Frankfurt (Reuters) – Die Aussicht auf eine Pause nach der Serie von Zinserhöhungen der US-Notenbank lässt die Kurse an Europas Börsen weiter steigen.
Der Dax zog am Dienstag um 0,2 Prozent auf 16.136 Punkte an; sein europäisches Pendant EuroStoxx50 kletterte um 0,3 Prozent auf 4330 Zähler.
Wie zuvor an der Wall Street waren vor allem Technologiewerte gefragt. Der entsprechende Branchenindex legte in der Spitze knapp zwei Prozent zu.
Anleger zeigten sich optimistisch, dass die im Tagesverlauf anstehenden US-Inflationsdaten einen Rückgang der Preise im Mai zeigen werden.
Dies verstärkte die Wetten darauf, dass die Fed bei ihrer Entscheidung am Mittwoch auf eine Zinserhöhung verzichten wird. “Die Inflationsrate für den Mai ist das letzte Hindernis auf dem Weg zur Zinspause der Fed”, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners.
“Fällt die Inflation wie erwartet in Richtung vier Prozent, dann steht der Zinspause nichts mehr im Weg.”
NOTENBANKEN BLEIBEN IM FOKUS
Allerdings sei es noch zu früh, um davon auszugehen, dass der Zinserhöhungszyklus zu Ende ist, warnte Stuart Cole, Makroökonom bei Equiti Capital.
Börsianer rechneten damit, dass sich die Inflation im Mai leicht abgekühlt hat und die US-Notenbank Fed die Zinssätze am Mittwoch in der Spanne von 5,0 bis 5,25 Prozent belässt.
Vor diesem Hintergrund gab der Dollar-Index um 0,4 Prozent auf 103,258 Punkte nach.
Dagegen zog der Euro um 0,5 Prozent auf 1,0806 Dollar an. Börsianer erwarten, dass die Europäische Zentralbank bei ihrer Sitzung am Donnerstag im Gegensatz zur Fed im Kampf gegen die Inflation die Zinsen weiter straffen wird.
Unter Experten gilt ein Schritt nach oben um einen viertel Prozentpunkt wie schon im Mai als so gut wie ausgemacht.
Unterdessen hat die chinesische Notenbank erstmals seit zehn Monaten den Zinssatz für kurzfristige Kredite gesenkt, um damit die Wirtschaft anzukurbeln.
Eine Reihe enttäuschender Konjunkturzahlen aus der Volksrepublik hatten zuletzt Zweifel an der wirtschaftlichen Erholung aufkommen lassen.
ÖLPREIS FÄNGT SICH
Nach der Talfahrt am Vortag zogen auch die Ölpreise wieder an.
Die Sorte Brent aus der Nordsee und US-Leichtöl WTI verteuerten sich jeweils um rund ein Prozent auf 72,70 beziehungsweise 67,75 Dollar je Barrel (159 Liter). Nach den starken Verkäufen am Vortag hielten einige Investoren nach Schnäppchen Ausschau, sagte Tatsufumi Okoshi, Ökonom bei Nomura Securities.
Sorgen um eine schwächelnde Nachfrage in China bei zugleich steigenden globalen Vorräten hatten am Montag den Ölpreis um rund drei Dollar pro Barrel gedrückt.
Wenig Spuren am Aktienmarkt hinterließ das entgegen der Erwartungen gestiegene ZEW-Konjunkturbarometer.
Börsenprofis bewerteten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im Juni überraschend besser. Dagegen verschlechterte sich die Einschätzung der Lage im laufenden Monat drastisch: Dieser Wert fiel um 21,7 auf minus 56,5 Punkte.
Dies sei “ein lautes Alarmsignal”, sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Alexander Krüger.
DÜRR PUNKTET MIT ZUKAUF – EMBRACER GEFRAGT
Bei den Einzelwerten legten Dürr-Aktien knapp vier Prozent zu.
Der schwäbische Maschinen- und Anlagenbauer baut mit der Übernahme der bayerischen BBS Automation sein Geschäft mit Automatisierungstechnik schneller aus als geplant. Der Kauf werde als positiver strategischer Schritt gesehen, sagte ein Händler.
Die Aussicht auf eine Senkung der Ausgaben ließ Anleger zudem bei Embracer zugreifen.
Die Titel des Videospieleanbieters stiegen in Stockholm zeitweise um bis zu 11,9 Prozent, nachdem der schwedische Konzern ein Restrukturierungsprogramm angekündigt hat. Sowohl die Kosten als auch Investitionen etwa in die Entwicklung neuer Produkte sollen gesenkt werden.
Im Handelsverlauf reduzierten sich die Kursgewinne allerdings auf rund drei Prozent.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von . Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)









