Berlin (Reuters) – Bahn-Reisende müssen sich auf weitere Streiks einstellen.
“Kurzfristig wird es jetzt sicher noch einmal einen Warnstreik geben”, kündigte EVG-Co-Verhandlungsführerin Cosima Ingenschay am Mittwoch nach der Ablehnung des jüngsten Tarifangebots der Deutschen Bahn an.
Diese hatte weitere Verhandlungen abgelehnt, da die Gewerkschaft von ihren Ursprungsforderungen nicht abrücken wollte. Die EVG-Verhandlungskommission will noch am Mittwoch beraten und dann der Tarifkommission eine Empfehlung zu Streiks vorlegen – sofern die Bahn nicht doch noch verhandeln wolle.
Einen Streik in dieser Woche wird es allerdings nicht geben: Grund ist auch der 25-jährige Gedenktag an die Katastrophe von Eschede am Samstag. Beim schwersten Zug-Unglück der Geschichte der Bundesrepublik starben 101 Menschen.
Reisen zu Gedenkveranstaltungen sollten nicht behindert werden.
Der Staatskonzern hatte am Mittwoch weitere Verhandlungen mit der EVG zunächst eine Absage erteilt: “Das ist im Moment sinnlos, weil die EVG sich keinen Millimeter bewegt”, sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler.
Die pauschale Ablehnung des dritten, nochmal stark verbesserten Angebots der Bahn durch die EVG sei “nicht nachvollziehbar”. Die Gewerkschaft zeige kein Entgegenkommen und mache keine Lösungsvorschläge.
“Sie beharrt einfach stur auf ihren Ausgangsforderungen.” Ständiges Nachlegen der Bahn führe am Ende zu einem Tarifabschluss auf Pump und zu einer Belastung der Steuerzahler.
Die EVG bestritt diese Haltung vehement.
Man wolle verhandeln und das bedeute, dass sich beide Seiten bewegen. “Es wird am Ende einen Kompromiss geben”, sagte Ingenschay. Bahn-Personalvorstand Seiler wiederum hatte gesagt, wenn die EVG auf Kompromisslinien gehe, werde er auch wieder verhandeln.
BAHN HATTE ANGEBOT VERBESSERT
Die Bahn hatte vergangene Woche ihr Angebot noch einmal verbessert und bietet nun bis zu zwölf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 24 Monaten.
Für mittlere Einkommen bedeute es zehn Prozent mehr, für höhere acht Prozent mehr. Dazu kämen 2850 Euro Ausgleichsprämie für die Inflation noch in diesem Jahr. Insgesamt koste das den Konzern 1,4 Milliarden Euro im Jahr.
Die Gewerkschaft hatte das Angebot am Dienstagabend als unzureichend besonders für untere Lohngruppen bezeichnet, sich aber verhandlungsbereit gezeigt. Die EVG fordert zwölf Prozent mehr Lohn, mindestens aber 650 Euro im Monat mehr.
Dies wirkt sich besonders stark bei den Geringverdienern aus.
Ihren Forderungen hatte die Gewerkschaft mit zwei Arbeitskämpfen im März sowie April Nachdruck verliehen und dabei bundesweit den Bahnverkehr lahmgelegt.
Sie verhandelt für rund 230.000 Beschäftigte bei rund 50 Bahn- und Busunternehmen, darunter etwa 180.000 bei der Deutschen Bahn.
(Bericht von: Markus Wacket, redigiert von Ralf Banser; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)









