Europas Anleger ziehen die Köpfe ein – Banken im Fokus

Frankfurt (Reuters) – Erneut aufgekommene Banken-Sorgen haben Europas Anleger nervös gemacht.

Der Dax gab am Dienstag 0,1 Prozent auf 15.851 Punkte nach. Sein europäisches Pendant, der EuroStoxx50, rutschte um 0,6 Prozent auf 4376 Zähler ab.

Auch die Futures für die wichtigsten US-Indizes lagen im Minus.

Nach den Geschäftszahlen der US-Regionalbank First Republic gerieten Kreditinstitute erneut unter Druck. Anlegern bereitete vor allem der massive Einlagenabfluss Sorge, da Kunden zu größeren Instituten flüchteten, die als “too-big-to-fail” gelten.

Die Abflüsse seien viel gravierender als erwartet ausgefallen, konstatierten die Analysten von Wells Fargo. Der angeschlagene Kreditgeber meldete einen Rückgang bei den Einlagen in Höhe von mehr als 100 Milliarden Dollar in diesem Quartal im Gefolge der Banken-Turbulenzen.

“Diejenigen, die an die Bankenkrise bereits einen Haken gemacht haben, könnten das zu früh getan haben”, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

INVESTOREN FOLGEN BANK-KUNDEN IN “SICHERE HÄFEN”

Damit rücke das Bankenrisiko wieder in den Fokus.

Die First-Republic-Aktie büßte im vorbörslichen US-Handel um 20 Prozent ein. Der europäische Banken-Index gab um 2,5 Prozent nach und war damit auf dem Weg zum größten Tagesverlust seit einem Monat.

Mit Kursverlusten von zeitweise mehr als drei Prozent gehörten die Titel der Commerzbank und der Deutschen Bank zu den größten Verlierern im Dax. Trotz eines leicht höheren Gewinns rutschten auch die Aktien der spanischen Großbank Santander um gut fünf Prozent ab.

Die Bankensorgen beflügelten “sichere Häfen” wie Staatsanleihen und die Anti-Krisen-Währung Dollar.

Die Rendite der zehnjährigen US-Bonds fällt im Gegenzug zum steigenden Kurs auf 3,437 Prozent von 3,515 Prozent am Montag. Die Bundesanleihen mit der gleichen Laufzeit rentieren mit 2,422 Prozent nach zuvor 2,490 Prozent.

Der Dollar-Index, der den Wert des Greenbacks gegenüber anderen wichtigen Devisen misst, gewinnt 0,3 Prozent auf 101,58 Punkte. Der Euro verliert im Gegenzug 0,3 Prozent auf 1,1015 Dollar.

Die Flucht vermögender Investoren in sichere Anlagehäfen hat auch der Schweizer UBS zu Jahresbeginn Rückenwind verliehen.

Die Großbank sammelte bei Reichen und Superreichen von Januar bis März 28 Milliarden Dollar an Neugeldern ein. Zugleich halbierte sich der Gewinn im Quartal auf 1,03 Milliarden Dollar und fiel damit überraschend schwach aus.

Die Aktie verlor gut ein Prozent.

HOFFEN AUF US-TECH-RIESEN

Auch bei anderen Unternehmen standen Geschäftszahlen und Prognosen im Vordergrund. So fuhr Daimler Truck mit einem Kursplus von knapp drei Prozent den anderen Dax-Werten davon.

Der Lkw-Bauer hat dank der starken Nachfrage im ersten Quartal deutlich besser abgeschnitten als von Analysten erwartet.

Um 3,6 Prozent nach oben ging es für den Schweizer Pharmakonzern Novartis, nachdem dieser seine Jahresprognose angehoben hat.

Auch beim Elektrotechnik-Konzern ABB wächst angesichts einer ungebrochenen Nachfrage die Zuversicht für das laufende Jahr. Die Aktie gewann 2,6 Prozent.

In den USA trieben Prognoseanhebungen beim Getränkehersteller PepsiCo und dem Mischkonzern General Electric die Aktien der beiden Unternehmen vorbörslich um 1,8 beziehungsweise 1,4 Prozent nach oben.

Nun warteten Börsianer mit Spannung auf die anstehenden Zahlen der beiden US-Technologieriesen Microsoft und Alphabet.

“Überzeugende Bilanzkennzahlen und optimistische Ausblicke könnten das Vertrauen der Anleger zurückbringen und die große Bühne für die nächste Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche bereiten”, sagte CMC Markets-Analyst Konstantin Oldenburger.

(Bericht von Zuzanna Szymanska und Stefanie Geiger, redigiert von Kerstin Dörr.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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