Enttäuschende Unternehmenszahlen bremsen Dax aus

Frankfurt (Reuters) – Nach seiner jüngsten Annäherung an die 16.000-Punkte-Marke hat der Dax am Donnerstag den Rückwärtsgang eingelegt.

Der deutsche Leitindex fiel um 0,9 Prozent auf 15.754 Punkte zurück, der EuroStoxx50 verlor 0,5 Prozent auf 4372 Zähler.

Auch die Futures für die wichtigsten US-Indizes lagen im Minus. “Die weitere Marschrichtung an den Aktienmärkten wird in den kommenden Wochen durch die laufende Berichtssaison entschieden”, sagte Analyst Christian Henke vom Broker IG.

“Nach einem verheißungsvollen Auftakt gab es nun die eine oder andere Enttäuschung.”

Für lange Gesichter sorgte vor allem der Margenrückgang beim US-Elektroautobauer Tesla. Sein Umsatzwachstum um 24 Prozent im ersten Quartal sei nur durch hohe Preisrabatte möglich gewesen, sagte Stratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets.

Dadurch sei der Gewinn in gleichem Maße zurückgegangen. “Es ist ein alarmierendes Zeichen für die Investoren, die den erkauften Absatz nicht honorieren”, sagte Molnar. Im vorbörslichen US-Handel verloren die Tesla-Aktien acht Prozent.

Die deutschen Rivalen BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz gaben im Dax jeweils mehr als drei Prozent nach. Der europäische Autosektor verlor knapp vier Prozent.

SARTORIUS NACH ZAHLEN AUF TALFAHRT

Auch der US-Telekommunikationskonzern AT&T und der Kreditkartenanbieter American Express büßten nach Quartalszahlen vorbörslich 5,4 beziehungsweise 1,3 Prozent ein.

In Deutschland erwischte auch Sartorius keinen guten Tag.

Die Aktien fielen um rund zwölf Prozent auf ein Vier-Monats-Tief von 341,70 Euro. Ein Umsatzminus und höhere Kosten führten bei dem Laborausrüster im ersten Quartal zu einem Rückgang des operativen Ergebnisses (Ebitda) um 22,1 Prozent auf 272 Millionen Euro.

Gegen den Trend im Plus halten konnten sich Daimler Trucks.

Die Aktien legten im Dax knapp ein Prozent auf 30,21 Euro zu, nachdem der schwedische Lkw-Bauer Volvo seine Markterwartungen angehoben hatte. Volvo rechnet 2023 in Europa und Nordamerika nun mit einem Absatz von schweren Lkw von jeweils 320.000 statt 300.000 Stück.

Die Aktien gewannen 0,6 Prozent auf 210,35 Kronen.

RÄTSELRATEN UM ZINSPOLITIK DER FED VERUNSICHERT ANLEGER

Die Aktienanleger verunsicherte auch das Rätselraten um das weitere Vorgehen der US-Notenbank Fed.

Spätestens mit der nächsten Fed-Sitzung im Mai werde sich der Dax entscheiden müssen, ob er die 16.000-Punkte-Marke übertrete oder eben nicht, prognostizierte Analyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets.

Der Präsident der Federal Reserve Bank of New York, John Williams, erklärte, dass die Inflationsrate nach wie vor problematisch sei und dass die US-Notenbank handeln werde, um sie zu senken. Der Markt rechnet derzeit mit einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte im nächsten Monat.

Die Fed hat die Zinsen binnen Jahresfrist rasant nach oben geschraubt – von nahe null auf eine Spanne von 4,75 bis 5,00 Prozent. Sie will damit die Inflation eindämmen und den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abkühlen.

Die Erwartung weiterer Zinserhöhungen hatte dem Dollar zuletzt wieder Schwung verliehen.

Der Dollar-Index legte in dieser Woche bislang gut 0,4 Prozent zu. Im Gegenzug ging es für die Ölpreise bergab, da eine stärkere US-Währung in Dollar gehandelte Rohstoffe teurer für Investoren in anderen Währungsräumen macht.

Seit Montag sind die Preise für Brent und WTI um jeweils rund fünfeinhalb Prozent auf 81,49 beziehungsweise 77,73 Dollar pro Barrel (159 Liter) abgerutscht. Am Donnerstag verloren sie jeweils rund 1,5 Prozent auf 81,78 und 77,90 Dollar pro Barrel.

Auch die Industriemetalle Kupfer und Zink verbilligten sich um jeweils rund ein Prozent. Die Investoren deckten sich dagegen mit Gold ein, das als “sicherer Hafen” in Krisenzeiten gilt. Das gelbe Metall verteuerte sich um 0,6 Prozent auf rund 2005 Dollar.

(Bericht von Zuzanna Szymanska und Daniela Pegna.

Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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