Anleger in Europa gehen vor US-Inflationszahlen in Deckung

Frankfurt (Reuters) – Vor den im Tagesverlauf anstehenden Inflationszahlen aus den USA sind die Anleger in Europa vorsichtig unterwegs.

Dax und EuroStoxx50 gaben am Mittwochvormittag jeweils um bis zu 0,5 Prozent auf 15.878 beziehungsweise 4303 Punkte nach.

“Nachdem die US-Notenbank in der vergangenen Woche die Zinsen erneut um 25 Basispunkte angehoben hat, sind die heutigen Zahlen zum Verbraucherpreisindex für April der nächste wichtige Indikator dafür, ob die US-Notenbank bei der nächsten Sitzung die Pause-Taste drücken und die Zinsen nach mehreren aufeinanderfolgenden Erhöhungen unverändert lassen wird”, sagte CMC-Markets-Analyst Michael Hewson.

Analysten rechneten damit, dass die Rate im April stabil bleiben wird, nachdem der Verbraucherpreisindex im März um einen vollen Prozentpunkt auf 5,0 Prozent gesunken ist.

“Ein unerwarteter Anstieg der Inflationsrate würde Spekulationen über weitere Zinsanhebungen neuen Raum geben und könnte die Börsen entsprechend empfindlich treffen”, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

In Deutschland haben nicht mehr ganz so stark steigende Lebensmittelpreise die Inflationsrate im April auf den niedrigsten Stand seit über einem halben Jahr gedrückt.

Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 7,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Erstmals seit rund zwei Jahren gaben die Lebensmittelpreise von März auf April leicht nach.

NACHFRAGESORGEN BELASTEN ÖLPREIS

Auf dem Rohölmarkt drückte unterdessen ein überraschender Anstieg der US-Lagerbestände die Ölpreise.

Die Nordsee-Sorte Brent und US-Leichtöl WTI verbilligten sich um jeweils 1,6 Prozent auf 76,18 beziehungsweise 72,50 Dollar pro Barrel (159 Liter). Investoren fürchteten eine nachlassende Nachfrage, da Analysten im Vorfeld mit einem Rückgang der Öl und Benzin-Vorräte in den USA gerechnet hatten.

“Ölinvestoren sollten nach Hinweisen auf die wirtschaftliche Gesundheit der US-Wirtschaft Ausschau halten, die meiner Meinung nach derzeit sehr trüb und düster aussieht”, sagte Priyanka Sachdeva, Analystin beim Broker Phillip Nova.

In Atem hielt Anleger zudem eine Flut an Quartalszahlen. Größter Dax-Verlierer waren mit minus sechs Prozent die Titel von Siemens Healthineers. Der Medizintechnik-Konzern gibt einen Teil des Geschäfts seiner milliardenschweren Übernahme Corindus auf, was sich mit einer Abschreibung von 329 Millionen Euro in den Zahlen für das zweite Quartal 2022/23 niederschlägt.

Die Quartalszahlen seien sehr gemischt ausgefallen, sagte ein Händler. “Diagnostik ist weiterhin die Hauptenttäuschung”, konstatierten die Analysten von JPMorgan.

Mehr als zehn Prozent nach unten ging es in London nach einem Verlust im Halbjahr für Asos.

Dem Online-Modehändler haben in den vergangenen Monaten verstärkte Retouren sowie die Kaufzurückhaltung wegen knapper Haushaltskassen zu schaffen gemacht. Asos habe das Pech, dass die Inflation seine Zielgruppe, die modebewussten 20-Jährigen, härter getroffen habe als jede andere Altersgruppe, sagt Adam Vettese, Analyst beim Social-Investing-Netzwerk eToro.

Dagegen zogen in Paris die Aktien von Credit Agricole nach einem überraschend starken Ergebnis mehr als fünf Prozent an.

Die Umsätze aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen stiegen dem Bankhaus zufolge um mehr als 40 Prozent und übertrafen damit Konkurrenten wie den größeren französischen Rivalen BNP Paribas, die Deutsche Bank und Goldman Sachs.

“Die Ergebnisse des ersten Quartals sind beeindruckend stärker als erwartet”, konstatierten die Analysten von Jefferies.

(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Sabine Ehrhardt.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

tagreuters.com2023binary_LYNXMPEJ4905U-VIEWIMAGE

Close Bitnami banner
Bitnami