FMC verlängert Sparkurs und kündigt Aktienrückkauf an

Frankfurt (Reuters) – Der weltgrößte Dialysekonzern Fresenius Medical Care will mit weiteren Einsparungen seine Profitabilität verbessern.

Bis 2030 strebt FMC eine operative Rendite im mittleren Zehnerprozentbereich an, wie das Unternehmen am Dienstag zu seinem Kapitalmarkttag in London mitteilte.

Im vergangenen Jahr lag die Marge bei 9,3 Prozent. Erreicht werden soll das Ziel durch zusätzliche Einsparungen von 300 Millionen Euro, die eine Verlängerung des bestehenden Sparkurses um zwei Jahre bringen sollen.

Bis Ende 2027 werden so dauerhafte Einsparungen von 1,05 Milliarden Euro angestrebt. Zudem kündigte FMC ein Aktienrückkaufprogramm über zwei Jahre im Umfang von einer Milliarde Euro an, das noch 2025 starten soll.

An der Börse konnte das Unternehmen damit nicht punkten.

FMC-Aktien verloren zeitweise mehr als fünf Prozent und waren größter Verlierer im Dax. Seit Jahresbeginn hatten sie allerdings gut zwölf Prozent zugelegt. Der Konzern habe “nur” geliefert, was erwartet worden war, sagte ein Händler.

Barclays-Analysten sprachen von einer Verschnaufpause nach dem jüngsten Kursanstieg.

FMC hatte sich zuletzt besser entwickelt als von Analysten erwartet – auch dank des Sparkurses von Vorstandschefin Helen Giza, den diese vor drei Jahren eingeschlagen hatte.

Giza hatte den Konzern, der lange unter den Folgen der Corona-Pandemie, Personalmangel und steigenden Kosten litt, mit einem umfassenden Umbau wieder stabilisiert. Der Restrukturierungskurs umfasste unter anderem Stellenstreichungen und die Trennung von unrentablen Kliniken.

Die zusätzlichen Einsparungen sollen nun etwa durch optimierte Lieferketten, effizientere Klinikstrukturen sowie Verbesserungen bei Prozessen und Beschaffung erreicht werden.

FMC will zugleich jährlich 800 Millionen bis eine Milliarde Euro in sein Kerngeschäft investieren, um profitables Wachstum und Innovationen voranzutreiben. Überschüssiges Kapital soll über eine Ausschüttungsquote von 30 bis 40 Prozent sowie regelmäßige Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurückfließen.

FMC SETZT TROTZ ABNEHMSPRITZEN AUF LANGFRISTIGES WACHSTUM

Trotz wachsender Bedeutung neuer Abnehmmedikamente wie Wegovy sieht FMC die Dialysebranche weiter auf Wachstumskurs.

“GLP-1 ist kein Heilmittel für Diabetes oder fortgeschrittene Nierenerkrankungen”, sagte Franklin Maddux, Chief Medical Officer von FMC. Die Präparate könnten in sehr frühen Stadien chronischer Nierenerkrankungen zwar die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit senken.

Der Beginn einer Dialyse verzögere sich im Schnitt aber nur um sechs bis sieben Monate. Zudem würden rund 80 Prozent der Patienten die Behandlung innerhalb von zwei Jahren abbrechen.

Der Dialysemarkt wird seit Jahrzehnten von hohen Raten von Fettleibigkeit und Diabetes gestützt, die zu Nierenschäden beitragen.

Positive Studiendaten zu Abnehmspritzen hatten FMC zwar zeitweise an der Börse belastet, das Unternehmen verweist jedoch seit längerem auf einen neutralen Effekt für das eigene Geschäft.

Nach Angaben von FMC dürfte die Zahl der Dialysepatienten weltweit bis 2035 auf etwa sieben Millionen steigen – ein jährliches Wachstum von vier bis fünf Prozent.

In den USA, dem wichtigsten Markt von FMC, werden Zuwächse über zwei Prozent erwartet. Zusätzliche Impulse erhofft sich der Konzern von der Einführung der hochvolumigen Hämodiafiltration (HVHDF).

Ab 2025 soll das neue 5008X-Dialysegerät schrittweise das bisherige Modell ersetzen. Bis 2030 will FMC alle eigenen US-Kliniken damit ausstatten. Die Behandlung soll unter anderem geringere Sterblichkeitsraten, effizienteren Personaleinsatz, weniger Verbrauchsmaterialien und einen niedrigeren Medikamentenbedarf ermöglichen.

Auch Trends wie KI-gestützte Diagnostik, personalisierte Therapien und neue Medikamente mit Überlebensvorteilen könnten das Geschäft zusätzlich stützen.

Für dieses Jahr hatte Vorstandschefin Giza zuletzt einen währungsbereinigten Umsatzanstieg im niedrigen einstelligen Prozentbereich angekündigt.

Das bereinigte operative Ergebnis soll im hohen Zehner- bis hohen Zwanziger-Prozentbereich zulegen, die Marge soll bei elf bis zwölf Prozent liegen.

(Bericht von Patricia Weiß, redigiert von Olaf Brenner.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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