– von Alexandra Schwarz-Goerlich
Wien (Reuters) – Der Linzer Stahl- und Verarbeitungskonzern Voestalpine rechnet trotz der jüngst verdoppelten US-Zölle auf Stahlimporte mit einem Gewinnanstieg.
Im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 (per Ende März) soll das operative Ergebnis (Ebitda) um bis zu 15 Prozent auf 1,4 bis 1,55 Milliarden Euro zulegen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.
Ausschlaggebend ist vor allem der Wegfall negativer Einmaleffekte aus der Restrukturierung der kriselnden Automotive-Sparte in Deutschland, die das Vorjahr mit 137 Millionen Euro belastet hatten. Die seit Mittwoch gültigen US-Zölle von 50 Prozent würden das Ergebnis laut Voestalpine um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag schmälern.
“Einen Großteil der 25-Prozent-Zölle können wir weitgehend an Kunden weitergeben”, sagte Vorstandschef Herbert Eibensteiner. Sollte die Nachfrage – etwa in der US-Ölindustrie – jedoch deutlich zurückgehen, seien Kapazitätsanpassungen nicht ausgeschlossen.
Andere Stahlhersteller sind stärker von den US-Zöllen betroffen, da Voestalpine mehr als die Hälfte ihrer Produkte für den amerikanischen Markt lokal produziert.
Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 ging das operative Ergebnis wie erwartet zurück – mit einem Minus von 19,2 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro lag es aber leicht über der Prognose von 1,3 Milliarden Euro, die nach zwei Gewinnwarnungen angepasst worden war.
Der Nettogewinn fiel um 14 Prozent auf 178,6 Millionen Euro, der Umsatz schrumpfte um 5,6 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro. Die Aktionäre müssen sich nun mit einer gekürzten Ausschüttung von 0,60 (zuvor: 0,70) Euro je Aktie begnügen.
Der Umsatzrückgang sei vor allem auf ein sinkendes Preisniveau sowie geringere Versandmengen in allen vier Konzernsparten zurückzuführen. Eibensteiner sprach dennoch von einem soliden Ergebnis.
“Unser Fokus auf High-Tech-Produkte und unsere führende Marktstellung in hochqualitativen Nischen stärkt unsere Position als globaler Stahl- und Technologiekonzern.”
An der Wiener Börse legten Voestalpine-Aktien um knapp vier Prozent auf 23,56 Euro zu.
GESCHÄFT MIT AUTOINDUSTRIE LAHMT
Besonders spürbar war der Nachfragerückgang im wichtigen Geschäftsfeld Automotive. Voestalpine reagierte mit umfassenden Restrukturierungsmaßnahmen: Dazu zählten der Verkauf der Tochtergesellschaft Buderus Edelstahl, die Neuorganisation der Vertriebsstruktur sowie Anpassungen an mehreren Automotive-Standorten in Deutschland.
In diesem Zuge wurde der defizitäre Standort im pfälzischen Birkenfeld geschlossen. Zudem sollen insgesamt rund 700 Arbeitsplätze abgebaut werden. Voestalpine beliefert nahezu alle großen internationalen Automobilhersteller mit hochfesten Stählen und Leichtbaukomponenten.
Die eingeleiteten Maßnahmen sollen im laufenden Geschäftsjahr erste positive Effekte zeigen. Insgesamt wird eine stabile Nachfrage im Segment erwartet.
Auch in den Bereichen Maschinenbau und Bauwirtschaft blieb die Nachfrage verhalten.
Deutlich dynamischer präsentierten sich hingegen die Segmente Bahninfrastruktur und Luftfahrt.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)









