Frankfurt (Reuters) – Bayer muss sich bei seiner angestrebten Glyphosat-Berufung vor dem Obersten Gericht der USA noch gedulden.
Der Supreme Court bat am Montag zunächst den Generalstaatsanwalt um eine Stellungnahme der US-Regierung zu Bayers Antrag auf Revision eines Urteils zu dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup, wie das Leverkusener Unternehmen mitteilte.
Erst danach entscheidet das Gericht, ob es sich mit dem Fall befasst. Der Agrar- und Pharmakonzern will mit dem Verfahren künftige Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken durch Glyphosat erschweren und mögliche Milliardenzahlungen verhindern.
Konkret geht es um das Urteil eines Gerichts im Bundesstaat Missouri, das dem Kläger John Durnell eine Entschädigung von 1,25 Millionen Dollar zugesprochen hatte.
Durnell leidet an Non-Hodgkin-Lymphom, das er auf den Einsatz von Roundup zurückführt. Bayer hatte im April die Prüfung des Falls beim Supreme Court beantragt. Der Konzern rechnet nun mit einer Entscheidung zu Beginn der Sitzungsperiode 2025-2026.
Bei Annahme könnte ein Urteil bis Juni 2026 fallen.
VORRANG VON BUNDESRECHT IM FOKUS
Konzernchef Bill Anderson sprach von einem “ermutigenden Schritt”. Es gehe um die grundsätzliche Frage des Vorrangs von Bundesrecht, die viele Branchen betreffe.
“Wenn Gerichte es zulassen, dass Unternehmen auf Basis des Rechts einzelner Bundesstaaten dafür bestraft werden, dass sie sich an Bundesrecht halten, werden Unternehmen wie wir zum bevorzugten Ziel der Klageindustrie.” Für Bayer ist es bereits der dritte Anlauf vor dem Supreme Court.
Zwei vorherige Versuche scheiterten 2022 – einer davon, nachdem die damalige US-Regierung von einer Annahme abgeraten hatte.
Bayer rechnet sich dieses Mal bessere Chancen aus, da es inzwischen widersprüchliche Urteile von Bundesberufungsgerichten gibt.
Der Konzern verweist darauf, dass die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend klassifiziert und daher Warnhinweise untersagt. Ein für Bayer positives Urteil könnte künftige Rechtsstreitigkeiten im Grunde beenden.
Nach Angaben von Bayer haben in den vergangenen Wochen 18 Organisationen aus der Landwirtschaft, Unternehmen, Rechtsexperten und Wissenschaftler unterstützende Stellungnahmen eingereicht, damit der Supreme Court den Antrag annimmt.
Für Bayer steht viel auf dem Spiel: Das Unternehmen sieht sich in den USA mit zehntausenden ähnlichen Klagen konfrontiert und könnte im Fall einer Niederlage mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe belastet werden.
Der Konzern arbeitet deshalb mit Landwirtschaftsverbänden auch an politischen Initiativen für mehr Rechtssicherheit bei der Kennzeichnung glyphosathaltiger Produkte und hofft so, die Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 signifikant einzudämmen.
Für Bayer-Anleger bleibt die Unsicherheit bestehen: Ob der Supreme Court den Fall zulässt, ist nun weiter unklar.
Die Aktie verlor rund fünf Prozent.
Die Klagewelle hatte sich Bayer mit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des amerikanischen Glyphosatentwicklers Monsanto ins Haus geholt. Sie hat den Aktienkurs schwer gebeutelt und lässt Management und Investoren seit 2018 keine Ruhe.
Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat Bayer stets zurückgewiesen. Behörden weltweit haben das Mittel als nicht krebserregend eingestuft. Allein die Krebsforschungsagentur IARC bewertete den Wirkstoff 2015 als “wahrscheinlich krebserregend”.
Rund zehn Milliarden Dollar hat Bayer für die Beilegung von Klagen schon gezahlt, die Rückstellungen lagen Ende 2024 bei 5,9 Milliarden Dollar.
Im Ringen um ein Ende der Causa Glyphosat schließt Konzernchef Bill Anderson auch einen Ausstieg aus dem Geschäft mit dem Herbizid in den USA nicht aus. Die Zahl der angemeldeten Klagen lag zuletzt bei rund 181.000, für 67.000 Fälle stehen noch Einigungen aus.
In 17 der jüngsten 25 Verfahren erzielte Bayer einen für sich positiven Ausgang.
(Reporterin: Patricia Weiß, redigiert von Olaf Brenner)









