Neuer Julius-Bär-Chef will mehr sparen und Risiken senken

Zürich (Reuters) – Der neue Julius Bär-Chef Stefan Bollinger drückt noch stärker auf die Kostenbremse.

Als Teil seiner Bemühungen, das krisengeplagte Institut wieder auf Kurs zu bringen, will der Schweizer Vermögensverwalter bis 2028 weitere 130 Millionen Franken einsparen.

“Wir wollen das Schiff straffer führen und wir können das”, sagte Bollinger. Alle ab 2022 angekündigten Sparmaßnahmen summieren sich damit auf rund 400 Millionen Franken. Die Einsparungen sollen vor allem durch die Straffung der Sachkosten erreicht werden, zu einem möglichen weiteren Stellenabbau äußerte sich Bollinger am Dienstag anlässlich eines Investorentages nur vage.

“Es könnte sein, dass wir dies einfach durch natürliche Fluktuation und andere Faktoren bewältigen werden.”

Mit den zusätzlichen Maßnahmen will Bär die bereinigte Aufwand-Ertragsquote bis 2028 auf unter 67 Prozent drücken, von 70,9 Prozent im Jahr 2024.

Damit ist das Institut gemessen an der bisherigen mittelfristigen Zielsetzung von unter 64 Prozent weniger ehrgeizig. “Wir haben uns neue mittelfristige Finanzziele gesetzt, die realistisch sind, und wir sind fest entschlossen, sie zu erreichen”, sagte der Manager.

“Wir wollen mit der Tradition brechen, zu viel zu versprechen und zu wenig zu liefern.” Die Anleger reagierten enttäuscht, die Aktie büßte zwei Prozent ein.

Gleich nach Amtsantritt im Januar hatte Bollinger dem Geldhaus einen Sparkurs verordnet und rund 400 Jobs gestrichen.

Ende 2024 beschäftigte Bär 7595 Personen. Für das laufende Jahr peilt Bär nun Einsparungen von 130 Millionen Franken an, bis 2028 sollen dann weitere 130 Millionen hinzukommen.

BÄR WILL WIEDER REINER VERMÖGENSVERWALTER SEIN

Bär blickt auf eine Reihe von Fehlschlägen zurück, von denen viele mit einem zu großen Risikoappetit zu tun hatten.

Die Entwicklung kulminierte Anfang 2024 in Netto-Kreditverlusten von 606 Millionen Franken, der größte Teil davon in Zusammenhang mit der Signa-Pleite. Bär gehörte zu den größten Kreditgebern der Immobiliengruppe des Tiroler Investors Rene Benko.

Konzernchef Philipp Rickenbacher musste daraufhin den Hut nehmen, später gab auch Präsident Romeo Lacher seinen Posten ab.

Der neue Verwaltungsratspräsident Präsident Noel Quinn will die krisengeplagte Bank zu ihren Wurzeln als Vermögensverwalterin zurückführen.

Die finanzielle Leistung des Instituts sei in den vergangenen Jahren durchwachsen gewesen, sagte er. Er machte dafür die Ausweitung des Angebots in der Kreditvergabe verantwortlich. Bär hätten die erforderlichen Fachkenntnisse gefehlt.

“Wir werden zu einer strategischen Ausrichtung zurückkehren, die sich an einem Vermögensverwalter orientiert, nicht an einer Firmenkundenbank”, sagte der frühere Chef der britischen Großbank HSBC.

In seinen ersten Monaten bei Bär durchforstete Bollinger das Kreditportfolio auf weitere Problemfälle und nahm dann vor zwei Wochen weitere Wertberichtigungen auf Hypotheken und andere Kredite im Umfang von 130 Millionen Franken vor.

Bär wolle die Risikokultur verbessern, sagte der frühere Goldman-Sachs-Manager. “Ich habe die letzten zwanzig Jahre in einer Organisation verbracht, die vom Risikomanagement besessen ist.” Auch bei Bär wolle er sich intensiv mit Risiken befassen.

Trotzdem soll das Neugeldwachstum anziehen und im Jahr 2028 vier bis fünf Prozent des Bestandes erreichen. Im vergangenen Jahr waren es noch 3,3 Prozent gewesen. Bollinger will dafür sorgen, dass sich die Berater weniger um administrative Aufgaben und mehr um ihre Kunden kümmern können.

Zudem will die Bank jährlich brutto rund 150 neue Kundenberater anstellen. Zudem wolle die Bank “unsere erfahrenen Kundenbetreuer aktivieren, damit sie systematischer zum Wachstum beitragen können”, erklärte Finanzchefin Evie Kostakis.

Übernahmen stünden zur Zeit nicht im Vordergrund. “Wir konzentrieren uns sehr stark auf organisches Wachstum.”

(Bericht von Oliver Hirt und Ariane Lüthi, redigiert von Myria Mildenberger.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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