Frankfurt (Reuters) – Die Hängepartie im US-Schuldenstreit macht die Anleger zunehmend nervös.
Der deutsche Leitindex Dax gab am Mittwoch 1,4 Prozent auf 15.934 Punkte nach und rutschte damit erneut unter die psychologisch wichtige Marke von 16.000 Punkten, die er in der vergangenen Woche mit einem neuen Allzeithoch überwunden hatte.
Sein europäisches Pendant, der EuroStoxx50, verlor 1,5 Prozent auf 4277 Zähler. “So langsam, aber sicher verlieren die Anleger die Geduld und ihren Optimismus gegenüber einer Lösung im Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze in den USA”, sagte Konstantin Oldenburger, Analyst beim Broker CMC Markets.
Auch die Eintrübung des Ifo-Geschäftsklimas lastete auf der Stimmung.
Das Spitzentreffen zwischen US-Präsident Joe Biden und dem Verhandlungsführer der oppositionellen Republikaner, Kevin McCarthy, war am Montag erneut ohne Ergebnis zu Ende gegangen.
Auch am Dienstag verließ McCarthy das Kapitol mit der Aussage, dass die beiden Parteien noch keine Einigung erzielt hätten. Dabei seien für die nächsten ein oder zwei Tage keine weiteren Treffen geplant.
US-Finanzministerin Janet Yellen hatte gewarnt, dass die USA die Rechnungen des Bundes ohne eine Anhebung der Schuldenobergrenze nur noch bis zum 1. Juni bezahlen können.
SPEKULATIONEN AUF FÖRDERKÜRZUNGEN TREIBEN ÖLPREISE
Auch enttäuschende Konjunkturdaten aus Deutschland sorgten für schlechte Laune.
Die Stimmung in den Chefetagen der größten Wirtschaft Europas hat sich im Mai eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel auf 91,7 Punkte von revidiert 93,4 Zählern im April, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte.
Es war der erste Rückgang des an den Finanzmärkten stark beachteten Barometers nach sechs Anstiegen in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 93,0 Punkte gerechnet. “Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle”, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.
“Im zweiten Quartal dürfte es in Richtung einer Stagnation gehen.”
Spekulationen auf weitere Produktionskürzungen des Ölkartells Opec+ sowie ein Rückgang der US-Lagerbestände trieben unterdessen die Rohölpreise an.
Die Nordsee-Sorte Brent sowie die leichte US-Sorte WTI verteuerten sich um jeweils mehr als ein Prozent auf 77,76 beziehungsweise 73,93 Dollar pro Barrel (159 Liter).
Konjunktursorgen sowie der anhaltend starke Dollar drückten indes die Preise für andere Rohstoffe.
Industriemetalle wie Kupfer, Zink und Zinn verloren jeweils rund zwei Prozent. Eine starke US-Devise macht die in Dollar gehandelte Rohstoffe teurer für Investoren in anderen Währungsräumen.
KONJUNKTURABHÄNGIGE WERTE FALLEN – UNIPER BAUT GEWINNE AUS
Die Rezessionsängste nach den schwachen Ifo-Zahlen setzten konjunkturabhängigen Werten zu.
So verloren Autobauer wie Porsche, Stellantis und Renault, Bekleidungsanbieter wie Zalando, Adidas und Puma, Industriekonzerne wie Saint Gobain und ArcelorMittal zwischen gut zwei und gut fünf Prozent.
Die Aktie von Uniper baute dagegen ihre Kursgewinne vom Vortag aus und kletterte erneut um rund fünf Prozent.
Der Energiekonzern erwartet mit Blick auf ausbleibende Lieferungen russischen Gases für 2023 und 2024 “insgesamt keine Mehrkosten aus der Ersatzbeschaffung von Gasmengen”. Uniper hat seine Lieferverpflichtungen nach eigenen Angaben auf anderen Wegen nahezu vollständig abgesichert.
Auf Basis vorläufiger ungeprüfter Zahlen würden aus den Absicherungsgeschäften Gewinne vor Steuern von über zwei Milliarden Euro erwartet.
(Bericht von Zuzanna Szymanska, redigiert von Hans Seidenstücker.
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