Dax macht am Hexensabbat keine großen Sprünge

Frankfurt, 19. Dez (Reuters) – Die Dax-Anleger haben es am ⁠letzten großen Verfallstag des Jahres ​eher ruhig angehen lassen.

Der deutsche Leitindex kam ‌mit einem Minus von 0,1 Prozent auf 24.181 Zähler am Freitag kaum vom Fleck, der EuroStoxx50 notierte knapp im Plus.

‍Investoren hofften, dass ‍der Dax nach dem sogenannten Hexensabbat noch Luft nach oben habe. Wieder aufgeflammte Zinssenkungsfantasien in den USA hatten den Leitindex am Donnerstag über die 24.000-Punkte-Marke geschoben und machten Lust auf mehr: “Vielleicht wird es jetzt doch noch einen versöhnlichen Ausklang des Jahres geben”, resümierte Jochen Stanzl von der Consorsbank.

Nach seinem Höchststand Anfang Oktober mit 24.771,34 Punkten verlor die Dax-Rally an Schwung.

Die ungewisse Zinspolitik in den USA und der Euro-Zone wie auch Sorgen um die Profitabilität von KI-Unternehmen bremsten die Aktienmärkte zunehmend aus. Auf Jahressicht kommt der Dax aber noch immer auf ein Plus von rund 20 Prozent.

Wie es um ‌den künftigen Zinspfad in den USA bestellt ist, bleibt ungewiss. Nach dem überraschenden Rückgang der Inflation im November hoffen Investoren, dass die Fed ihren Lockerungskurs im neuen Jahr schon bald fortsetzt.

Die Makrodaten sprächen für weitere Senkungsschritte, konstatieren die Analysten der LBBW. Gleichwohl zweifelten viele Analysten die Inflationsdaten an, da sie wegen des Regierungs-Shutdowns statistisch verzerrt sein könnten.

Die Fed setzte ihren Leitzins vergangene Woche zum dritten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte herunter. Er liegt jetzt in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Der Dollar-Index zeigte sich trotz der Zinssenkungsfantasien recht stabil und notierte mit 98,67 Punkten 0,2 Prozent fester.

Der Euro lag mit 1,1713 Dollar knapp im Minus. Die Europäische Zentralbank(EZB) hatte am Donnerstag zum vierten Mal in Folge die Zinsen unverändert gelassen.

STARKES AUF UND AB BEI EINZELWERTEN

Bei den Einzelaktien sorgte der Verfallstag zwar nicht für außergewöhnlich ‌starke Kursschwankungen.

‌Ein deutliches Auf und Ab war bei einigen Werten dennoch zu verzeichnen, da Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Am Hexensabbat verfallen Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien. Zu ‌den größten Gewinnern im Dax zählten Heidelberg Materials und Siemens ‍Energy mit einem Plus von zwei und 1,4 Prozent.

Auf der Verliererseite ‌standen im Dax zeitweise Adidas und im MDax Puma weit oben. Sie gaben in der Spitze zwei beziehungsweise 3,5 Prozent nach. Der US-Sportbekleidungsriese Nike meldete das zweite Quartal in Folge einen Rückgang der Bruttomargen.

Die Aktien rutschten im vorbörslichen US-Handel um gut zehn Prozent ab.

Im SDax fielen Hornbach mit ihren Quartalszahlen bei den Anlegern durch. Der Konzernumsatz legte im dritten Quartal um 2,2 Prozent auf 1,538 Milliarden Euro zu.

Das bereinigte Ebit schrumpfte jedoch auf 27,3 (34,6) Millionen Euro. Die Aktien gaben zeitweise 4,6 Prozent nach.

An der Pariser Börse stachen Renault heraus. Die Anhebung des Kreditratings durch S&P Global Ratings trieb die Aktien des französischen Autoherstellers um 2,7 Prozent in die Höhe.

Laut Unternehmensangaben hat S&P das langfristige Kreditrating auf “BBB-” angehoben – damit erhält Renault das Gütesiegel “Investment Grade”.

YEN NACH ZINSERHÖHUNG DEUTLICH UNTER DRUCK

Gesprächsthema bei den Devisen-Anlegern war die Zinserhöhung der japanischen Nationalbank.

Der Leitzins stieg um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent. Der Yen geriet dennoch unter die Räder. Der Dollar kletterte um bis zu 1,1 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch von 157,35 Yen. Gouverneur Kazuo Ueda blieb bezüglich des genauen Zeitpunkts und des Umfangs künftiger Zinserhöhungen vage.

“Die Notenbanker in Tokio dürften zwar weiterhin unter einem gewissen Handlungsdruck ‌stehen, werden die Zinsen aber auch perspektivisch nur sehr vorsichtig erhöhen wollen”, prognostizierte NordLB-Analyst Tobias Basse.

Am Ölmarkt sorgten Spekulationen auf ein baldiges Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine für fallende Preise. Das Nordseeöl Brent und ‌das US-Öl WTI verbilligten sich auf Wochensicht um mehr als zwei Prozent auf 59,82 beziehungsweise 56,11 Dollar je Fass.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich im Vorfeld eines Treffens der USA mit russischen Vertretern zuversichtlich, dass die Gespräche über ein Ende des Krieges in der Ukraine einem Ergebnis näher kämen.

Investoren gehen davon aus, dass mit einem Waffenstillstand die Sanktionen gegen russische Ölfirmen gelockert werden. Dies würde das Angebot auf einem bereits gut versorgten Markt weiter erhöhen.

(Bericht von: Daniela ​Pegna, redigiert von Ralf Banser.

Bei Rückfragen wenden ​Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder ‍frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

tagreuters.com2025binary_LYNXMPELBI0BJ-VIEWIMAGE

Close Bitnami banner
Bitnami