Berlin (Reuters) – Der mitten im Umbau steckende Autozulieferer Continental kappt wegen der Zölle von US-Präsident Donald Trump seine Prognose.
Continental-Chef Nikolai Setzer sagte am Dienstag vor einem Kapitalmarkttag, auf makroökonomischer Seite sei nicht mit Rückenwind zu rechnen.
“Die Gründe für unsere interne Transformation nehmen jeden Tag zu”, betonte der Manager. Neben den Zöllen machen auch ungünstige Wechselkurse dem Dax-Konzern zu schaffen. Setzer rechnet für 2025 nur noch mit einer Gewinnmarge von zehn bis elf Prozent, das ist jeweils ein halber Prozentpunkt weniger als bislang.
Continental bringt im September die Autosparte unter dem Namen Aumovio an die Frankfurter Börse.
Aumovio-Chef Philipp von Hirschheydt sagte, das Unternehmen habe intensiv an den Kosten gearbeitet und sei nun gerüstet für die Herausforderungen im Markt. Aumovio habe die Grundlage für Wachstum gelegt, ohne dabei signifikant investieren zu müssen.
Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollten langfristig sinken und unter neun Prozent des Umsatzes liegen.
Schon für das laufende Jahr sagte Aumovio-Chef von Hirschheydt eine Gewinnmarge von 2,5 bis 4,0 Prozent voraus, nach 2,5 Prozent im vergangenen Jahr.
Langfristig sollen es sogar sechs bis acht Prozent werden. Damit solle die Gewinnmarge höher ausfallen als im Durchschnitt aller Autozulieferer. Der Umsatz soll langfristig um gut ein Fünftel auf mehr als 24 Milliarden Euro steigen.
Die Sparte galt lange als Sorgenkind bei Continental.
Das Unternehmen hatte Tausende Arbeitsplätze gestrichen und Werke geschlossen, vor allem in Deutschland. Auch in den USA fiel Anfang des Jahres eine Produktionsstätte weg. Angesichts der von Trump ausgerufenen Zölle könnte diese möglicherweise wiederbelebt werden.
“Wir schauen uns die Entwicklung genau an”, sagte von Hirschheydt. Das Unternehmen habe Expansionsmöglichkeiten in den beiden verbliebenen Werken wie auch in der kürzlich geschlossenen Anlage.
Bislang sei nichts entschieden. “Aber wir müssen natürlich als gutes Unternehmen uns alle Optionen offenhalten.”
CONTITECH SOLL 2026 VERKAUFT WERDEN
Mittelfristig sieht Continental ohne Aumovio ein Umsatzpotenzial von 19,5 bis 22 Milliarden Euro und eine bereinigte Gewinnmarge von zwölf bis 14,5 Prozent.
Dabei entfällt auf das Reifengeschäft mit 14,5 bis 16 Milliarden Euro Umsatz und einer Gewinnmarge von 13 bis 16 Prozent der Löwenanteil. ContiTech soll auf Umsätze von fünf bis sechs Milliarden Euro und eine Marge von elf bis 13 Prozent kommen.
Die Prognose liege damit am oberen Ende seiner Erwartungen, schrieb Bernstein-Analyst Harry Martin. Sie sei gespeist davon, dass Continental davon ausgehe, schneller zu wachsen als der Markt.
Neben der Autosparte will sich Continental auch von der Sparte ContiTech trennen, in der das Industriegeschäft gebündelt ist.
Der Verkauf solle im kommenden Jahr über die Bühne gehen. Conti-Chef Setzer sagte, der Prozess sei eingeleitet. Als Käufer kämen sowohl strategische als auch Finanzinvestoren in Frage. 2024 erwirtschaftete dieser Geschäftsbereich Erlöse von 4,5 Milliarden Euro.
Nimmt man das als Berechnungsgrundlage, könnte auch der Verkaufserlös in dieser Höhe liegen. Das Geld solle zum Teil an die Aktionäre ausgeschüttet, zum Teil für den Schuldenabbau verwendet werden.
Bereits in der zweiten Jahreshälfte soll das Geschäft mit Gummiprodukten für Automobilhersteller abgegeben werden, das bislang zu ContiTech zählt. Den Namen möglicher Käufer nannte Setzer nicht.
Es werde sich aber sehr wahrscheinlich um einen Finanzinvestor handeln. “Wir sind mit den Interessenten aktuell im Prozess und nach wie vor zuversichtlich, dass wir im zweiten Halbjahr zu einem Abschluss kommen.” Nach dem Verkauf von ContiTech werde Continental erstmals in seiner Geschichte ein reiner Reifenhersteller sein, sagte Setzer.
(Bericht von Christina Amann. Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)









