Frankfurt (Reuters) – Die Anleger an den europäischen Aktienmärkten haben sich zum Wochenstart kaum aus der Deckung gewagt.
Der deutsche Leitindex Dax und sein europäisches Pendant, der EuroStoxx50, lagen am Montag gegen Mittag jeweils knapp im Minus bei 16.253 Zählern beziehungsweise 4392 Punkten.
Im Blick standen die Verhandlungen über eine Anhebung der US-Schuldenobergrenze. Die nur noch recht kurze Frist für einen Kompromiss vor der von US-Finanzministerin Janet Yellen ausgerufenen “harten Deadline” zum Stichtag 1.
Juni sorgte für Nervosität bei den Investoren. Am Montag sollen die Gespräche zwischen US-Präsident Joe Biden und seinem republikanischen Gegenspieler im Kongress Kevin McCarthy fortgesetzt werden.
Die Hoffnung auf eine Einigung im Streit über eine Anhebung der Schuldenobergrenze ist Analysten zufolge allerdings bereits in den Aktienkursen eingepreist.
Jürgen Molnar, Stratege vom Broker RoboMarkets, mahnt allerdings zur Vorsicht. Werde über eine notwendige Anhebung der Schuldenobergrenze keine Einigung erzielt, drohe schon in nicht mal mehr als zwei Wochen der USA die Zahlungsunfähigkeit.
“Aus der Gelassenheit der Börse ob dieses Themas könnte so schnell ein Partykiller werden, die Fallhöhe des Deutschen Aktienindex ist mit dem neuen Allzeithoch nicht kleiner geworden.”
METALLE UNTER DRUCK – ÖL BAUT VERLUSTE WIEDER AB
Sorgen um den möglichen Zahlungsausfall in den USA sowie düstere Prognosen für die Nachfrage aus China setzten den Rohstoffpreisen zu.
Industriemetalle wie Kupfer, Zink, Zinn und Aluminium verloren zwischen 1,2 und 1,4 Prozent.
Öl baute unterdessen seine früheren Preisverluste wieder ab. Die Nordsee-Sorte Brent und die leichte US-Sorte WTI notierten kaum verändert bei 75,60 beziehungsweise 71,55 Dollar pro Barrel (159 Liter).
Die Produktionskürzungen des Ölverbands Opec+ und ein unerwarteter Rückgang bei den Lieferungen aus Kanada, nachdem Waldbrände große Teile der Rohölversorgung lahmgelegt hatten, glichen die Sorgen um den US-Schuldenstreit mehr oder weniger aus.
“Ich erwarte in den kommenden Tagen viel Volatilität. Dabei dürften die Rohölpreise nach oben springen, sobald eine Einigung über die Anhebung der Schuldenobergrenze erzielt wird”, sagte Vandana Hari, Gründerin des singapurischen Ölmarktanalysehauses Vanda Insights.
GRIECHISCHE AKTIEN NACH PARLAMENTSWAHL GEFRAGT
Der Sieg der konservativen Partei Neue Demokratie (ND) von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bei den Parlamentswahlen in Griechenland stützte die Aktienkurse an der Athener Börse.
Der griechische Leitindex kletterte um 6,8 Prozent. Gefragt waren dabei vor allem Bankenwerte. Die Aktien von Geldhäusern wie Eurobank, Alpha, Piraeus und National Bank of Greece gewannen zwischen 12,8 und 15 Prozent, der Sektorindex lag 14,5 Prozent im Plus.
In Deutschland standen Analystenkommentare im Fokus. So flog etwa Brenntag aus den Depots. Die Anteilsscheine des Chemikalienhändlers verloren nach einer Herabstufung gut zwei Prozent. Die Experten von Barclays hatten die Titel auf “Underweight” nach zuvor “Equal weight” gesetzt.
Die Aktie sei überbewertet im Vergleich zu den Papieren von Konkurrenten wie Azelis und IMCD, erklärten die Barclays-Experten. Der Aktienkurs der beiden Unternehmen rückte um bis zu 2,5 Prozent vor.
Unter Druck geriet auch die Aktie von Hornbach, die knapp drei Prozent verlor.
Die Analysten der Privatbank Berenberg stuften die Titel auf “Hold” von “Buy” herab. Grund seien trübe Aussichten für die Jahreszahlen der Baumarktkette. Die US-Investmentbank Morgan Stanley zog auch ihre Kaufempfehlung für Sartorius zurück und setzte die Papiere des Göttinger Laborausrüsters auf “Equal weight” nach zuvor “Overweight”.
Die Morgan-Stanley-Experten warteten auf Klarheit über die Finanzierung der geplanten Übernahme des Biotechunternehmens Polyplus.
(Bericht von Zuzanna Szymanska, redigiert von Ralf Banser.
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