Enttäuschungen in Bilanzsaison bremsen Dax aus

Frankfurt (Reuters) – Nach seiner jüngsten Annäherung an die 16.000-Punkte-Marke hat der Dax am Donnerstag den Rückwärtsgang eingelegt.

Der deutsche Leitindex fiel um 0,9 Prozent auf 15.750 Zähler zurück, der EuroStoxx50 verlor 0,5 Prozent.

Angesichts der einen oder anderen Enttäuschung in der Berichtssaison habe der Dax nun ein wenig an Dynamik eingebüßt, sagte Christian Henke vom Broker IG. Auch Thomas Altmann von QC Partners konstatierte: “Die Anleger und Anlegerinnen sind aktuell mehrheitlich im Abwartemodus.”

Für lange Gesichter im Autosektor sorgte der Margenrückgang bei Tesla.

BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz gaben im Dax jeweils mehr als drei Prozent nach. Der europäische Autosektor verlor 3,4 Prozent. Zum Jahresauftakt erwirtschaftete Tesla eine Gewinnmarge von 19,3 Prozent, von Refinitiv befragte Analysten hatten 22,4 Prozent erwartet.

Vor einem Jahr gab es noch eine Rekordrendite von 32,9 Prozent. Der Elektroauto-Pionier hat bei E-Autos einen Preiskrieg angezettelt, der insbesondere in China tobt. Allein in den USA senkte Tesla die Preise seit Jahresbeginn sechs Mal.

Die Zahlen werfen laut CMC Markets Analyst Konstantin Oldenburger Fragen über die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und die Preisstrategie von Tesla auf. “Tesla scheint doch nur ein normaler Autohersteller zu sein, der sich nicht von negativen Marktdynamiken lösen kann”, urteilte der Experte.

Im vorbörslichen US-Handel verloren die Aktien 6,6 Prozent.

SARTORIUS NACH ZAHLEN AUF TALFAHRT

Keinen guten Tag erwischte auch Sartorius. Die Aktien rauschten in der Spitze um fast zwölf Prozent in den Keller.

Ein Umsatzminus und höhere Kosten führten bei dem Laborausrüster im ersten Quartal zu einem Rückgang des operativen Ergebnisses (Ebitda) um 22,1 Prozent auf 272 Millionen Euro. Einige Analysten hätten zwar einen schwachen Jahresauftakt erwartet – “aber nicht in dem Ausmaß”, kommentierte ein Händler.

Gegen den Trend im Plus halten konnten sich Daimler Trucks.

Die Aktien legten im Dax rund ein Prozent zu, nachdem der schwedische Lkw-Bauer Volvo seine Markterwartungen angehoben hatte. Volvo rechnet 2023 in Europa und Nordamerika nun mit einem Absatz von schweren Lkw von jeweils 320.000 statt 300.000.

Die Aktien gewannen 1,9 Prozent.

RÄTSELRATEN UM ZINSPOLITIK DER FED VERUNSICHERT ANLEGER

Neben der Berichtssaison verunsicherte die Aktienanleger aber auch das Rätselraten um das weitere Vorgehen der US-Notenbank Fed.

Spätestens mit der nächsten Fed-Sitzung im Mai werde sich der Dax entscheiden müssen, ob er die 16.000-Punkte-Marke übertrete oder eben nicht, prognostizierte Oldenburger von CMC Markets. Der Präsident der Federal Reserve Bank of New York, John Williams, erklärte, dass die Inflationsrate nach wie vor problematisch sei und dass die US-Notenbank handeln werde, um sie zu senken.

Der Markt rechnet derzeit mit einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte im nächsten Monat. Die Zentralbank hat die Zinsen binnen Jahresfrist rasant nach oben geschraubt – von nahe null auf eine Spanne von 4,75 bis 5,00 Prozent.

Sie will damit die Inflation eindämmen und den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abkühlen.

Die Erwartung weiterer Zinserhöhungen hatte dem Dollar zuletzt wieder Schwung verliehen. Der Dollar-Index legte in dieser Woche bislang gut 0,4 Prozent zu.

Im Gegenzug ging es für die Ölpreise bergab, da eine stärkere US-Währung in Dollar gehandelte Rohstoffe teurer für Investoren in anderen Währungsräumen macht. Seit Montag sind die Preise für Brent und WTI um jeweils rund fünfeinhalb Prozent auf 81,49 beziehungsweise 77,73 Dollar je Fass abgerutscht.

(Bericht von: Daniela Pegna.

Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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