Bundesbank – Unternehmen dürften höhere Lohnkosten weiterreichen

Berlin (Reuters) – Die kräftigen Lohnabschlüsse dürften die Unternehmen der Bundesbank zufolge zu Preiserhöhungen veranlassen.

“Es spricht vieles dafür, dass die Unternehmen im Jahresverlauf die gestiegenen Lohnkosten zum Teil in die Preise überwälzen werden”, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht.

Es sei “mit Zweitrundeneffekten auf die Preise zu rechnen” – damit wird die Gefahr bezeichnet, dass sich Preise und Löhne gegenseitig immer weiter nach hochschaukeln und die Inflation damit länger hoch bleibt.

“Die mittlerweile breit angelegte und recht hartnäckige Teuerung hinterlässt mehr und mehr ihre Spuren in den Lohnsteigerungen”, betonte die Bundesbank. Dabei werde auch in nicht tarifgebundenen Bereichen die Möglichkeit zur Zahlung der Inflationsausgleichsprämien verstärkt ausgeschöpft.

Diese wurde von der Bundesregierung auf den Weg gebracht und erlaubt Arbeitgebern, ihren Beschäftigten steuer- und abgabenfrei einen Betrag bis zu 3000 Euro zu gewähren. “Mit Blick auf die laufenden Tarifrunden begünstigen die erwartete Konjunkturverbesserung und die gesunkene Unsicherheit hinsichtlich der Energieversorgung die Bestrebungen, die bisherigen Reallohnverluste stärker als bislang auszugleichen”, heißt es im Monatsbericht.

Die Verbraucherpreise sind im März um durchschnittlich 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. In den kommenden Monaten dürfte die Inflationsrate nach Prognose der Bundesbank nachgeben – “jedoch nur sehr allmählich”.

“Die nach wie vor außerordentlich hohen Preissteigerungen bei nicht energetischen Komponenten, der noch spürbare Preisdruck entlang der Lieferketten sowie das kräftige Lohnwachstum wirken dem dämpfenden Beitrag der rückläufigen Energiepreise entgegen”, schreiben die Bundesbank-Volkswirte.

Zuletzt konnten die Gewerkschaften deutliche Lohnerhöhungen durchsetzen.

Die 2,5 Millionen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst von Bund und Ländern etwa erhalten im Juni eine steuer- und abgabenfreie Sonderzahlung von 1240 Euro. Ihr folgen weitere 220 in den Monaten von Juli bis Februar 2024.

Ähnlich sieht die Tarifeinigung für die 160.000 Beschäftigten der Deutschen Post aus. Für die gut 800.000 Beschäftigten in der Leiharbeit gibt es eine zweistufige Lohnerhöhung von bis zu 13 Prozent.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Reinhard Becker.

– Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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