Stürmische HV bei Hamburger Hafenbetreiber HHLA nach MSC-Einstieg

Berlin (Reuters) – Der Einstieg der weltgrößten Container-Reederei MSC bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) sorgt im Traditionskonzern der Hansestadt weiter für Unruhe.

Auf der virtuellen Hauptversammlung der HHLA gab es am Donnerstag heftige Kritik von Vertretern des Streubesitzes, der Stand Ende Juni bei etwas über fünf Prozent lag.

Ein Dorn im Auge war den Kleinaktionären vor allem die Dividendenkürzung, die die Mediterranean Shipping Company (MSC) und die Stadt Hamburg als Mehrheitseignerin durchsetzten. Auch der bevorstehende Abgang von Konzernchefin Angela Titzrath, deren Vertrag erst Anfang 2024 um fünf Jahre verlängert worden war, und ihre Millionen-Abfindung sorgten für viele kritische Fragen.

Die Beteiligungsgesellschaft von MSC und der Stadt Hamburg, die zusammen mehr als 90 Prozent an dem börsennotierten HHLA-Teilkonzern Hafenlogistik hält, hatte im Vorfeld der Aktionärsversammlung per Gegenantrag eine Reduzierung der Dividende auf zehn Cent je Aktie verlangt.

Vorstand und Aufsichtsrat wollten 16 Cent, im Vorjahr waren es acht Cent. Begründet wurde die Kürzung mit dem Ziel einer besseren Finanzierung zukünftiger Investitionen.

“Das ist ein kleinkarierter, armseliger Gegenantrag”, sagte Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK).

Noch deutlicher wurde Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): “Hier findet eine Diktatur durch den Mehrheitsaktionär statt.” Gegen Aufsichtsratschef Rüdiger Grube als Versammlungsleiter erhob er schwere Vorwürfe.

“Sie sind ohne Rückgrat in dieser Gesellschaft”, sagte er mit Blick auf das Gesamtunternehmen.

ANTRAG AUF ABWAHL VON AR-CHEF GRUBE ALS HV-LEITER

Grube betonte, dass der Gegenantrag kein Zeichen für ein Zerwürfnis zwischen Eignern und Unternehmensleitung sei.

Vielmehr habe sich seit dem ursprünglichen Vorschlag die politische und wirtschaftliche Weltlage noch einmal verschärft. “Vor dem Hintergrund der anhaltenden Transformationsphase mit hohen Investitionen in die Hamburger Container-Terminals … lässt sich natürlich auch eine vorsichtigere Ausschüttungspolitik begründen.”

Grube geriet auch in die Kritik, weil er das Votum über den aussichtsreichen Gegenantrag der Mehrheitseigner zur Gewinnausschüttung vorzog.

Aus dem Kreis der Kleinaktionäre kam ein Antrag zur Abwahl Grubes als Versammlungsleiter, den der Ex-Bahn-Chef mit Verweis auf gesetzliche Bestimmungen nicht annahm.

Titzrath und ihr Vorstands-Team waren vor knapp zwei Jahren von den Plänen der Stadt Hamburg zum Einstieg von MSC überrascht worden.

Titzrath betonte auf der Hauptversammlung, dass ihr Ausstieg aus dem Unternehmen im “besten gegenseitigen Einvernehmen” mit dem Aufsichtsrat erfolge. Mit ähnlichen Worten und dem Verweis auf den Abschluss einer strategischen Phase hatte die HHLA jüngst den Abgang der 59-Jährigen angekündigt.

Medienberichten zufolge konnte sich die Managerin nie damit anfreunden, dass MSC zum zweitgrößten HHLA-Eigner nach der Stadt Hamburg wurde.

MSC-VERTRETER MIT 99,7 PROZENT IN AUFSICHTSRAT GEWÄHLT

Aufsichtsratschef Grube räumte ein, dass die Möglichkeit für Titzraths Ausstieg zu Ende 2025 bereits bei der Verlängerung ihres Vertrages vereinbart worden sei.

Auf mehrfache Nachfragen hin erklärte Grube, dass Titzrath eine Abfindung von 1,58 Millionen Euro erhalte. Zudem bekomme sie ihr Gehalt von insgesamt 1,1 Millionen Euro bis Ende ihres Vertrags am 31.

Dezember 2025 weiter.

Nach einer mehrstündigen Fragerunde wurde bei der Aktionärsversammlung zudem mit je rund 99,7 Prozent der abgegebenen Stimmen der Aufnahme von drei MSC-Vertretern in den Aufsichtsrat zugestimmt.

Darunter ist auch Sören Toft, der CEO der in Genf ansässigen MSC. Der als äußerst verschwiegen geltende Konzern im Besitz der Familie von Gründer Gianluigi Aponte ist größter Rivale der Hamburger Container-Reederei Hapag-Lloyd.

(Bericht von Elke Ahlswede, redigiert von Ralf Banser.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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