Zölle und Wirtschaftdaten haben Europas Anleger im Griff

Frankfurt (Reuters) – An den europäischen Aktienmärkten treibt Anleger weiter die Furcht vor steigenden US-Zöllen sowie deren Auswirkungen auf die Konjunktur um.

Anfängliche Kursgewinne verpufften am Dienstag im Handelsverlauf zügig.

Gegen Mittag lag der Dax kaum verändert bei 23.955 Punkten; der EuroStoxx50 gab leicht auf 5342 Zähler nach. “Die Märkte haben derzeit das Gefühl, als befänden sie sich auf der Achterbahn der Trump-Zölle”, sagte Danni Hewson, Analystin bei AJ Bell.

“Das größte Problem ist, dass es sich immer so anfühlt, als ginge es einen Schritt vorwärts und zwei Schritte zurück.”

Die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) senkte ihre Prognose zum globalen Wachstum und erklärte, der Handelskrieg belaste die US-Wirtschaft stärker als zuvor.

“Die OECD-Prognosen werden große Besorgnis auslösen”, konstatierte Hewson. Mit Spannung warteten Investoren auf ein angekündigtes Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping, das nach Angaben aus dem Weißen Haus wahrscheinlich noch in dieser Woche stattfinden soll.

Trump hatte China beschuldigt, eine Vereinbarung über den Abbau von Zöllen und Handelsbeschränkungen zu verletzen.

Erste Spuren hinterließ der Zollkrieg auch bei Chinas Industrietätigkeit, die im Mai zum ersten Mal seit acht Monaten deutlich geschrumpft ist.

“Der privat ermittelte Caixin Einkaufsmanagerindex für den Produktionssektor ist ein Schock”, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. Auch das verarbeitende Gewerbe in den USA ist im Mai zum dritten Mal in Folge geschrumpft.

Die Zulieferer brauchten demnach wegen der Zölle so lange wie seit fast drei Jahren nicht mehr, um ihre Produkte zu liefern. “Die ISM-Daten für Mai zeigen, dass der Druck durch die Zölle beginnt, sich auf die Hersteller auszuwirken, die eine Verlangsamung der Aktivitäten, längere Lieferzeiten und sinkende Lagerbestände verzeichnen”, teilten die Ökonomen von Wells Fargo mit.

INFLATIONSDATEN UNTER ZWEI PROZENT

Unterdessen ist die Inflation in der Euro-Zone unter die Zielmarke der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent gesunken.

Im Mai sank die Teuerungsrate in der 20-Länder-Gemeinschaft einer ersten Schätzung zufolge auf 1,9 Prozent und damit stärker als erwartet. Dies untermauerte die Erwartungen für eine weitere Zinssenkung der Euro-Wächter in dieser Woche.

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung waren Staatsanleihen in der Euro-Zone gefragt.

Im Gegenzug gab die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 2,49 Prozent nach und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit dem 8. Mai. Eine starke Staatsanleihen-Auktion in Japan unterstütze die Nachfrage auf den europäischen Anleihemärkten, sagten Analysten.

Die zuletzt schwachen Auktionsergebnisse für längerfristige Schuldtitel in den USA und Japan hatten zuvor angesichts der hohen Schuldenstände Zweifel an der Fähigkeit der großen Volkswirtschaften geweckt, ihre Anleihen zu verkaufen.

Bei den Einzelwerten griffen Anleger bei Aktien aus dem Immobiliensektor zu.

Der größte deutsche Immobilienkonzern Vonovia verzeichnete ein Kursplus von mehr als zwei Prozent und gehörte damit zu den stärksten Dax-Werten. Auch die Titel des Gewerbeimmobilien-Investors Aroundtown zogen mehr als zwei Prozent an.

“Immobilienwerte profitieren vom wieder etwas fallenden Zins”, sagte ein Händler.

Gefragt waren zudem Rüstungskonzerne. Rheinmetall-Aktien kletterten in der Spitze um knapp drei Prozent.

Ein Börsianer verwies darauf, dass der Rüstungskonzern am 20. Juni den französischen Luxusgüterhersteller Kering im EuroStoxx50 ersetzen werde. Die Aufnahme sorge für Rückenwind bei der Aktie. Auch der britische Rüstungskonzern Babcock profitierte von der Aufnahme in den STOXX600 und legte rund zwei Prozent zu.

Dagegen gab Julius Bär in der Spitze mehr als zwei Prozent nach.

Die Schweizer Bank kündigte weitere Kosteneinsparungen in Höhe von 130 Millionen Schweizer Franken bis 2028 an.

(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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