kamieth am Freitag zur Bilanzvorlage in Ludwigshafen.

BASF erwartet in diesem Jahr einen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 8,0 bis 8,4 Milliarden Euro. Das entspräche einem Zuwachs um bis zu 6,9 Prozent, nachdem das Ergebnis 2024 um 2,4 Prozent auf 7,858 Milliarden Euro stieg. Analysten liegen mit dem Mittel ihrer Schätzungen von 8,43 Milliarden bereits am oberen Ende der Spanne. Allein die Kosten für das Hochfahren des neuen Verbundstandortes sollen das Ergebnis in diesem Jahr mit rund 400 Millionen Euro belasten.

Angesichts der gedämpften Lage auf den europäischen Märkten hatte Kamieths Vorgänger Martin Brudermüller – von dem er im April das Ruder übernahm – den Bau des neuen Verbundstandortes in der chinesischen Provinz Guangdong mit Investitionen von bis zu zehn Milliarden Dollar zur Priorität erklärt – auch wenn er damit bei Investoren wegen der hohen geopolitischen Risiken auf Kritik stieß. Zudem wurde befürchtet, dass die Expansion zulasten des Heimatmarkts Deutschland geht, der 2024 das dritte Jahr in Folge defizitär war. Der BASF-Vorstand verteidigte seinen Kurs stets: “Man kann doch nicht an 50 Prozent des globalen Weltmarktes vorbeilaufen und 80 Prozent des Marktwachstums ignorieren”, hatte Brudermüller auf der Bilanzpressekonferenz vor einem Jahr gesagt.

BASF KOMMT BEI SPARKURS VORAN

In seinem Stammwerk Ludwigshafen kämpft BASF seit Jahren mit den hohen Energiekosten und dem weltweiten Überangebot an Basischemikalien. Dort prüft der Konzern schon seit einiger Zeit die Schließung weiterer Anlagen, zugleich hat der Vorstand wiederholt bekräftigt, dass Ludwigshafen langfristig der wichtigste Standort bleiben soll. Doch bis wieder schwarze Zahlen greifbar sind, bleibt noch viel zu tun. In Ludwigshafen fiel 2024 ein operativer Verlust von rund einer Milliarde Euro an – immerhin eine Halbierung zum Vorjahr, wie Finanzchef Dirk Elvermann betonte. Er sieht BASF beim Sparprogramm auf Kurs: “Wir sind auf gutem Weg, die angestrebten jährlichen Einsparungen von 2,1 Milliarden Euro bis Ende 2026 zu erreichen.” Bis Ende 2024 wurde bereits eine jährliche Kosteneinsparung von rund einer Milliarde Euro erzielt.

Doch der Weg zu den vollen Einsparzielen bleibt steinig. “Das ist ein dickes Brett. Es müssen alle Steine umgedreht werden”, sagte Kamieth. Schon seit einem Jahr stehen weitere Stellenstreichungen im Raum, ohne dass der Vorstand konkrete Zahlen nennt. “Es wird eine signifikante Reduktion von Personal in Ludwigshafen”, sagte Kamieth nur. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dabei aber vermieden werden. Gegenwärtig wird über eine neue Standortvereinbarung verhandelt, die bisherige schließt betriebsbedingte Kündigungen für die zuletzt rund 38.200 Beschäftigten in Ludwigshafen bis Ende 2025 aus.

Um den Chemieriesen wieder auf Kurs zu bringen, hatte Kamieth im September einen Konzernumbau und weitere Einschnitte, etwa bei der Dividende, angekündigt. Geschäftsbereiche sollen teilweise verkauft und das Agrargeschäft bis 2027 börsenreif gemacht werden. Zudem prüft der Konzern strategische Optionen für die Batteriematerialien, das Coatings-Geschäft sowie die Auto-Abgaskatalysatoren. Erst jüngst gab BASF den Verkauf seines brasilianischen Geschäfts mit Bau-Anstrichmitteln für 1,15 Milliarden Dollar an Sherwin-Williams bekannt.

BASF will seine Sachinvestitionen nach der Inbetriebnahme des Verbundstandorts in Zhanjiang deutlich senken. Zwischen 2025 und 2028 sollen sie 16,2 Milliarden Euro betragen – nach geplanten 19,5 Milliarden Euro zwischen 2024 und 2027. Allein in diesem Jahr fallen fünf Milliarden Euro an, davon zwei Milliarden für Zhanjiang. Mit Blick auf die US-Zolldrohungen zeigte sich der Vorstand gelassen. Kamieth erklärte, diese würden bei BASF nicht zu einem großen Umdenken führen, da der Konzern in langen Investitionszyklen plane.

Für das vergangene Geschäftsjahr hatte BASF schon im Januar vorläufige Eckdaten veröffentlicht. Der Nettogewinn stieg – auch durch den Verkauf der Wintershall-Dea-Beteiligung – auf 1,3 Milliarden Euro nach 225 Millionen Euro im Vorjahr. Dennoch müssen sich die Aktionäre, wie schon im September angekündigt, auf eine gekürzte Dividende von 2,25 Euro (Vorjahr: 3,40 Euro) je Aktie einstellen – der erste Rückgang seit 2009. Gleichzeitig stellte BASF Aktienrückkäufe in Aussicht.

(Bericht von Patricia Weiß, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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