Frankfurt (Reuters) – Im Volkswagen-Stammwerk Wolfsburg könnte die Produktion nach Einschätzung des Betriebsrats in zwei Jahren stark zurückgehen.
Durch den Übergang zur neuen Elektroauto-Plattform SSP werde den Beschäftigten dann Arbeit fehlen, erklärte Betriebsratschefin Daniela Cavallo am Dienstag auf der Betriebsversammlung nach Angaben aus Teilnehmerkreisen.
“Ab 2027 ist hier die zeitweise Vier-Tage-Woche kein abwegiges Szenario”, wurde Cavallo zitiert. Sie riet den Mitarbeitenden, bis dahin ihre Arbeitszeitkonten gut zu füllen, damit es nicht zu finanziellen Einbußen kommt.
Auf der Betriebsversammlung nannte das Unternehmen den aktuellen Stand bei dem Ende letzten Jahres beschlossenen Stellenabbau: Rund 20.000 Mitarbeitende schlossen bereits Verträge zum freiwilligen Ausscheiden bis 2030, wie Personalvorstand Gunnar Kilian nach Angaben von VW sagte.
Als erstes hatte “Bild am Sonntag” vorab über die Zahl berichtet. Zum Teil verlassen Beschäftigte den Autobauer gegen Abfindung, die Mehrheit geht dem Betriebsrat zufolge in Altersteilzeit.
Mit der Umsetzung der Vereinbarung zum sozialverträglichen Abbau von insgesamt 35.000 Stellen in Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts liege der Autobauer auf Kurs, erklärte Kilian.
Der Finanzvorstand der Kernmarke, David Powels, bekräftigte, wie der Autobauer wieder wettbewerbsfähiger werden und schneller Gewinn erwirtschaften soll: “Wir müssen an unseren strukturellen Problemen arbeiten, unter anderem: zu hohe Investitionen, zu geringe Renditen bei Elektrofahrzeugen und ein zu hoher Break-Even-Punkt.” Er appellierte an die Belegschaft, mit dem Management an einem Strang zu ziehen.
Allerdings führen Einsparungen dem Betriebsrat zufolge zu Ärgernissen im Arbeitsalltag in Wolfsburg.
Cavallo monierte, die Büros würden so selten gereinigt, dass eine Kollegin schon ihren eigenen Staubsauger zur Arbeit mitbrachte und selbst putzte. Nachdem der Arbeitgeber auf die Rückkehr ins Büro drängte, komme es zu langen Schlangen in der Kantine.
Es gebe dort zu wenig Personal, nicht genug zu essen und zu wenige Sitzplätze. In der Produktion komme es häufig zu Ausfällen. “Andauernd stehen irgendwelche Anlagen, Teile fehlen, die ganze Fabrik ist quergezogen, nichts ist mehr aus einem Guss hier!”, wurde Cavallo zitiert.
In Sonderschichten müssten Ausfälle aufgeholt werden. “Ist das alles noch das Volkswagen, das wir kennen?” Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage nicht unmittelbar zu den Vorwürfen.
(Bericht von Ilona Wissenbach, redigiert von Olaf Brenner.
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