Börsen vor US-Inflationsdaten im Minus

Frankfurt (Reuters) – Im Vorfeld der für Mittwoch geplanten US-Inflationsdaten haben sich die Anleger an den Aktienmärkten am Dienstag weiter zurückgezogen.

Der Dax notierte zum Handelsschluss kaum verändert bei 15.955,48 Punkten.

Sein europäisches Pendant, der EuroStoxx50, bröckelte um 0,7 Prozent auf 4318,17 Zähler ab. Auch die wichtigsten US-Indizes lagen im Minus.

Die Anleger warteten auf die am Mittwoch anstehenden Inflationsdaten aus den USA, von denen sie sich nach stark ausgefallenen Jobdaten vom Freitag weitere Hinweise erhofften, wann die US-Notenbank Fed das Ende des Zinserhöhungszyklus einläutet.

“Der Arbeitsmarktbericht vergangene Woche hatte etwas für jeden Optimisten”, sagte Susannah Streeter, Analystin beim Vermögensverwalter Hargreaves Lansdown. Zum einen habe er auf eine Abkühlung des Arbeitsmarktes hingedeutet und gezeigt, dass die US-Notenbank Fed mit ihren Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation in die richtige Richtung geht.

Andererseits sei er aber stark genug gewesen, um die Rezessionsängste zu lindern. “Der Wohlfühlfaktor ist inzwischen allerdings wieder weg und die Anleger fiebern dem nächsten Impuls entgegen.”

AUCH STREIT UM US-SCHULDENOBERGRENZE DRÜCKT STIMMUNG

Auch der Streit zwischen den Republikanern und den Demokraten um US-Präsident Joe Biden um die Anhebung der Schuldenobergrenze in den USA machte die Anleger nervös.

Biden trifft sich am Dienstag voraussichtlich mit führenden Vertretern des Kongresses zu diesem Thema. “Das US-Finanzministerium hat den 1. Juni als ‘X-Day’ festgelegt. Wird bis dahin keine Einigung erzielt, haben die USA möglicherweise nicht genug Geld, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, was zu einem technischen Zahlungsausfall führen und möglicherweise eine Finanzkrise auslösen könnte”, sagte Konstantin Oldenburger, Analyst vom Broker CMC Markets.

Solche Situationen hätten sich in der Vergangenheit immer wieder entspannt, unterschätzen solle man sie als Anleger dennoch nicht.

Die Nervosität der Investoren stützte das Gold, das als “sicherer Hafen” in Krisenzeiten gilt.

Das Metall verteuerte sich um 0,2 Prozent auf rund 2025 Dollar je Feinunze. Unter Druck gerieten dagegen die Ölpreise. Die Nordsee-Rohölsorte Brent und die leichte US-Sorte WTI verbilligten sich um jeweils rund 2,5 Prozent auf 75,15 beziehungsweise 71,45 Dollar pro Barrel (159 Liter).

DAIMLER TRUCK TROTZ GEWINNSPRUNG UNTER DRUCK

Auf die Stimmung drückten auch schlechte Nachrichten aus den Unternehmen.

Trotz eines Gewinnsprungs im Auftaktquartal blieb etwa der Lkw-Bauer Daimler Truck vorsichtig mit Blick auf das Gesamtjahr und beließ das Gewinnziel unverändert. Die Titel rutschten um knapp zwei Prozent ab.

Dagegen schoben sich die Aktien von Fresenius mit einem Plus von 8,7 Prozent an die Dax-Spitze. Die Quartalszahlen seien etwas besser ausgefallen als erwartet, sagte ein Händler.

Ein unter den Erwartungen liegendes Ergebnis drückte dagegen den niederländische Düngemittelhersteller OCI in Amsterdam um 2,4 Prozent.

In London büßte zudem die Direct Line Insurance Group knapp fünf Prozent ein, nachdem der britische Versicherer davor gewarnt hatte, dass die Kfz-Schäden den Gewinn im laufenden Jahr belasten werden.

In den USA schickte eine pessimistische Prognose die Aktie des Chipherstellers Skyworks auf Talfahrt.

Die Titel des Unternehmens, das Halbleiter für Produkte wie Apples iPhone herstellt, fielen an der Wall Street um 5,3 Prozent. Die Rivalen Qualcomm and Qorvo verloren in ihrem Sog 1,5 beziehungsweise 2,2 Prozent.

Skyworks erwartet für das laufende Quartal einen Gewinn pro Aktie von 1,67 Dollar. Von Refinitiv befragte Analysten waren von 1,82 Dollar ausgegangen. Die am Donnerstag veröffentlichten robusten Zahlen von Apple hatten Hoffnungen auf starke Bilanzen der Zulieferer geschürt.

Allerdings nimmt die globale Nachfrage nach Smartphones insgesamt ab.

(Bericht von Zuzanna Szymanska und Stefanie Geiger, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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